Tach, Post! (XXVII): Einkaufswagen

25. September 2006 um 00:35 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

So, der heutige “Tach, Post!“-Brief wurde ja schon angekündigt (und das  nicht nur bei mir) und das erste Mal nenne ich mal nicht den Namen der Firma, an den der Brief ging, da die mir zu schnell mit Anzeigen drohen…
Ich kann aber ja mal sagen, wer den Brief auch bekommen hat, aber keine Reaktion gezeigt hat: Lidl, real, Norma, Sky und Rewe Handelsgruppe (zu der z.B. auch der HL-Markt gehört). An Spar, Kaufland oder Edeka habe ich nicht geschrieben. Und ach ja: Ich wohne im Süden Deutschlands…
Aber was habe ich denn geschrieben? Das hier:

 

An den großen Discounter

15.08.2006

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich weiß nicht, ob Sie Ulm kennen, darum will ich Ihnen das mal kurz erklären:
Ulm ist eine kleine Stadt an der Donau, in der man wunderbar leben kann. Es gibt einfach alles, was man braucht (Kino, All-you-can-eat-Sushi, nette Leute und ein Brotmuseum) und das auch noch auf sehr kompaktem Raum (nicht so wie z.B. in Berlin), so dass man sehr gut ohne Auto auskommt.
Da ich nie lebensmüde Kröten über die Straße getragen habe und mir zudem noch jeden Tag die Frisur mit Haarspay besprühe und somit kräftig im Ozonloch rumstocher, hab ich mir den Verzicht auf diesen Luftverschmutzerluxus (also das Auto) als Ausgleich auferlegt. Eigentlich fahre ich damit auch ganz gut (also “fahren” jetzt nicht im Sinne von “fahren”, sondern… ach, Sie wissen schon was ich meine) und nutze eben die öffentlichen Verkehrsmittel, wenn es gar nicht anders geht.

Mein einziges Problem war lange Zeit der Samstag, wenn es hieß: “Oje, der Kühlschrank ist leer und morgen haben die Geschäfte zu, was mach ich nur? Ach, das gleiche wie
jeden Samstag: Großeinkauf!” und ich mich in Ihren Laden aufmachte.
Praktischerweise verkaufen Sie ja Tüten. Unpraktischerweise aber keine dritte oder vierte Hand, mit der ich die Tütenlast tragen könnte. Und Bus fahren ist mit so viel Gepäck auch nicht das Wahre, zumal mich die neugierigen Blicke der Beifahrer nerven, die anhand meiner Einkäufe mein komplettes Leben analysieren und mir ab und an mit den Worten „Das wird schon wieder“ tröstend die Hand auf die Schulter legen.

Darum habe ich mich dann vor ca. 1,5 Jahren für den Kauf eines Einkaufswagens entschieden. Da die mit einem Euro ja noch vergleichsweise günstig zu erwerben sind (wobei ich mich noch an Zeiten erinnern kann, wo die Dinger nur eine Mark gekostet haben. Ist es denn wirklich so, dass überall nur die Einheit gewechselt wurde?), habe ich auch nicht lange gezögert und den Kauf bis heute nicht bereut. Im Gegenteil: Ich frage mich, wie ich vorher nur ohne so ein Teil auskommen konnte.
Aber gestern ist mir dann eine Sache aufgefallen: Das rechte Vorderrad ist total abgefahren (ich nutz den Wagen schon lange nicht mehr nur zum Einkaufen und so hat er schon etliche Kilometer hinter sich gebracht) und müsste dringend ausgewechselt werden. Und da ich (wie eingangs erwähnt) ein sehr umweltbewusster Mensch bin, will ich mir nicht gleich einen neuen Wagen kaufen, sondern nur ein Ersatzrad. Leider konnte ich in Ihrem Laden so etwas nicht finden und auch die Bedienung schien etwas überfragt gewesen zu sein. Darum wende ich mich nun an Sie: Haben sie ein Ersatzrad (am besten gleich vier, da die anderen drei Räder wohl auch nicht mehr lange mitmachen) für mich?

