Tach, Post! (XVI): Vorwerk

24. Juni 2006 um 23:42 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

Heute nach einem anstrengenden Landesgartenschau und Doppel-Achtelfinaltag keine tolle Einleitung (zum Beispiel mit Hilfe der Masturbationslesung) zum neuen “Tach, Post!“-Brief, Ihr dürft ihn aber trotzdem lesen ;-)

 

BOSCH Hausgeräte Kundendienst
Carl-Spaeter-Str. 2a
56070 Koblenz

26.9.1999

Sehr geehrte Damen und Herren!

Sie fragen sich jetzt sicher, warum ich, Andreas Hallerbach, Ihnen einen Brief schreibe, wo ich Ihnen doch noch nie einen Brief geschrieben habe. Ich hab Sie noch nicht einmal angerufen. Aber einmal ist immer das erstemal und ich schreibe Ihnen auch nur, weil ich ein Problem mit einem Ihrer Produkte habe. Ich glaube nämlich, ein Fehlstaubsaugerprodukt erhalten zu haben. Ich beschreibe Ihnen nun mein Problem:
Es war am 19.9., also genau vor einer Woche. Es war ein ganz normaler Sonntag und ich stand wie immer um Punkt 5 Minuten vor viertel nach 9 auf (natürlich mit dem rechten Bein zuerstIch begab mich in mein Bad, wo ich erstmal ordentlich duschte. Ich will ja nicht als Stinktier bezeichnet werden, außerdem fühlt am sich nach so einer Dusche auch viel wohler. Danach begab ich mich voller neuem Elan nach unten in die Küche, wo ich ordentlich frühstücken wollte. Wollte! Denn es kam dann doch ganz anders.
Als ich mir nämlich mein Ei (außen hart, das Eigelb aber etwas matschig) salzen wollte, kam irgend so ein blöder Bundeswehrflieger auf die Idee, mal so richtig Gas zu geben. Wahrscheinlich hatte der Pilot es eilig, weil er dringend auf Toilette mußte, keine Ahnung. Jedenfalls trat er das Gaspedal ganz durch und durchbrach die Schallmauer. Ich hab diese Mauer zwar noch nie gesehen, aber bei uns steht wohl irgendwo eine in der Nähe. Ich frag mich, wofür die überhaupt gut ist, denn die wird dauernd nur durchbrochen. Irgendwer baut die dann immer wieder auf, oder wir haben ganz viele davon, keine Ahnung.
Auf jeden Fall hat dieser Depp von Tiefflieger eine kaputt gemacht und durch das Runterprasseln der Mauerteile hat der Boden gebebt und mir ist der Salzstreuer aus der Hand gefallen. Dabei ist er aufgegangen (der hat unten so einen Stöpsel) und das ganze Salz ist rausgekommen. Da ich aber kein ganz so sauberer Mensch bin, war der Boden doch etwas verstaubt und ich fand ein Salz-Staub-Gemisch vor, welches ich nicht auf meinem Ei essen wollte. Wegschmeißen konnte ich das Salz aber auch nicht. Wenn ich da an die Hungernden in der 3. Welt denke, kann ich das einfach nicht machen. Zum Glück fiel mir rechtzeitig ein, daß ich ja noch einen Staubsauger in meiner Rumpelkammer stehen habe. Also kramte ich diesen hervor und wollte den Staub wegsaugen. Das klappte auch noch ganz gut, nur war Ihr Staubsauger etwas arbeitswütig (ich hatte ihn wohl zu lange untätig stehen lassen) und er saugte nicht nur den Staub, sondern auch das Salz weg.
Dabei war das doch (ich hab extra noch einmal nachgeschaut) kein Staub-und-Salz-Sauger, sonder nur ein stinknormaler Staubsauger. Also hätte das Salz doch liegen bleiben müssen. Dann hätte ich es ruhigen Gewissens auf mein Ei (außen hart, das Eigelb aber etwas matschig) streuen können. Hätte!
Jetzt möchte ich von Ihnen wissen, was ich falsch gemacht habe. Warum hat mein Staubsauger auch das Salz aufgesaugt? Oder hat es das Salz in einem Extra-Beutel gesammelt?
Ich hoffe, Sie können mir helfen und ich verbleibe in freudiger Erwartung einer baldigen Antwort und mit freundlichen Grüßen
Andreas Hallerbach

Ne Antwort gabs leider keine, was mir aber gerade nur Recht kommt, denn so kann ich jetzt schon ins Bett…

 
Jürgen Sprenzinger:

ganz niedlich, dieses Briefchen … Die Idee mit der Schallmauer ist nicht schlecht :-)

Dennoch: Sie sollten Ihre Briefe kürzer und knackiger halten – nur ein Tipp. Nicht zu viel Gelabere, sondern etwas schneller auf den Punkt. (Ist mir so beim Lesen aufgefallen). Maximal eine Seite, höchstens! Als Beispiel können Sie ab Herbst mein Buch mit dem Titel “Mein lieber Schwan!!” kaufen – das ist sozusagen eine Anleitung vom “Meister”, wie man blöde Briefe schreibt …

Herzlichst
Jürgen Sprenzinger

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donvanone:

So, jetzt kann ich endgültig in Ruhestand gehen, der Original-Sprenzinger hat meine Briefe gelesen, was will man mehr…
Die Kritik kam allerdings 5-6- Jahre zu spät, denn seit dem hab ich keine Briefe mehr geschrieben. Aber wer weiß, vielleicht gibt das neue Buch ja wieder einen Kreativitäts-Schub und ich kann hier bald mit ganz ganz neuen Briefen auffahren. Das die dann kürzer und knackiger werden glaube ich aber kaum, fahre ich diesen Stil doch schon zu lange und bin mittlerweile in einem Stadium, in dem in einem geklammerten Nebensatz auch mal noch eine zweite Klammer auftauchen kann und so der Satz danach kaum noch weiterzulesen ist. Kurz fassen konnte ich mich immer nur bei Deutsch-Arbeiten und da war es dann nicht richtig ;-)

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justa:

Moin,

gefällt mir.
Nich nur dieser Brief, sondern auch die anderen.
Kleine Anregung, warum evtl. keine Antwort kam:
Die Überschrift lautet “Vorwerk”, der Brief ging an Bosch.
Evtl. hast Du da den falschen Hersteller angeschrieben? *g*

:O)

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donvanone:

oh… nein, das ist nur ein Fehler hier im Blog (lass ich jetzt aber so). Der Brief ging sowohl an Vorwerk als auch an Bosch. Ich habe öfters Briefe an mehrere Firmen geschickt, um die Antwortwahrscheinlichkeit zu erhöhen…
Und vielen Dank für das Lob.

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Vorwerk:

Nun ist das ganze schon 2 Jahr her. Ich hoffe der Kundendienst hat nun geantwortet. Ansonsten würde ich an deiner Stelle nochmals nachfragen :-)

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donvanone:

@”Vorwerk”: Wie man an dem Datum ganz oben im gelben Zettel sieht, ist der Brief sogar noch älter. Über 9 Jahre warte ich jetzt schon auf eine Antwort. Aber nochmal nachfragen tu ich nicht, mittlerweile hab ich mich an den Geschmack von Staub auf meinem Ei gewöhnt…

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