Anmerkung am Anfang: Es geht hier zwar um die in Deutschland noch nicht gelaufene 5. Staffel von Lost, trotzdem kann jeder diesen Artikel lesen, da er komplett Spoilerfrei ist (und wenn doch mal was eingestreut ist, merkt das der Unwissende gar nicht…).
Geht es eigentlich nur mir so, oder ist die aktuell in Amerika laufende fünfte Staffel von Lost einfach unglaublich wow? Natürlich weiß ich die Antwort: Nein, es geht nicht nur mir so.
Momentan kommt mir Lost vor, wie die schnellste und tollste Achterbahn in nem Vergnügungspark: Man steigt ein und zack, gehts in Hochgeschwindigkeit los (nein, nicht erst eine langsame Berganfahrt, das ist so eine Achterbahn mit elektromagnetischem Linearantrieb) (ja, das mit dem Magneten kann man ruhig auch direkt auf Lost beziehen). In einem wahnsinnigen Tempo wird man nach oben, unten links und rechts gewirbelt, kriegt kaum was mit, steigt am Ende total benebelt aus und hat nur zwei Gedanken: Zuerst “Wo bin ich?” und dann “Nochmal! Nochmal!”.
Echt jetzt: Es tut Lost ungemein gut, dass das Ende fest vorgegeben wurde, denn mit einem Ziel in Sicht, schreibt es sich doch viel besser und man muss nicht immer alles ewig strecken, sondern bringt auch mal Antworten und eine straffe Handlung.
Ich werfe jetzt mal mein erfachtes Konzept über Bord und springe wild rum (ja, auch das passt zu Lost): Frau Bü und ich sind von der Achterbahn so durcheinandergewirbelt, dass wir zwischen den einzelnen Fahrten eine kleine Verschnaufpause machen müssen und uns die Bahn von außen genauer angucken. Heißt: Wir fangen nochmal ganz von vorne an und haben jetzt in einer Woche die 25 Folgen der 1. Staffel durch (Frau Bü braucht ja auch etwas, dass ihren Kopf für die Diss frei macht…).
Und da fällt mir erst auf, wie laaaangsam am Anfang doch alles ging. Wie viele Folgen hat es gedauert, bis die Hatch endlich auf war? Ewigkeiten! Sowas ist heute gar nicht mehr vorstellbar. Klar, damals war das genau richtig, schließlich müssen wir ja erst einmal die Charaktere (die Insel eingeschlossen) kennenlernen, aber im Vergleich zur fünften Staffel ist das ja echt ein Kinderkarussel. Und neben dem Karussell steht die Hatch, die man immer nur nach einer ganzen Umrundung mal kurz zu Gesicht bekommt, seinen Arm nach ihr austreckt, sie aber nicht erreicht, weil das Karussell sich unweigerlich weiterbewegt.
In der heutigen Achterbahn würde die Hatch auf einmal mitten über der Strecke auftauchen, man würde mit dem Kopf in Höchstgeschwindigkeit gegendonnern (das gibt Nasenbluten sag ich dir) und wüsste nicht, wie einem passiert ist.
So, ich trabe auf der Stelle. Auf jeden Fall: Wow! Wie Lost kontinuierlich (ok, die zweite Staffel evtl. mal ausgenommen) Tempo und Qualität gesteigert hat. Ich frag mich, was da in der letzten Staffel noch alles auf uns wartet.
Und ich frag mich, was ich dann alles tun muss, um noch mitzukommen. Denn momentan höre ich zwischen den neuen Episoden schon mindestens 2 Podcast zu der zuletzt gesehen Folge (die alle länger als die eigentliche Folge dauern), um mir von meinen Achterbahnkollegen ihre Sicht erzählen zu lassen und daraus dann einen groben Plan von der Fahrt skizzieren zu können.