Außerdem wollte ich nachfragen, ob ich noch in der Garantiezeit bin. Wie gesagt: Ich habe mir den Einkaufswagen vor etwa 1,5 Jahren zugelegt. Meistens hat man ja 2 Jahre Garantie, darum meine Frage. Leider habe ich keinen Kassenzettel, mit dem ich meinen Kauf belegen könnte, da die Wägen damals (ich glaube heute ist es auch noch so) vor dem Eingang im Selbstbedienungsverfahren verkauft wurden.
Ich hoffe Sie können mir helfen, denn bald ist ja schon wieder Samstag und der Kühlschrank wird verdächtig leer…

mit freundlichen Grüßen
Andreas Hallerbach

Einige Tage später bekam ich dann einen Anruf des allgegenwärtigen Discounts bekommen, in dem ich höflich aber bestimmt gefragt wurde, was ich denn mit meinem Brief bezwecken wollte. Der Ton des Mannes am anderen Ende der Leitung hat mich dann davon abgehalten, mit “Ich dachte, wenn ich Ihnen direkt schreibe bekomme ich das Rad vielleicht gratis zugeschickt” zu antworten (wohoo! Ich habe mal nachgedacht, bevor ich gesprochen habe). Also beließ ich es diesmal (ausnahmsweise) bei der Wahrheit und gab nur ein vorsichtiges “Das sollte ein Spaß sein” von mir. Und bei so viel Ehrlichkeit, konnte sich auch der nette Mann nicht mehr zurückhalten und brachte mir dann auch sein Anliegen direkt nahe: “Aha, also wir wollten jetzt bei der Polizei Anzeige erstatten”.
Ich: “…”.
Er: “Ja, weil wenn sie einen Einkaufswagen von uns haben, dann…”
Ich, etwas verstört: “Äh!? Hallo? Das war Spaß!? Ich habe keinen Wagen!?”
Er, sehr ernst: “Aha. Aber sie haben das doch in Ihrem Brief geschrieben. Und ich konnte da keinen Spaß erkennen. Es ist auch so, dass ich diesen Beruf hier seit 10 Jahren mache und ich habe bisher noch keinen Spaßbrief bekommen. Wir kriegen hier immer nur ernst gemeinte Briefe und wir nehmen hier auch jeden Brief ernst. Auch ihren.”
Ich: “Das tut mir Leid, aber er war nicht ernst gemeint”
Er (es jetzt mit bestechender Logik versuchend): “Aber sie haben den Brief doch unterschrieben, frankiert und abgeschickt.”
Ich: “???” (konnte er aber nicht hören…)
Er: “Warum machen Sie denn so etwas? Was haben Sie sich denn von uns für eine Reaktion erhofft?”
Ich: “Eine ebenso spaßige Antwort vielleicht? So wie es einige andere Firmen auch gemacht haben?”
Er: “Naja, Im Gegensatz zu Ihnen haben wir für so etwas keine Zeit. Wir müssen ja hier schließlich arbeiten und können und so etwas nicht leisten. Sehen sie also diesen Anruf als unsere Antwort, einen Brief werden wir sicher nicht schreiben”

Es folgten dann noch ein paar Belehrungen, dass ich in Zukunft doch besser keine solchen Briefe mehr schreiben solle und so weiter, das erspare ich euch aber an dieser Stelle.

UPDATE: Neue Entwicklungen bei mindestens einem anderen Discounter

 
Basic Thinking Blog » Ersatzrad für einen Einkaufswagen?:

[...] tja, schwer zu bekommen sowas, aber vielleicht den DonVanone fragen? [...]

 
 
.markus:

Erstaunlich wieviele Leute einen Stock im Arsch und einen zum Rudiment verkümmerten Humor haben.

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MiFoMM Aktuell » Verstehen Sie Spaß?:

[...] Auch das ist Kommunikation. Tag: Menschen [...]

 
 
Christian in Wien:

Naja, was willst du erwarten.

Du hast in einem Brief behauptet ihnen einen Einkaufswagen (Wert etwa 250 Euro) entwendet zu haben, und den Brief unterschrieben. Damit ist der Brief ein Dokument das schon ein Beweismittel gegen dich sein kann.
Das die für sowas keinen Humor entwickeln ist eigentlich klar, schließlich gehts da um ihr Geld.

