Tach, Post! (XXVI): Deutsche Post

18. September 2006 um 01:00 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

Für die nächste Woche habe ich ja schon einen “Tach, Post!“-Brief angekündigt, wegen dem ich fast eine Anzeige bekommen hätte, weil der Empfänger ihn zu Ernst genommen hat. Auch der heutige Brief wurde sehr ernst genommen und gewissenhaft bearbeitet. Aber lest doch erst einmal den Brief:

 

Deutsche Post AG Niederl. Halle
Geschäftskundenberatung
Ernst-Kamieth-Str. 2b
06112 Halle

20.4.1999

Tach Post!
(Im Gegensatz zu „Tach, Post!“, was ja heißen würde, daß ich die Post wäre und Ihnen einen Brief schreiben würde. Da Sie aber die Post sind, habe ich „Tach Post!“ geschrieben. Sollte Ihnen diese Anrede nicht gefallen, tun Sie so, als hätten Sie diese Zeilen nie gelesen, denken Sie statt dessen, ich hätte „Sehr geehrte Damen und Herren der Deutschen Post AG“ geschrieben.)

Wie Sie sehen, bin ich ein sehr fortschrittlicher Mensch und schreibe schon nach der neuen Rechtsschreibreform. Eigentlich finde ich diese Neuerung völlig unpraktisch und unübersichtlich, aber man will ja nicht als konservativer Fortschrittsverhinderer dastehen. Wie Sie aber auch sehen, habe ich noch ein kleines Problem: Ich habe nur Briefumschläge, die Sichtfenster auf der linken Seite haben, so daß ich die Ausführung der Rechtsschreibreform nicht konsequent durchsetzen kann, da ich Ihre Adresse immer noch links schreiben muß. Darum hier meine Frage: Gibt es für den aufgeschlossenen, fortschrittlichen und gar nicht konservativen Mensch von Heute auch Briefumschläge, die das Sichtfenster auf der rechten Seite haben?

Dies ist aber nicht der Hauptgrund, warum ich Ihnen schreibe, mir ist das nur gerade so eingefallen. Eigentlich wollte ich wissen, warum ich keine Post bekomme (abgesehen von der ständigen Reklame und den vielen Briefen mit dem Motto: „Jippie! Sie sind Auserwählter! Sie sind einer von 25 Leuten, die diesen Brief bekommen.“ Und zufällig wohnen die anderen 24 Leute die diesen Brief bekommen haben in meiner Straße..). Ich weiß nicht, woran das liegt, ich hab sogar schon den Weg zu meinem Briefkasten ausgeschildert, da ich dachte, der Postbote würde ihn nicht finden. Sie könnten dem ja, wenn Sie so lieb wären und ihm zufällig einmal begegnen sollten, sagen, daß mein Briefkasten sich links von der Tür befindet. Ich würde nämlich so gerne einmal Post bekommen.

Ich weiß gar nicht, was für ein Gefühl das ist. Doch, einmal war ich fast in dieser glücklichen Situation: Ein Brief befand sich in meinem extra für dieses Ereignis vorgesehenen und korrekt installiertem Briefkasten. Mit zittrigen Händen nahm ich den Brief aus seinem Gefängnis und las voller Entzücken die mit Hand geschriebenen Worte in der Mitte des Briefes: „Privat“. Mein Herz schlug immer schneller und schien förmlich zu explodieren. Doch da glitt mein Blick auf das Adressfeld und ich fiel in Ohnmacht. Der Grund: Der Briefträger hatte sich vertan, der Brief war für meinen Nachbarn bestimmt, der 10 Minuten später mit Riechsalz neben mir kniete.

Nun meine Frage an Sie: Wie komme ich an Briefe? Muß ich die bei Ihnen bestellen? Wenn ja, wäre es nett, wenn Sie mir eine Preisliste schicken könnten. Ich wäre zwar bereit, für einen privaten Brief (der auch für mich bestimmt ist) alles zu bezahlen, sollten meine finanziellen Mittel aber wider Erwarten hierfür nicht ausreichen, würde ich mich auch mit einer Postkarte zufrieden geben. Sogar mit einer ohne schickes Bild, hauptsache ich bekomme endlich einmal Post.

In freudiger Erwartung einer raschen Hilfe und mit freundlichen Grüßen
Andreas Hallerbach

Wie ihr gemerkt habt: Ich habe förmlich um einen Antwortbrief gebettelt. Aber nichts da, die Post wollte mir dieses lang erwartete Ereignis verwehren und griff statt dessen zum Telefon. In diesem Telefonat wurde mir bestätigt, dass mein Briefkasten sichtbar angebracht wäre. Ein Postbote wurde extra beauftragt, dies zu überprüfen und er hat den Briefkasten ordnungsgemäß vorgefunden. Eine mögliche Ursache der Postlosigkeit hätte eine Aushilfskraft gewesen sein können, die den Kasten nicht gefunden hat.

 
diaet:

Tipp: wir hatten früher drei Hauseingänge und Briefkästen für eine Hausnummer – da bekommt man Post ohne Ende! Lustigerweise für alle Hausnummern der gesamten Straße! (Ein etwas anderer Weg, alle Nachbarn kennenzulernen)…

antwortenReply to this comment
 
 
Post weg | Endl.de | Zielpublikum Weblog:

[...] alltag Technorati-Tags: Post, unzustellbar Trackback-Link: TrackBack-URI Artikel-Adresse: Permalink-URI  Weitere Artikel hier im Weblog: Danach: links for 2006-05-27 Davor: links for2006-05-26 2 Kommentare – jetzt Kommentar schreiben » 1 | Trackback von Der Blogbote — 28. Mai 2006 @ 28. Mai 2006 19:59 [...]

 
 
 
 
Herbie:

Hehe, da freut sich mein Postler-für-5-Monate-Herz, hab bei dem Verein nämlich die Zeit zwischen Zivi und Studium überbrückt. Nicht wundern, die Beamten dort verstehn keinen Spaß. Aus einem Briefzentrum, in dem die Arbeiter das Sagen haben (nicht, dass es sowas geben würde) hättest du sicher eine passendere Antwort bekommen ;)

antwortenReply to this comment
 
 
Fluffi:

Dabei ist Abhilfe so einfach:
http://www.postcrossing.com/

antwortenReply to this comment