Stolpersteine: Auch schon drüber gestolpert?

08. Mai 2007 um 22:30 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

Nachdem ich bei  Spreeblick und dann bei der  taz darüber “gestolpert” bin, hab ich mir endlich mal nen Ruck gegeben und arbeite nun einen weiteren Punkt auf meiner “was ich immer vor mir herschiebe”-Liste ab: Der Artikel über die Stolpersteine.
Angefangen hat hier alles mit dem Bericht über mich in der Rhein-Zeitung. Den hat nämlich mein damaliger Englischlehrer Rolf Wüst gelesen und sich dann auch mal auf meiner Seite umgeschaut.
Und da er nicht nur einer der sympatischsten Lehrer war, sondern auch ein vorbildlicher Blog-Leser ist, hat er auch gleich einen Kommentar hinterlassen, in dem er mich über Neuigkeiten aus der Heimat informierte. Und das hörte sich dann auszugsweise so an:

 

Seit ein paar Jahren nehme ich als stellv. Vorsitzender im Deutsch-Israelischen Freundeskeis an dem Projekt STOLPERSTEINE (siehe: www.STOLPERSTEINE.com) teil, in dem vor die Häuser ehemaliger jüdischer MitbürgerInnen Gedenksteine mit den Lebens- und Schicksalsdaten verlegt werden. Am 22. Febr. werden 4 Steine in Gladbach verlegt für ein Ehepaar Platz und ein Ehepaar Levy.

Rol Wüst erklärt die Stolpersteine

An dem Termin konnte ich leider nicht in Gladbach (meinem Heimatort, nicht Mönchengladbach, sondern der Stadtteil von Neuwied) sein. Nach einem kurzen Mailverkehr bekam ich dann aber das Angebot, ihn doch später einfach mal zu treffen und mich über die Aktion zu unterhalten. Meine Mutter hab ich dann beauftragt die Fotos von der Verlegeaktion zu schießen (oben sieht man in der Mitte Wüst, wie er den Schülern während der Steinverlegung Rede und Antwort steht) und so kam es dann zu diesem Artikel.

Bis zu diesem Kommentar hatte ich noch nichts von den Stolpersteinen gehört und hab mich also erstmal auf der  genannten Website informiert. Ganz grob gesagt (für Details und weiterführende Links empfehle ich  Wikipedia) geht es darum, an die Opfer der Nazi-Zeit zu erinnern. Dabei geht es nicht um eine Anklage, irgendwelche Vorwürfe oder den typischen erhobenen Zeigefinger, sondern nur um einen sachlichen Standort gegenüber der Geschichte. Den Opfern (und damit sind nicht nur die ermordeten Juden gemeint, sondern auch Wehrdienstverweigerer oder Zwangsarbeiter) soll der Name und das Schicksal zurückgegeben werden, indem vor ihrem alten Heimathaus ein Denkmal gesetzt wird. Das besondere daran ist die Art des “Denkmals”: Es handelt sich nämlich um eine kupferene Platte auf einem 10x10cm großen Stein, der in den Boden eingelassen wird. Darauf steht der Name der Person, inklusive Geburtsdatum und dem erlebten Schicksal.
Zwei der vier Steine, die in meinem Heimatort gesetzt wurden, sehen z.B. so aus (viel mehr Bilder gibts im  flickr-Pool):

Stolpersteine

Und seit ich von dieser Aktion erfahren habe, stolpere ich regelmäßig über solche Steine. Ob im Nachbarort, in Stuttgart, Köln oder Hannover. Insgesamt wurden vom Künstler bisher mehr als 11.000 Stolpersteine in ganz Deutschland verlegt. Aber auch im Ausland soll gestolpert werden, so gibt es z.B. auch in Österreich oder Ungarn Stolpersteine. Auch Polen und Schweden stehen auf der Liste.

SteinverlegungAber leicht ist es nicht immer, die Genehmigung für die Verlegung zu bekommen. München erlaubt die Stolpersteine zum Beispiel überhaupt nicht, ab und an kommt es auch zum Unmut der Hausbesitzer. Die haben entweder Angst vor einer Wertminderung, oder vor dem Vorwurf, das Haus nach der Judenvertreibung illegal erworben zu haben.
Das Hauptproblem liegt allerdings im Recherchieren der Adressen und Geschichten der Opfer. Das ist für die Stadt Neuwied (inkl. Stadtteile) die Aufgabe meines ehemaligen Lehrers, der mittlerweile in Pension ist. Als Quellen dienen ihm dazu (unvollständige) Einwohnermeldekarten, das Stadtarchiv in Rommersdorf, das Bundesarchiv sowie Zeitzeugen. Aber da ja für jedes Opfer die Adresse herausgefunden werden muss, reichen die Archivdaten oft nicht aus und so wird eine Vollständigkeit wohl nie zu erreichen sein. Zu den bisher 148 in Neuwied verlegten Steinen werden aber noch einige dazukommen (das nächste Mal wieder im Oktober).

Was ich an diesen Stolpersteinen viel besser finde als an größeren Denkmählern wie dem Holocaust-Mahnmal ist die Direktheit, die von so einem Stein ausgeht. Denn schließlich steht man somit direkt vor einem Haus, welches Mittelpunkt einer tragischen Geschichte ist. Noch intensiver habe ich dieses Gefühl anhand des Buches “Auch ich war ein Kind dieser Zeit” erlebt, welches mir Herr Wüst auch mitgab. Darin hat er die subjektiven Erinnerungen eines Neuwieder Bürgers zusammengetrafen, der 1928 geboren wurde und so in sehr jungen Jahren die Nazi-Zeit und Gehirnwäsche. Er beschreibt dort alles sehr lebendig und die vielen Referenzen auf bestehende Gebäude und Straßen machten es mir leicht, mir all das bildlich vorzustellen. Kann ich vor allem ortskundigen nur empfehlen. Eine nähere Beschreibung gibt es übrigens  hier.

