Ja, der Pfeil des Amor kann manchmal ganz schön schmerzen:
[via Bits&Pieces]
Eigentlich war es ja abzusehen. So nach der Hochzeit musste ich damit ja einfach rechnen. Als es jetzt wirklich ernst wurde, habe ich getan, was ich in solch schwierigen Situationen immer mache – ich habe meine Kollegen gefragt. Ich habe ausschließlich männliche Kollegen, was die Sache einfacher machte, denn wer kennt sich mit Männerzeugs besser aus als eben Männer? Also habe ich sie gefragt, was ich machen und wie ich vorgehen soll. Welche Strategie wäre wohl die Beste? Die Vorlieben meiner Kollegen sind wirklich sehr unterschiedlich, die einen stehen mehr aufs Äußere und auf Sportlichkeit, andere auf „Flexibilität“ und Temperament und die Länge, ja die Länge wäre doch von Bedeutung!
Irritiert und verstört von zu vielen Details, die ich so nicht hören wollte, habe ich mich in ein Medium gestürzt, dass mir die notwendige Anonymität für meine Recherchen erlaubte. Ich habe das Internet befragt, habe Geschichten von Gleichgesinnten gelesen, habe mich beraten lassen und bin sogar einem Club beigetreten, der mir die Vorzüge und Nachteile der einzelnen Techniken und Praktiken näher brachte. Entscheiden konnte ich mich dennoch nicht. Also ließ ich mich ein paar Nächte lang auf erste zögerliche Annäherungen ein. Richtig geprickelt hat es nicht, oft hab ich nur noch rot gesehen, rückblickend oft gar nichts mehr!
Schließlich beendete nur eins meine Unsicherheit, ein offenes Gespräch, eine Einigung auf ein Modell, dass sich Frau und Mann vorstellen konnten, das auch dauerhaft funktionieren könnte. Eins das jedem genug Raum gibt, ohne Enge, dafür aber mit jahrelangen Verpflichtungen.
Nächste Woche Freitag wird es dann soweit sein. Wir werden es tun. Zum ersten Mal. Wir freuen uns schon drauf obwohl ein bisschen Angst schon mitschwingt, dass etwas schief gehen könnte. Das man sich verletzen könnte oder zerstört, was man lieb gewonnen hat. Aber wir sind zuversichtlich, dass es unsere Beziehung verbessern wird. Es wird uns gut tun. Und wenn wir dann zu dritt sind, werden wir viel mehr Spaß haben, beim Einkaufen, an Besuchen zu Hause, wenn unser kleiner im Mittelpunkt steht und an den wenigen ruhigen Momenten. Wir freuen uns auf unser neues Familienmitglied. Liebevoll nennen wir ihn schon jetzt „UNSEREN” VW Golf Plus!
(Warum? Darum!)
Endlich hat das warten ein Ende, wir sitzen im Flugzeug. Ich habe mir einen Platz am Fenster ergattert. Es war zwar etwas schwer, sich gegen Sutsche und Effi durchzusetzen, aber ich habe es doch geschafft. Sabrina wollte nicht ans Fenster, die hat nämlich eine Maske an, die ihm der Sebastian eben aus Langeweile gebastelt hat. Leider hat er aber vergessen ihr Augen zu machen und so hätte sie sowieso nichts von dem guten Ausblick. Sie sieht aber sehr witzig aus mit ihrer Maske, gefertigt aus einer spontan von allen gekauften und schnell geleerten Mc Donalds-Pommes-Tüte.
