Heute mal ohne Einleitung, einfach nur einen “Tach, Post!“-Brief vor die Nase geknallt. Wer nicht weiß, was das soll, darf auf der Hauptseite nachschauen.
Lagnese Honig KG
22933 Bargteheide28.4.1999Sehr geehrter Damen und Herren!
Es tut mir schrecklich leid, aber ich habe gestern einen Ihrer Mitarbeiter getötet. Es war aber kein Mord, sondern ein Unfall, ehrlich. Absichtlich würde ich nicht einmal einer Fliege etwas zuleide tun. Ich schildere Ihnen nun mal die letzten tragischen Momente Ihres Mitarbeiter.
Er (Honigbienen sind doch immer männlich, oder?) summte in meinen Garten rum und hatte wohl ein defektes GPS-System, denn er bog falsch ab, direkt in unsere Küche. Dort gibt es aber keine leckeren Blüten, aus denen eine Biene irgendetwas saugen könnte, allerdings hängen an den Fenstern Gardinen, in denen sich normalerweise Bienen oder Wespen verfangen, da sie durch die Fensterscheibe fliege wollen und dann verhungern und sterben. Dann fallen sie auf die Fensterbank, wo sie eingesammelt werden müssen.
Diesen qualvollen und langwierigen Tod kann ich nicht mit ansehen oder anhören und stülpe normalerweise ein Glas über die verzweifelte Fliege, schiebe ein Blatt Papier darunter und lasse sie in unserem Garten wieder frei. Dies wollte ich auch mit Ihrem Mitarbeiter machen, dieser hatte aber wohl keine große Lust, gerettet zu werden, dazu war er wahrscheinlich zu stolz. Auf jeden Fall versuchte er zu fliehen und ich klemmte ihn versehentlich mit dem Glasrand ein. Dabei kam er zu Tode. Er brachte aber noch ein letztes Wort raus, nämlich „Lagnese“ , woraus ich schloß, daß er zu Ihrer Firma gehörte.
Ich teile Ihnen dies nun mit, damit Sie nicht glauben, Ihr Mitarbeiter würde sich vor der Arbeit drücken. Ausserdem können Sie mir nun den durch meine Tat anfallenden Verlust nennen, meine Unfallversicherung wird dafür sicher aufkommen.
Ich bitte auch die Angehörigen Ihres Mitarbeiters um Verzeihung und garantiere Ihnen, daß der Verstorbene eine angemessene Ruhestätte bekommen hat. Sollte eine finanzielle Unterstützung der Familie notwendig sein, wenden Sie sich bitte an mich, ich werde alles Mögliche versuchen, um meine Tat zu sühnen.
Es tut mir wirklich sehr, sehr leid und ich hoffe, Sie können mir noch einmal verzeihen. Denn solange wie ich diese Gewissheit nicht habe (ein kurzer Brief genügt), werde ich ein sehr schlechtes Gewissen haben.
In stiller Trauer, tiefem Mitleid und freundlichen Grüßen
Andreas Hallerbach
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