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Ezeee:

Sehr schön! Ich mag solchen absurden Humor, der scheinbar erstmal aus dem Nichts kommt und dann anfängt Blüten zu treiben. Aber Deutschland ist vielleicht das falsche Land dafür bzw die Sparer und Ausnutzer von geiz ist geil-Läden. Klar, dass die keinen Sinn für solchen speziellen Humor haben. Ich fordere mehr solcher Briefe und eine eigene Rubrik :-)

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Joern:

Wir haben hier seit längeren einen Einkaufswagen auf dem Hof stehen – eines Tages stand er einfach bei uns vor dem Grundstück. Da das dazugehörige Geschäft etwas weiter entfernt ist, hat mein Frau die Zentrale angeschrieben und irgendwann meldete sich jemand und sagte, das ihn jemand aus der betreffenden Filiale abholen würde. Nunja, niemand kam und auf Rückfrage in dem Laden hiess es wir sollen den Wagen behalten. Das mangelnde Engagement kann ich auch ein bischen verstehen, schließlich wird der Laden zum Ende des Jahres geschlossen.

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Robin:

Also wenn man so einen Brief ernst nimmt, dann muss man schon einen an der Klatsche haben… !

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george:

> Also wenn man so einen Brief ernst nimmt,

hat man eine sehr hohe meinung von seinen kunden… und/oder ist schon abgestumpft…

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Markus Merz:

Händischer Trackback:
Supermarkt, Einkaufswagen: Wo bekomme ich ein Ersatzrad?

Als Beitrag zum Arbeitsmarkt ist mir noch die handbetriebene Straßenbahn über den Weg gelaufen …

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Joern:

Also ich finde das Telefonat bzw. die Antwort des Discounters (Aldi Süd?) ganz witzig! :)

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the bollog:

Vielleicht solltest du dich jetzt dem Rollerbladesupport zuwenden und die um Pimpvorschläge bitten. Ohne Räder sind die aber auch zu gebrachen.

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Freie Assoziationketten « Never mind the Bollogs:

[...] Nachdem uns heute eins, zwei, drei mal Einkaufswagen über den Monitor rollten sind, haben wir über diese unverzuchtbare Ikone der moderne Massenkonsumgesellschaft etwas nachgedacht und sind zu dem Schluß gekommen, dass “auseinandergefaltet” er die Form eines Kreuzes annimmmt. Wir sahen dann sofort vor unserem geistigen Auge, nach bester Jackassart, Massen von Bollogern über den nächsten Kirchetag speeden und mit den sperrigen Jesus-Scootern die BiblePeople aufmischen. Als Add-On noch eine Kondomschleuder unter die Flügel installiert und bei Gefahr kann sich die Besatzung der Weihwasserspritzpistole bedienen, die lästigen Pilger vom Leibhaftigen hält. …und über allem schwebt ein großer hautfarbener Phallus-Zeppelin mit zwei Erdkugeln am Ende und einem Megasahnespender in der Spitze der die heilige Schlagsahne über das Feld Gottes verteilt. Das wäre ein Heidenspaß! [...]

 
 
Linus:

Sehr geehrter Herr von Danone,
bitte verwenden Sie das Attribut „klein“ nichtmehr im Zusammenhang mit der Stadt Ulm. Bei Menschen in der weiten Ferne, die Ulm tätsächlich nicht kennen, kommen doch Assoziationen auf, die dieser Stadt nicht gerecht werden.
Größe ist relativ, überlassen Sie doch bitte dem/der geneigten Leser/in, ob er/sie aufgrund seiner/ihrer Herkunft
Ulm als große oder kleine Stadt empfindet.

Ihr treu ergebener Leser Linus aus Pfeifen an der Triller. (Das kennt bestimmt niemand)

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donvanone:

Nix “von Danone”. “Don Vanone” ist das Zauberwort..
Und normalerweise benutze ich auch nur das Wort “groß” im Zusammenhang mit Ulm, allerdings heißt es dann “großes Dorf”, bin nicht sicher, ob Ihnen (Sie dürfen mich übrigens gerne duzen) das besser gefällt. Ich persönlich sehe das aber als großes Kompliment für Ulm, da ein großes Dorf genau das ist, was ich gerne als Heimat hätte. Stadtleben ist nix für mich. In Berlin habe ich übrigens auch mit jemandem aus Stuttgart gesprochen, der genau dies auch über Stuttgart sagte und genau so positiv meinte.