Nunja, auf jeden Fall sitzen wir jetzt alle in 2 Reihen im Flieger, aber beinahe hätte auch das nicht geklappt. Denn als wir einchecken wollte mussten wir unsere Karte bei einem sehr kräftigen Mann vorzeigen, der etwas aussah wie eine Mischung aus Quasimodo, Karl Dall und Hebbäät Weigel. Riesige Warzen und Pickel zieren sein faltiges Gesicht, einige sind aufgeplatzt und Eiterspuren laufen sein Gesicht runter, treffen sich am Kinn und tropfen zu Boden, wo sich langsam eine kleine Pfütze bildete. Nun ja, Bastian und Simon hatten schon eingecheckt, da kam Effi an die Reihe. Als der Mann sie dann mit seiner sehr tiefen Stimme, die der des spazierenden Bären ähnelte, mit dem Wort „Karte!“ aufforderte, ihm ihre Karte zu zeigen, bekam Effi Panik und rannte auf Toilette und schloss sich ein. Es dauerte eine geschlagene viertel Stunde, bis sie dort wieder freiwillig rauskam, weitere 30 Minuten, bis sie es schaffte, am Toilettenspiegel vorbeizukommen. Um ein Haar hätten wir wegen ihr den Flieger verpasst, Gott sei dank ging aber noch einmal alles gut.
So sitze ich nun also neben meinem Bruder, daneben Sabrina. Vor uns sitzen Susanne (am Fenster), Bastian und Effi. Eigentlich sollte ich gar nicht neben meinem Bruder sitzen, sondern neben der Sabrina. Das wollte de Bastian aber nicht, da ist der doch immer noch etwas vorsichtig. Dabei braucht der doch gar keine Angst zu haben.
Vor einem Jahr hab ich mit der Sabrina Schluss gemacht, weil ich mich in eine andere verliebt hatte. Bis ich dann aber mal gemerkt hab, dass Sailor Moon kein echtes Mädchen ist und ich darum wahrscheinlich nie mit ihr zusammenkommen werde, war mein Bruder schon mit Sabrina zusammen. Naja, wenigstens blieb es in der Familie. Als Bastian dann klar wurde, dass ich mich innerlich von Sailor Moon verabschiedet habe, wurde er immer vorsichtiger und stellt sich so oft es ging zwischen mich und meine Ex. Dabei braucht er sich wirklich nicht zu sorgen, denn ich nimm doch meinem Bruder nichts weg. Ich war immer der liebe Bruder. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, daß bei zweieiigen Zwillingen der Zweitgeborene immer der böse ist. Bei uns stimmt das auch. Bastian hat mir immer mein Spielzeug weggenommen, meine Lego-Bauten zerstört, mich mit Flips und anderem Kram beschmissen und und und. Ich hingegen war immer brav und habe ihn machen lassen. Genauso lasse ich ihn jetzt mit Sabrina machen. Es ist ja schließlich seine. Ich hab auch nie mit seiner blonden Gummiepuppe rumgemacht, die er hinter dem Kleiderschrank versteckt hat. Oder mit der dunkelhaarigen unter dem Bett. Ich hab nur mal in eins der Heftchen geguckt, die unter den langen Unterhosen liegen, aber nur ganz kurz. Und nur geguckt. Ich war da doch erst 9. Keine Ahnung, was der Basti mit denen gemacht hat.
Aber wo war ich stehen geblieben, ach ja, ich sitze also doch nicht neben Sabrina, sondern neben meinem Bruder. Na toll, als könne ich mir nichts besseres vorstellen, als 2 Stunden neben meinem Bruder nach Menorca zu fliegen. Ich weiß noch, wie wir einmal, so vor 8 bis 9 Jahren zur Oma gefahren sind. Die wohnte damals noch am Bodensee und wir sind 6 Stunden gefahren. Irgendwann ist der Bastian dann eingeschlafen und hat sich gegen meine Schulter gelehnt. Ich bin dann auch eingedöst. Als wir dann ankamen und uns unsere Mutter weckte, hatte ich einen großen Sabberfleck vom Bastian an meiner Schulter. Bah!
Trotz allem startet der Pilot jetzt, und wenn der Bastian mal müde wird wird er sich wahrscheinlich eher an die Sabrina lehnen als an mich. Hoffe ich zumindest.