EDIT: Hier und da nach Absprache mit Herrn Wüst ein paar kleinere Korrekturen vorgenommen.

Verspätungswochen bei DonsTag

07. November 2006 um 00:26 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

So, nach meinem Geburtstagswochenende (nochmal Danke für die Glückwünsche) daheim bei der Familie und einem Improtheater-Besuch gerade eben hab ich dann endlich mal wieder Zeit, euch hier in meinem Blog zu beehren. Momentan gehts hier ja eher ruhig zu und ab und an vergess ich dann auch noch irgendwas zu bloggen, was ja quasi unverzeihlich ist.
Aber dem habe ich nun diese Woche was entgegen zu setzen, bei DonsTag gibt es diese Woche nämlich die Verspätungswochen. Beginnen sollte diese Woche eigentlich in der Nacht von Sonntag auf Montag um 1:45, aber das hat sich jetzt etwas verspätet…

Verspätungswochen

Zuerst aber einmal die berechtigte Frage: Verspätungswochen? Wie kommt man denn auf sowas?
Die Antwort ist ganz leicht: Ich war an meinem Geburtstagswochenende (nochmal Danke für die Glückwünsche) daheim bei der Familie und da bin ich mit der  Deutschen Bahn hingekommen. Und auch wieder zurück. Immerhin.

Die Hinfahrt war schon ziemlich lustig, die Verspätung betrug lediglich 20 Minuten, was ja zu verkraften ist. Nicht allerdings für einen älteren Herren, der sich dann auch lautstark beim Schaffner beschwerte. Wie das denn sein könne, dass die Bahn immer und immer wieder irgendwelche Probleme hätte und alle Züge ständig zu spät seien. Man solle sich doch mal die Schweizer Bahn anschauen, die würde das auch wunderbar hinbekommen, das könne doch nicht sein. Der Schaffner hörte sich das ganze an, ohne allerdings irgendetwas dazu zu sagen. Auch die anderen Leute sagten nichts, nur der alte Mann stänkerte vor sich her (trifft es nicht ganz, er sprach nämlich so laut, dass das ganze Abteil ihn gut verstehen konnte).
Daraufhin kam dann der Knaller des Mannes. Er fände es erschreckend, dass die anderen Mitreisenden sich nicht beschweren würden, sondern alles einfach so hinnehmen würden, das wären ja Zustände wie damals bei den Nazis.

Ja, richtig gelesen. Wie bei den Nazis. Der Schaffner ließ sich nichts anmerken und ging einfach weiter, um andere Fahrkarten abzustempeln. Als der Mann dann seine gewagte Nazi-These wiederholte, mischten sich dann doch mal die Leute drumherum ein und meinten, dass das nun nicht wirklich zu vergleichen wäre, was der alte Mann (der die Nazis wahrscheinlich miterlebt hat) nicht einsehen wollte (Oder wollte er nur irgendwie geschickt das Gespräch auf  diese  beiden kulturellen Ereignisse lenken?).

Ich hätte ja mal gerne miterlebt, wie der Mann sich dann auf der Rückfahrt (ich weiß nie, welche der Fahrten ich “Heimfahrt” nennen soll, gehen sie doch beide heimwärts…) angestellt hätte. Mein Vater hatte uns extra nach Koblenz gefahren, da die Verbindung Neuwied-Koblenz regelmäßig 10-20 Minuten Verspätung hat und der Puffer in Koblenz nur etwa 6 Minuten beträgt (bitte nicht nachprüfen, so ungefähr passt es). Und das ist schon ziemlich frustrierend, wenn man gerade in den Bahnhof einfährt und auf dem Gleis direkt gegenüber der Zug abfährt. Aber das sollte uns also erspart bleiben, wir starteten direkt in Koblenz. Dort auf dem Gleis angekommen gabs dann eine Kleine Überraschung: “60 Minuten später” teilte uns die Anzeigetafel mit. Juchu! Aus den 60 Minuten wurden dann 80 Minuten (Grund war wohl ein Stromausfall irgendwo, hat aber wohl nix mit dem  Riesenausfall (von dem ich nix mitbekommen hab) zu tun, denn die Fahrt war am Sonntag) und bis Stuttgart pausierten wir die Pause dann immer mal wieder bis auf 90 Minuten hoch. Da hatten wir dann wieder einen mittelgroßen Aufenthalt (etwa ne halbe Stunde) und kamen dann schließlich mit so nem EuroNight-Orient-Express um 1:25 (statt 23:06) in Ulm an.

Schnell noch den Rest: Es gab einen Gutschein über 20% des Ticketpreises, dafür (wir hatten die Wahl) durften wir dann aber das Taxi nach Hause selbst bezahlen. Macht dann am Ende noch einen Reingewinn von etwa 5 Euro…

Und nun also diese Woche die “Verspätungswochen” bei DonsTag, in der ich nur Beiträge bringe, die etwas (oder auch etwas mehr) verspätet sind. Wenn ihr euch beschweren wollt:  Die sind Schuld…