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hollemann » Blog Archive » Zurückgefragt:

[...] Vielleicht ist es keine besonders schlaue Idee, ständig irgendwelche Briefe und Mails an Unternehmen zu schreiben. Aber manchmal bleibt einem einfach keine Wahl. Am Freitag erreichte mich zum Beispiel (wie im exakt gleichen Wortlaut schon ein paar andere vor mir) eine Mail von einer gewissen Anna Bauer, die sehr höflich fragte, ob ich nicht einen Link auf finanznachrichten.de setzen könnte, wo ich doch auch auf die FAZ verweisen würde. Ich war daraufhin mal so frei und habe in meiner Antwort um ein Angebot zum Mieten einer Werbefläche gebeten. Schließlich gibt es nichts umsonst im Leben. Außerdem ist da ja noch die leidige Geschichte mit der Telefonnummer. Nach mehreren Anrufen bei den sündhaft teuren Hotlines von Arcor und KabelDeutschland stand fest, daß jetzt wenigstens der Auftrag korrekt übermittelt ist. Es gibt sogar schon einen Termin für die Portierung, nämlich – man halte sich fest – der 29. Dezember. Yahoo will seine Mitarbeiter zwischen den Jahren Zwangsurlaub nehmen lassen, bei den Telekommunikationsunternehmen hingegen ist das scheinbar die einzige Woche im Jahr, in der gearbeitet wird. Auf Nachfrage bestätigte man mir, daß der Dezember dieses Jahres gemeint sei. Gründe für die Verzögerung solle ich am Besten schriftlich erfragen. Bei der Gelegenheit habe ich mich auch gleich mal nach den Verantwortlichen erkundigt, ohne jedoch bisher eine Antwort erhalten zu haben. [...]

 
 
Chris:

Leute, Leute!

Wieso denkt Ihr eigentlich alle, daß die humorlos sind? Die werden sich nach dem Hörerauflegen auf dem Boden gerollt haben.

Es ist doch ganz einfach:

Vorher: Andreas -> Discounter -> Spaß für Andreas
Nachher: Discounter -> Andreas -> Spaß für den Discounter

Jetzt frage ich ganz ernsthaft:

WER hat hier keinen Humor? ;-)

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Tim:

Oh man, wie traurig, wie langweilig muss das Leben dieses armen nur-ernste-briefe-beantworters sein…

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Hife:

Also ich hab die Ironie die im Brief (nicht wirklich) versteckt ist, sofort erkannt und mich mal wieder abgelacht. Den Marktleiter habe ich entsprechend genausowenig verstanden, wie er den Spaß.
Selbst wenn er es so ernst genommen hätte wie er sagt, wäre es da nicht kundenorientierter gewesen, dich “normal” aufzuklären, dass dies nicht richtig ist, dass du den Wagen mit nachhause genommen hast?

Im übrigen habe ich nun des öfteren im TV gesehen – die sagen ja immer die Wahrheit *G* – dass besonders in Berlin die Müllabfuhr mit diversen Einkaufswagen zu kämpfen hat. Man stellt die Wagen in einer Halle unter, informiert den Besitzer und wirklich nur selten soll dort einer abgeholt werden, da man sich das wohl von der Versicherung schon hat bezahlen lassen und es einem somit nicht mehr interessiert…

Aber geh DU doch einmal mit dem Brief zur Polizei und frag was die davon bzw. von der Reaktion des Anrufers halten, denn wenn er das nicht macht, dann hast wenigstens du die Chance die Gesichtszüge der grünen Männchen zu sehen, wenn sie den Brief von A nach B lachend weiterreichen (in der Hoffnung das die den Spaß sehen) :)

Das wäre übrigens ne nette Geschichte für unseren Shopblogger Björn gewesen, der den Spaß sicherlich verstanden und bestimmt auch mit nem netten Rückschreiben mitgemacht hätte :)

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donvanone:

@Hilfe: Nachdem ich die Reaktionen der Discounter mitbekommen hatte, habe ich auch eine Mail an den Shopblogger geschrieben und wollte mal wissen, ob er mit das erklären kann. Leider hat er nicht geantwortet.
Erst danach kam mir die Idee, dem den Brief zu schicken, aber dann wars ja schon zu spät…

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Preiswerter Einkaufswagen - REWE Supermarkt Arians - Walbeck und Weeze:

[...] netten Brief an einen bekannten Discounter und hat deshalb beinahe eine Anzeige am Hals. Aber den Rest der Geschichte solltet gleich bei ihm lesen. Ich jedenfalls habe mich köstlich [...]