Vollsperrung 1

26. Mai 2011 um 13:51 von Frau Bü | Kommentar abgeben | Trackback

Vollsperrungen sind ätzend. Richtig ätzend. Und in letzter Zeit überraschend häufig.

Vollsperrung 1 war an einem wunderschönen Donnerstag-Nachmittag. Schicksalhafterweise bin ich an diesem Tag leider zur falschen Zeit aus dem Büro gekommen bin. 15 min früher oder später und ich wäre der Vollsperrung entkommen bzw. hätte sie umfahren. Aber hin und wieder hat man eben Pech: Als ich aber an der rettenden Abfahrt vorbeigerollt bin war ich noch guter Dinge (solange es rollt fahre ich für gewöhnlich nicht ab..) und 100 m weiter stand ich dann – für fast zwei Stunden.

Mein Navi wusste nichts genaues zu sagen (“Unfall, Unfälle auf der Route – ihre Wartezeit beträgt derzeit 11 min”) und die Uhr hatte auch noch nicht Verkehrsfunk geschlagen. Nagut, wir sind ja “mobile Menschen” und somit hatte ich mein Handy dabei um Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen (die anderen Staubetroffenen haben lieber Rat bei anderen Staubetroffenen gesucht, aber ich gehe nicht so gerne auf die Straße). Kaum war die Abfrage per Handy abgesetzt kam auch schon die Verkehrsnachricht: Vollsperrung, da ein Rettungshubschrauber landen muss. Eine halbe Stunde später wurde daraus dann “Vollsperrung – noch bis 22 Uhr”. Etwa zu dem Zeitpunkt hat das THW die Autobahn knappe 100 m hinter uns dicht gemacht – die Möglichkeit zurück zu setzen war nicht (mehr) gegeben. In der Panik noch geschlagene 4 Stunden im Stau festzusitzen bin ich dann mal meine Lebensmittelvorräte durchgegangen. Bonbons, Gummibärchen… kein Wasser. Aber ich musste eh schon aufs Klo ;) Nagut, also dann doch erst mal aufstehen und Beine vertreten und Kontaktaufnehmen… gelassene Schockierung überall und keiner weiß was, weder das THW noch das Radio noch sonst wer. Per Handy dann erstmal die Meldung weitergeben – “heute wird es sehr spät”. Und dann – ganz plötzlich – was tut sich da? Die ersten eilen zurück in ihr Auto und plötzlich geht was!! Die kollektive Euphorie, wenn es nach Stunden weitergeht ist kaum zu beschreiben. Ich werde da sogar so sentimental, dass ich das heulen anfange ;)

Es hat zwar letztendlich nochmal anderthalb Stunden gedauert bis ich mit einem neuen Rekord von > 3,5 Stunden daheim ankam aber pünktlich zum Anfang von GNTM hat es dann sogar noch gereicht ;) Man soll sich ja auch über kleine Wunder freuen ;)

Achja noch ein Nachtrag: ZIG Polizeiwägen sind an diesem Tag an mir vorbeigebrummt. Irgendwann haben die jedoch ihre Strategie geändert und kamen nicht mehr vom Stauende, sondern über die Auffahrt – da wo ich stand… und ich gucke und gucke – Mensch ist die Sirene laut….. bis plötzlich huch, die stehen ja direkt neben mir… und gucken böse weil ich den Weg nicht frei mache. Da ich weder vorwärts noch rückwärts konnte hab ich “Weg-frei-machen-in-100-Zügen” inklusive Abwürgen des Motors gemacht… peinlich peinlich.

Lessons Learned: ich brauche ein Stausurvival Paket. Bestehend aus Lektüre (am besten Kurzgeschichten), einer Flasche Wasser und langhaltbarer, vollwertiger Astronautennahrung.

 
Ro:

An besagtem Donnerstag-Nachmittag steckte ich in genau demselben Stau (nicht ganz so weit vorne, wenn ich das richtig interpretiere). Dabei war ich noch soo stolz, dass ich schon um 17:00 aus Sifi weg kam. Blöderweise gab’s dann noch im Reißverschlussverkehr eine kleine Begegnung mit einem Laster –> nochmal 2 Stunden, bis der Unfall aufgenommen war. Immerhin war dann die Strecke wieder frei – doch am Lämmerbuckel stand ich dann schon wieder 2 Stunden wg. der Nachtbaustelle.
Um 0:30 Uhr war ich zu Hause.
Ein kleiner Trost: Kollegen, die den Stau umfahren wollten waren auch nicht viel früher zu Hause – da ging nämlich auch nix mehr.

Die A8 ist zeitweise einfach nur noch ein Chaos.

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bullion:

Ohje, das hört sich aber nicht gut an. Bei mir kommen solche extremen Staus glücklicherweise nur selten (sprich: einmal alle zwei Monate) vor. Sehr nervig, besonders auch wenn es auf dem Hinweg zur Arbeit passiert. Als perfekte Unterhaltung habe ich bei Staus oder Autofahrten generell übrigens diverse Podcasts für mich entdeckt. So ein Survival package wäre aber auch eine Idee…

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Wolf:

Das Survivalpaket hier in Kanada (allerdings wegen White-outs und nicht wegen Staus) umfasst neben den oben erwähnten Dingen auch eine Decke, eine Taschenlampe sowie — Katzenstreu. Letzteres wird als billiges und gutverpacktes mobiles Streugut zweckentfremdet :-)

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