Mein Nähstudio – Teil 4

18. April 2008 um 08:59 von Frau Bü | Kommentar abgeben | Trackback

(wegen Reperaturarbeiten verzögert sich Teil 3 auf unbestimmte Zeit)

Die Reifeprüfung

Nackte, kahle Fenster… von heimeligem Wohnambiente keine Spur. Das WAR unser Schlafzimmer bis Sonntag den 6.April. Aber fange ich doch besser vorne an:

Im Showfenster des hiesigen TTL fanden wir unsere Traum Vorhänge. WOW! Toll! Kreativ! Afrikanisch – genau wie unsere Möbel und Dekoausrichtung im Schalfzimmer. Punktum: Sie waren perfekt! Es gab nur einen klitzekleinen Haken von weit über 600 Euro die das gute Stück kosten sollte. Alleine das nähen eines Elementes (von letztendlich 6) hätte 150 Euro gekostet!! Zu teuer, fürs Schlafzimmer, wo die Vorhänge doch nicht so präsent sind wie in den anderen Räumen. Man schläft ja die meiste Zeit und Besuch empfängt man dort auch nicht unbedingt…

Wir haben lange überlegt – uns weiter umgeschaut. Uns war aber eines klar: das war unser Traum-Vorhang für unser Afrikanisches Schlafzimmer. Schwarzes Leder schmiegt sich an dezentes Tiermuster und Karo…. Nach mehreren Inspektionen des Vorhangs im Schaufenster stand der Entschluss: dieser muss es sein!

Nachdem mein Nähstudio ja gerade in der Mache war (damals natürlich noch nur das gute Ding ohne Overlock Verstärkung) kam der Gedanke: warum nicht die Vorhänge (zumindest teilweise) selbst nähen? Nach nochmaliger Inspektion des Vorhangs (diesesmal mit Detailblick auf die Nähte und Machart) fiel die Entscheidung: ich würde den Vorhang ganz komplett und jedes Teil selbst nähen. Die Nähanleitung hatte ich ja vor Augen (fotographisches Gedächtnis sei Dank). Gesagt getan: nur Minuten später stellten wir alle Teile zusammen:

http://www.donvanone.de/wp-content/uploads_donvanone/2008/04/ttl_bestellung3.jpg

Da ich bis zur Einweihungsparty die Vorhänge fertig nähen wollte, ging es auch direkt und zügig los (nur unterbrochen von der ein oder anderen Prachtstück-Pause ;) Die spannende Frage ist nun: Wie näht man einen Vorhang in 9 Tagen ohne Nervenzusammenbruch? Gar nicht!!! Oder etwas konstruktiver ausgedrückt – NICHT SO:

Richtig: Man schneide die Lederbahnen entsprechend der geplanten Maße zu
Falsch: Man schneide die Lederbahnen 38cm zu kurz zu und merkt dies erst nach dem Zuschnitt (unter Schneiderinnen auch als “point of no return” bekannt :)
Falls man es doch falsch gemacht haben sollte hilft dies: An der Klettbandnaht (ich weiß, ich spreche in Rätseln, aber es wird sich alles auflösen, wie in “The 6th Sense” versprochen!) näht man ein 16 cm langes Stück an. Das Klettband versteckt die Naht. Dann schneidet man je 4 Schlaufen zu mit je 34 cm Länger und 4,5cm Briete (bei Leder keine Nahtzugabe notwendig, verfranst nicht), die dann an dem Verlängerungsstück als zusätzliche Verlängerung angenäht werden. Dann schlägt man den Saum der Lederbahnen so eng wie möglich ein. Macht in Summe nur ein minus f ür die Gesamtlänge von 7 cm. Mehr ist ohne Schönheitsverlust einfach nicht herauszuholen. Am Ende Fädchen vernähen und auf das Beste hoffen (siehe Foto).

