Ulmer Zelt (IV): Yann Tiersen

08. November 2006 um 22:55 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

Verspätungswochen: Yann Tiersen im Ulmer Zelt

So, hier also der vierte (und letzte) Bericht vom diesjährigen Ulmer Zelt.  Yann Tiersen gab sich die Ehre und da konnte ich als absoluter  Amelie-Soundtrack-Fan (da hat er übrigens jedes einzelne Instrument selbst gespielt…) natürlich nicht widerstehen (zumal auch der von  “Goodbye Lenin” nicht so schlecht war) und freute mich auf diesen abschließenden Höhepunkt der Zelt-Zeit.

Ulmer ZeltDoch leider leider war dann alles anders als erwartet. Ist der Amelie-Soundtrack einfach schön anzuhören und wohlfühlversprühend, so zeigte sich Yann in Ulm von einer ganz anderen Seite: Verstört, Laut und experimentierfreudig.
Das fing schon gleich am Anfang an, als in das erste Stück die Zeitansage eingebaut wurde. Es folgten dann Gitarren- und Geigenspiele mit Luftballons oder auch einer Bohrmaschine (wobei ich das Lied als einen der Höhepunkte empfand, denn sowas hatte ich wirklich noch nicht gehört). Auch die Anzahl der verwendeten Instrumente und der Verbrauch an Geigenbögen war beachtlich. Dafür klangen die Lieder dann allerdings alle überraschend ähnlich (und überhaupt nicht sinnlich). Waren Frau Bü und ich bei “Les Tambours du Bronx” sehr traurig, dass es (technisch bedingt) so früh vorbei war, waren wir diesmal eher erleichtert, als das letzte Stück angekündigt wurde. Als es dann noch eine Zugabe gab, durfte man natürlich auch nicht gehen, als dann die nächste auch noch kam auch, dann wurde Frau Bü zwar immer quengeliger, aber wir haben es dann doch noch durchgezogen. Auch wenn es (nicht nur für uns) sehr hart war, waren die Zugaben doch fast genauso viele, wie vorher die regulären Stücke.

Einen sehr guten ausführlichen Bericht (nicht aus Ulm, aber das liest sich alles sehr ähnlich) kann man übrigens  hier nachlesen. Das Fazit kann ich da auch nur unterschreiben:

 

Es überrascht am Ende, dass selbst “Le Banquet” vom Amélie-Soundtrack und das Amélie-Thema kaum aus der grimmigen Aushalte-Stimmung, die die Zuschauer nun überkommt, herauszureißen vermögen. Tiersen verlangt seinem Publikum einiges ab – wer sagt denn auch, dass ein Konzertbesuch unterhalten soll. Hier jedenfalls gerät er nachgerade zur Zuhör-Arbeit, womit Tiersen all jenen ein Schnippchen schlägt, die ihn für die nächsten zehn Jahre gerne auf den Amélie-Sound festnageln würden.

Ein Vergnügen war es sicher nicht und jetzt im Nachhinein habe ich es auch nicht mehr ganz so schlimm in Erinnerung, aber wenn man mit komplett anderen Erwartungen da reingeht, dann ist es doch sehr sehr anstrengend, um nicht zu sagen eine Qual…