Tach, Post! (XXIX): T-Com Zeitansage

18. Oktober 2006 um 00:45 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

Aufgrund von Zeitmangel kommt der wegen des Computerabsturzes etwas verspätete, dafür aber brandneue (brandneue) “Tach, Post!“-Brief vollkommen ohne Einleitung daher, sorry…

 

Deutsche Telekom AG
T-Com Zentrale
Friedrich Ebert Allee 104
53113 Bonn

15.08.2006

Sehr geehrte Zeitansagefrau,

Sie erinnern dich sicher noch an mich, ich hatte am Wochenende mit Ihnen telefoniert um die Uhrzeit zu erfahren (deswegen rufen wahrscheinlich die meisten Leute bei Ihnen an, oder?). Sie meinten daraufhin, dass es beim nächsten Ton 19:52 wäre, woraufhin ich abrupt auflegte. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle entschuldigen, meine Gründe darlegen und Ihnen mitteilen, dass Ihr System nicht wirklich funktioniert (wenn das mal kein klasse Abstract war. Merkt man, dass ich gerade an meiner Dimplomarbeit sitze?).

Also fange ich mal vorne an, dazu muss ich allerdings etwas ausholen. Aber Sie haben doch sicher Zeit, oder? Als Zeitansagerin müssten Sie doch alle Zeit haben, denke ich.
Vielleicht erinnern Sie sich ja noch daran, wie es bei Ihnen war, als Sie von zuhause ausgezogen sind (bestimmt tun Sie das, so alt haben Die nämlich noch nicht geklungen). Auf einmal durfte man alles tun, was vorher von den Eltern verboten wurde: Füße auf den Tisch legen, auf dem Bett rumhüpfen, mit den Fingern ins Nutella-Glas langen und einfach mal bis 17 Uhr im Bett liegen bleiben. Und wenn man (wie ich) weit genug (etwa 400km) von den Eltern wegwohnt, dann kann man das alles (und noch viel mehr) in vollstem Ausmaß tun, ohne Angst davor zu haben, dass die Eltern auf einmal auf einen Spontanbesuch vorbeikommen, um mal zu schauen, ob es dem Jungen noch gut geht und ob er seine Hemden auch brav bügelt (ich verrate s Ihnen: Nein, ich bügel meine Hemden nicht. Und wenn ich meine Eltern mal daheim besuche, dann schiebe ich die ganzen Knitter auf die Zugfahrt).

Dumm wird es dann nur, wen man bei einer der unzähligen Studentenparty sein Gehirn mit einer Menge Alkohol resettet und man so den tatsächlich angekündigten Besuch der Eltern vergisst. Genau dies ist mir letztes Wochenende passiert. Ich lag gemütlich auf der Couch vor dem Fernseher, um mich rum lagen leere Chipstüten, Bierflaschen (volle, leere, halbvolle, halbleere und auch eine, die sich gerade auf den Boden entleerte) und massig ungespülte Teller, die teilweise schon ganz pelzig wurden (Mal im Ernst: Wenn es im IKEA Teller für weniger als einen Euro gibt, wer spült dann noch? Da sammel ich die Teller doch lieber für den nächsten Polterabend, für den sie natürlich nicht gespült werden müssen, da sie ja eh kaputt gehen. Die Frage ist nur, ob der Pelz sie nicht vor dem Zerspringen schützt. Aber das finde ich schon noch raus…).

Sie können sich vorstellen, wie erstarrt vor Schreck ich war, als ich am Telefon auf einmal die Stimme meiner Mutter hörte, die meinte: „Wir stecken hier gerade in einem Stau. Es kann sein, dass wir es nicht pünktlich um 8 Uhr schaffen.“

Nachdem sich in meinem Gehirn die Synapsen wieder einigermaßen verbunden hatten und ich das eben gehörte realisierte, wurde mir klar, dass ich nun schnell handeln musste. Um die Wohnung auf Vordermann zu bringen, bräuchte ich locker 12-14 Stunden, die Zeit die ich noch hatte waren aber leider nur um die 10-30 Minuten. Ich als Student mit Mathe-Vordiplom habe die beiden Zahlen schnell verglichen und kam zu dem Schluß, dass das hinten und vorne nicht reichen würde. Was ich brauchte war eine Maschine, die die Zeit anhalten kann, alles andere war aussichtslos oder unrealistisch.
Ich ging also in mich und versuchte alle Informationen über das Thema „Zeit“ zusammenzutragen, die ich je bekommen hatte und sichte nach Querverbindungen, versteckten Hinweisen und Zeitanhaltemaschinen.
Und endlich kam mir die Idee; Ich wählte Ihre Nummer, woraufhin Sie mir sehr freundlich mitteilten, dass es beim nächsten Ton 19:52 wäre. Blitzschnell legte ich auf, noch bevor der Ton ertönte. So sollte die Zeit jetzt ja bei 19:51 stehen bleiben, bis ich noch einmal anrufe, um den Ton erklingen zu lasen.
Ich nutzte also die so gewonnene Zeit und legte mich erstmal wieder (vollkommen leise und tonlos) auf die Coach. Denn wenn die Zeit erstmal angehalten ist, braucht man sich ja nun wirklich nicht mehr zu hetzen. Ich war gerade eingedöst, da klingelte es an der Tür. Wer konnte das sein? Etwa die Zeit-Diebe aus Momo? Fast… Denn statt Momo stand Mama vor der Tür und als sie reinkam… ach, ich glaube ich erspare Ihnen diese Tragödie lieber.
Eigentlich geht es mir nur darum, Ihnen mitzuteilen, dass Ihr System fehlerhaft scheint, denn die Zeit ist einfach ohne den Ton weitergelaufen. Ich wäre Ihnen überaus dankbar, wenn Die das so schnell wie möglich reparieren könnten, denn ich bräuchte dringend ganz viel Zeit um mir zu überlegen, wie ich das mit meinen Eltern wieder hinbekomme.

Bis dahin verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Andreas Hallerbach

Und da ich keine Antwort erhielt, hört es so auf, wie es angefangen hat: ohne viele Worte…