http://www.donvanone.de/wp-content/uploads_donvanone/2008/04/leder.jpg

Richtig: Man schneide den feinen Deko-Stoff (der auf die Lederband geklettet wird) entsprechend der geplanten Maße zu
Falsch: Man schneide ihn zu schmal
Abhilfe, falls man ihn doch zu schmal geschnitten haben sollte: Tut mir leid, wenn man sich nicht mit was schlechterem zufrieden geben kann dann hilft nur Stoff nachkaufen und nochmal versuchen. In diesem fall auch kein Thema, denn gerade dieser Stoff war sehr günstig… kein Problem für unser Budget ;)

http://www.donvanone.de/wp-content/uploads_donvanone/2008/04/store.jpg

Richtig: Man schneidere beide Raffvorhänge gleich breit.
Falsch: Man schneidere den einen zu schmal und den anderen beim Angleichen noch schmäler….
Abhife: Weg gucken. Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung was da schief gegangen ist und weiß bis heute nicht wo die drei (!!!) Zentimeter beim ersten und dann nochmal ein Zentimeter beim zweiten geblieben sind. Wenn ich nicht wüßte, dass das Bermuda Dreieck auf dem Speicher von Kerstins Elternhaus liegt, dann hätte ich zumindest einen Verdacht.

Ein paar praktische Hinweise am Rande: man nimmt den Reihfaden immer in einer stofffremden Farbe und reiht nicht direkt dort wo später die Naht verläuft. Man pult sonst am Ende stundenlang den Reihfaden wieder raus, den man nur schwer vom Nähfaden unterscheiden kann. Nach meiner ersten gereihten Naht ist mir dieser weise Hinweis meiner Schneiderlehrerin wieder eingefallen.
Blaue Schneiderkreide und feine Store in weiß/beige vertragen sich nur so lange gut, wie man den blauen Strich SEHEN soll.
Raffrollo-Bänder immer gut reihen, sie rutschen nämlich sehr stark auf dem Stoff. Feststecken nützt da nicht viel, denn der Verzug an den Nadeln ist noch schlimmer (es schlingert sonst sehr stark, weil das Band sehr starr ist). Für diese Bänder würde ich mir wünschen, dass man sie auch festbügeln kann, wie z.B. Vlieseline oder die Durchschubsbänder.

http://www.donvanone.de/wp-content/uploads_donvanone/2008/04/raffvorhang.jpg

Richtig: Man bringe die Deko-Ringe in gleichmäßigen Abständen an.
Falsch: Man zeichne die auszuschneidenden Ringe in ungleichmäßigen Abständen auf.
Abhilfe: Man stellt es rechtzeitig fest (*puh*). Denn schließlich lernt man bei den ganzen schief gegangenen Schnippeleien was dazu. Und wenn nicht, reißt euch mal gefälligst ein bisserl zusammen.

Richtig: Man bringe den Beschwerungs-Raffvorhang/-rollo-Halter durch einfaches verknoten der Raffrollo-Bänder an.
Falsch: Man baut einen Flaschenzug und wundert sich warum der Vorhang nicht stufenlos und automatisch in jeder Position hält.
Abhilfe: Man fährt zum Inhofer und diskutiert mit dem Personal, dass es auch noch ein schwereres Objekt geben muss und entdeckt dabei in der Ausstellung ein richtig verwendetes Beschwerungs-Raffvorhang/-rollo-Halter Teil.

So Geschichten erinnern mich wieder daran, warum ich so gerne nähe. Denn selbst wenn alles total schief geht, das Ergebnis lässt sich meistens sehen:

Tadaa!

