Warum man einer Schnecke keine Umlaute anvertrauen sollte (oder: RealSnailMailFail)

18. Juli 2011 um 13:17 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

Der 19. Juni 2008 war ein recht ergiebiger Tag hier auf DonsTag, ganze 5 Beiträge gab es hier zu lesen. Eigentlich gab es an dem Tag aber noch ein Thema, das ich für bloggenswert hielt. Da ich aber einen Ruf zu verlieren hatte (weg isser…), konnte ich ja nicht einfach mal über einen Dienst bloggen, ohne ihn vorher auch getestet zu haben, auch wenn das Prinzip noch so leicht zu verstehen ist. Investigativer Journalismus und so, ihr versteht schon.

Und so testete ich an eben jedem Tag diesen sagenhaften Service, der die Online-Kommunikation auf ein ganz neues Level bringen sollte. Und da der Test erst am 19. Mai diesen Jahres (also fast 3 Jahre später) abgeschlossen wurde, komme ich erst jetzt dazu, euch diesen Service vorzustellen, auch wenn diese News nun nicht mehr wirklich aktuell ist. Dafür aber fundiert recherchiert!

Also: Jeder kennt ja den Begriff “Schneckenpost”. Üblicherweise für den Briefweg per Post verwendet. Heutzutage geht das meiste aber ja per Mail. Die Post ist also sofort da und so mancher fühlt sich auf Grund dieser dauernden Sofort-Kommunikation gestresst und such einen Weg, sein Leben wieder etwas zu verlangsamen.

Und hier kommt nun RealSnailMail ins Spiel. Wie der Name schon sagt: “Echte” Schneckenpost.

Man schreibt einfach in diesem Formular seine E-Mail, von wo sie ganz ans Ende der Warteschlange wandert (am 12. Mai bestand diese Warteschlange aus 7.948 Mails, Tendenz steigend). Ist die dann mal an den Anfang der Warteschlange gewandert, wird es spannend.
Dann kommt es nämlich auf ein paar echte Schnecken an, die man sich auch hier ansehen kann (wobei da früher mal auch wirklich Fotos von den Schnecken waren, jetzt sind da nur (offensichtlich falsche) Statistiken).
Diese Schnecken haben einen kleinen Mikrochip auf ihrem Häuschen installiert. Kommen sie nun in ihrem Terrarium (momentan steht das in einer Ausstellung im Kumu Tallinn, Estland) in die Nähe der “Poststation”, so wird ihnen die Mail auf diesem Chip gespeichert. Und wenn sie ihren lahmen Schneckenhintern dann irgendwann in die andere Ecke bewegt haben, wo die Empfängerstation steht, dann wird die Mail tatsächlich per Mail an den Empfänger geschickt.
Bisher (also von 2008 bis zum 12. Mai 2011) haben die Schnecken insgesamt 2.941 Mails verschickt, es könnte also nochwas dauern, bis die Warteliste abgearbeitet ist.
Im Schnitt braucht eine Mail also etwa 623 Tage, bis sie den Empfänger erreicht, dabei befindet sie sich durchschnittlich 18 Tage auf dem Rücken einer Schnecke (die in der Statistik angegebene Minimalzeit von 7 Sekunden halte ich für geschummelt und die Maximalzeit von 248 Tagen (reiner Schneckentransport) für Verbeamtungswürdig).

Naja, am 17. Juni diesen Jahres erhielt ich dann also eine Mail, dass meine Nachricht von Agent 95 aka ‘Marko’ aufgenommen wurde und nun nur noch zum Empfänger getragen werden müsste.
Hach, was war ich aufgeregt. Schließlich konnte ich mich nicht mehr an den Inhalt meiner Mail erinnern. Nur noch, dass es auch an euch gerichtet war, da das ganze ja ein Test für eben dieses Blog war. Einen Tag und 22 Stunden musste ich mich dann noch gedulden, bis Marko die Empfangsstation erreichte (es war übrigens die erste Mail, die er zustellte, mittlerweile ist er schon ein Profi und hat (siehe hier) 10 Mails zugestellt).

Leider wurde ich dann aber bitter enttäuscht, denn Marko konnte offenbar nicht mit Umlauten umgehen und brachte mir daher nur den Teil vor dem ersten “ö”, welcher aufgrund meiner damaligen Schildkrötencontent-Phase recht kurz war:

 

Betreff: Schneckenpost
Datum: Thu, 19 May 2011 18:40:49 +0100
Von: …@donvanone.de
An: …@donvanone.de

Mit Schildkr

Waaaaaah! Da wartet man 3 Jahre auf eine Mail und dann sowas! Pft!

Trotzdem das Fazit: Ein klasse Service, um Niedrig-Priorisierte Mails zu verschicken, solange man auf Umlaute verzichten kann.
Ihr könnt mir hier dann ja in 3-4 Jahren von euren Ergebnissen berichten, evtl. ist der Umlautfehler ja bereits behoben, ich hab auf meine Nachfrage leider keine Antwort erhalten.

 
Conny:

Lustige Idee! Wo hast du eigentlich das Foto her? Oder hast du tatsächlich ne Weinbergschnecke zum Fotoshooting geladen?

antwortenReply to this comment
 
 
donvanone:

@Conny: Die Schnecke hab ich tatsächlich extra für dieses Foto in unser Wohnzimmer eingeladen. Danach hab ich ihr dann unseren Garten gezeigt…

antwortenReply to this comment
 
 
Conny:

Scheint ihr ja gefallen zu haben, so entspannt wie sie rumkriecht. :) Durfte sie den Keks dann wenigstens essen? Jedenfalls schick geworden das Foto, sieht aus wie aus ner Bilddatenbank. Vielleicht solltest du deine Fotos mal professionell vermarkten.

antwortenReply to this comment
 
 
donvanone:

@Conny: Hat ganz schön gedauert, bis sie mal entspannt rumgekrochen ist. Wobei… gekrochen ist sie auch nicht wirklich, hab ihr den Keks dann direkt unter die Nase geschoben (um dann nochmal ewig drauf zu warten, dass sie alle Fühler wieder ausstreckt). Der Keks (Sohnvanones Keks übrigens) hatte es ihr aber auch nicht wirklich angetan, also nein: Sie hat nichts abbekommen.
Und ich weiß auch nicht, ob so ein Bild wirklich eine große Zielgruppe hat, um ertragreich zu werden ;-)
Ne, ich versteh schon, aber nein, hab ich nicht vor. Stock-Photography ist ein heiß umkämpfter Markt und dazu sind meine Ausstattung und mein Können dann doch zu gering.
Ich veredel damit auch weiterhin nur meine Blogbeiträge und freu mich, wenn es anderen gefällt. SO wie jetzt. *Ich freu mich*

antwortenReply to this comment