Damit hab ich diese Staffel erst angefangen, vorher war das irgendwie nicht nötig (da hab ich nur den offiziellen ABC-Lost Audio- und Video-Podcast gehört/gesehen, was ich jetzt zusätzlich natürlich auch noch mache). Und so stand ich also erstmal vor dem Problem: Welcher Podcast ist denn gut? Ist ja nicht so, dass die Auswahl da gering wäre. Also einfach mal das Lost Podcasting Network abonniert, der über 30 verschiedene Lost-Podcasts in sich vereint. Nachdem ich da dann zu jeder Folge so 4-5 angehört hatte, habe ich für mich “The Transmission” und “Jacobs Cabin” als beste Lost-Podcasts auserkoren. Beide sind sehr gut strukturiert (was man nicht wirklich von allen behaupten kann) und dauern etwas über eine Stunde.
“The Transmission” wird von audible gesponsort, was dann tollerweise dazu führt, dass der Podcast nicht nur als mp3 daherkommt, sondern auch im audible-Format, was eine Gliederung nach Kapiteln mit sich bringt (ich berichtete). So kann man z.B. die ersten 8 Minuten (in denen die Handlung der Folge nacherzählt wird) einfach überspringen. Gerade wenn man mehrere Podcast hört, nervt es doch, wenn jeder nochmal die Folge zusammenfasst. Brauch ich nicht. Es folgt dann ein längerer Sektor, in denen die beiden Macher (Ryan & Jen) sich über die Folge unterhalten, Theorien aufstellen und Besonderheiten erwähnen, die ihnen aufgefallen sind, dann ein weiterer großer Block, in dem Sprachnachrichten von Zuschauern eingespielt und diskutiert werden (heißt treffenderweise “You all everybody”), dann das gleiche nochmal mit Nachrichten, die nicht in Sprachform vorliegen (also Mails oder Kommentare auf deren Blog) und schließlich (mit Vorwarnung) ein abschließender Spoiler-Bereich in dem sehr häufig erzählt wird, was gerade so gedreht wird, da die beiden auf Hawaii wohnen und daher so einiges mitbekommen. Hier sollte ich mir angewöhnen, vorher abzuschalten, da ich es ja eigentlich noch gar nicht wissen will. Bisher hab ich das aber noch nie geschafft…
Bei “Jacobs Cabin” wurde die Zusammenfassung der Folge (bis mir mal das deutsche Wort für “recap” eingefallen ist) glücklicherweise vor einiger Zeit auf Hörerwunsch eingestellt, dafür gibt es jetzt am Anfang kurz sehr coole Gedichte oder Tagebucheinträge, die das Geschehene ganz knapp aus ungewohnter Perspektive (letztens hat z.B. Lockes Rollstuhl sein Tagebuch geschrieben) wiedergeben. Im Unterschied zur Transmission gibts hier nur eine Podcasterin “Anna in Indiana”, die erstmal ihre Meinung zur Folge wiedergibt, dann kommen auch eingespielte und vorgelesene Hörermeinungen und schließlich wird dann doch noch jemand “zugeschaltet” und zu zweit auf Theorienjagd gegangen.
Beides sehr empfehlenswerte Podcasts. Und wenn noch was Zeit ist: Donald is Lost (mit mehr Comedy-Elementen, da Donald gerne die Losties imitiert und sie so selber zu Wort kommen lässt) und Delta Park gets Lost. Auch und dann hab ich da ja auch noch das YouTube-Abo von smolesiuk. Hier sieht man dann auch mal, worüber eigentlich gesprochen wird. Ist halt nur etwas aufwändiger und daher erst deutlich später online als die Podcasts.