Ich freu mich ;)

Mein Nähstudio – Teil 1

09. April 2008 um 13:35 von Frau Bü | Kommentar abgeben | Trackback

Meine erste Overlock

Ich war etwa 13/ 14 Jahre alt als ich mit meiner Mutter einmal im Karstadt einkaufen war. Das alleine ist nichts besonderes, waren wir doch öfter gemeinsam einkaufen, doch eines Tages liefen wir zufällig durch die Stoffabteilung wo mir dann ein ganz besonderer Stoff ins Auge fiel. Da meine Mutter eine Nähmaschine hatte überlegte ich, mir daraus einen Rock selbst zu nähen und kaufte den Stoff von meinem Taschengeld. Ohne Nähanleitung oder Hilfe kann aus einem Stück Stoff jedoch kein Rock werden. In meiner ganzen Familie ist allerdings das Stricken weiterverbreitet als das Nähen (eine Großtante mit Nähleidenschaft gab es wohl, jedoch war die eine halbe Stunde Autofahrt entfernt). Kurzerhand meldeten meine Eltern mich bei der Hettenleidelheimer Volkshochschule für einen Nähkurs an und statteten mich zudem mit allem notwendigen Handwerkszeug aus (Nählineal, Schneiderkreide, Nadeln, Garn,…). Praktischerweise hatte Aldi just zu dieser zeit eine Nähmaschine (Necchi 559) im Angebot, die meine Ausstattung vervollständigte. Bei der ersten Nähstunde dann in der alten Schule hat meine Nählehrerin gleich angemerkt, dass meine Nähmaschine: „kein Jahr aushält!“. Sie sollte sich täuschen…. es waren 13 Jahre ;) aber dazu mehr in Teil 2

Nachdem ich dann einige Jahre hobbymäßig etwa 6 Röcke, einen Hosenanzug, ein T-Shirt, 1 Bluse, 1 Tunika, 1 Abiballkleid, 2 Hosen und einen Showbühnenvorhang genäht hatte wusste ich, was mir zu meinem Nähglück fehlte: eine Overlock. Die ergänzt eine normale Nähmaschine durch allerfeinste Versäuberungen, die durch 4 Fäden und einem Stoffmesser entstehen. Schon mit 14/ 15 träumte ich von diesem Gerät, dass mir damals doch recht teuer schien (zu viel für mein kleines Taschengeld). Die Zeit des großen Geldes ist bisher allerdings ausgeblieben ;( doch stand uns ja eine Hochzeit ins Haus. Nach Rücksprachen mit diversen Vorgängern schöpfte ich die Hoffnung, dass ich von dem Hochzeitsgeld eine Overlock meinem Nähsortiment hinzufügen könnte. Dafür sollte der Don irgendetwas gleichwertiges Bekommen (was hab ich jetzt vergessen). Aber mit der Hochzeit kamen auch die Flitterwochen und so zerplatzte der Overlock-Traum vorübergehend.

Meine Overlock

Die neue Wohnung rettete jetzt meinen Overlock-Traum, denn mit der neuen Wohnung kamen auch nackte Fenster. Da unser Traum-Vorhang (dazu ein andermal mehr) allerdings einen umgelegten 3-Faden Rollsaum erforderte (konnte meine Nähmaschine nicht) konnte ich die Overlock als zwingend notwendig durchsetzen. Und da ist sie nun: meine hobbylock 776. Kostenpunkt: 250€. Gekauft in Ulm im Fachhandel. Natürlich ist das teurer als im Internet, dafür hatte ich aber eine einstündige praktische Einführung in das Model und dauerhaft einen Ansprechpartner bei Problemen. Außerdem konnte ich die Maschine samt Allesnäher- Garn direkt mitnehmen.

Ich freu mich ;)

Vor(hänge)²n

07. April 2008 um 01:02 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

Auf deutsch: Vorhänge hängen.
Und zwar ganz neu in Wohnzimmer, Küche und Schlafzimmer.
Fotos und Berichte (vor allem zu den Schlafzimmervorhängen dürft ihr was erwarten, denn die hat Frau Bü höchstpersönlich genäht. Ich sag nur: WOW!) folgen aber erst in frühestens einer Woche. Bis dahin ist Sperrfrist, damit es zur Einweihungsparty wenigstens noch ein paar Überraschungen gibt…