Hab auch mal eine Folge in den deutschen Podcast “Lost Unlocked” gehört (via Abspannsitzenbleiber), aber der ist echt nicht zu gebrauchen (sorry). Viel zu viele Leute haben viel zu wenig Konzept, bringen sich selber immer wieder ab, vermischen Theorien mit Rückblick und kommen viel zu oft vom Thema ab. Ne, da ist das Angebot an erstklassigen amerikanischen Podcasts einfach zu hoch…
Ihr merkt: Bei mir dreht sich gerade alles nur um Lost. Meine ganzen anderen Podcasts sammeln sich auf dem iPod an und werden kaum abgearbeitet und auf dem Festplattenrekorder sammeln sich andere aufgenommene Sendungen an (irgendwann wird das mal noch ein Problem, wenn der Platz voll ist), da Frau Bü und ich die tägliche Überdosis Lost brauchen (heute haben wir dann mal noch einen Arztbesuch bei House dazwischen geschoben, der ja wieder seinen Dienst aufgenommen hat). Man hat es echt nicht leicht…
Aber mal wieder zurück (ich hätte doch bei meinem Konzept bleiben sollen) zu meiner Anfangsaussage: Auch diese Podcasts geben mir immer wieder recht und sprechen fast wöchentlich von der besten Lost-Folge “ever”. Jede Woche stimme ich dem sicher nicht zu, aber die fünfte Staffel stellt wirklich alles davor gewesene in den Schatten.
Und da bin ich dann auch mal ganz froh, wenn es so Folgen wie die Rousseau-Folge oder die letzte “The Life and Death of Jeremy Bentham”-Folge gibt, die einem hauptsächlich das zeigt, was man eh schon wusste (weil es Stückchenweise in der Serie erzählt wurde), aber eben noch nicht gesehen hat. Das gibt einem theoretisch eine kurze Verschnaufpause, aber eben nur theoretisch, denn es wird drumherum doch noch so viel Nasenbluten-verursachendes Zeug erzählt, dass einem gar nicht langweilig werden kann. In “The Transmission” haben sie da ein gutes Bild für gefunden (grob wiedergegeben): “Lost ist wie ein 5.000-Teile-Puzzle, bei dem man zuerst mal den Rand zusammengebaut hat. Jetzt werden immer mehr Teile eingefügt und das Bild wird erkennbar. Irgendwann sind da nur noch kleine Lücken, bei denen man ganz genau weiß, was hinkommt. Aber einsetzten muss man sie trotzdem noch. Und die Kunst besteht darin, auch bis zum letzten Teil noch spannend und unterhaltsam zu sein.”
Wobei ich fest davon ausgehe, dass die auch in der letzten Folge noch ein Puzzletzeil aus dem Hut zaubern, mit dem ich dann doch nicht gerechnet habe, welches aber optimal passt.
Abschließend noch eine Frage (dass die jetzt nur noch die 2-3 Lost-Fans lesen, die den ganzen Text tapfer durchgehalten haben ist egal, die anderen könnten eh nicht antworten): Als Blu-Ray gibt es bisher für mein Abspielgerät nur die vierte Staffel, oder? In Amerika ist ja auch die dritte draußen, aber in UK noch nicht, oder? Die kann ich auf der Amazon-Seite komischerweise nicht finden (dafür aber die 1. und die 2., die für Juni (oder so) angekündigt sind). Lohnt sich das Warten auf Blu-Ray, oder kauf ich mir die dritte Staffel jetzt auch schon auf DVD, damit wir die in gescheiter Qualität gucken können, wenn wir so weit sind (ich geb uns noch bis Sonntag)? Das Bonusmaterial wird das gleiche sein, oder? (Ach, zum Bonusmaterial von der ersten Staffel: Ist ja echt mal ulkig, wer da alles von der aktuellen Crew für Sawyer vorgesprochen hat. Ich hab das Gefühl, die haben nur für Sawyer und Kate (Sun sollte echt Kate sein?) gecastet und dann allen, die es nicht geworden sind irgendwelche neuen Rollen auf den Leib geschrieben. Auf jeden Fall sehr interessant anzusehen…)
So, das war mein Senf, in den Kommentaren erlaube ich uns jetzt wild zu spoilern. Ich geb auch gleich mal einen Startpunkt fest, nämlich die Frage, die sich mir gerade am öftesten stellt: Wer ist der Böse? Ich kann mich einfach nicht entscheiden. Sind am Ende beide böse?
PS: Ist jetzt doch ganz schön lang geworden, lasse ich die ganzen (älteren) Videos mit Lostbezug einfach mal weg, mit denen ich hier eigentlich ein wenig füllen wollte. Das kann ich dann ja nach der Staffel machen, wenn mir Langweilig wird…