Tach, Post! (XIII): BILD

05. Juni 2006 um 01:22 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

Ja warum sagt denn keiner was? Jetzt ist schon fast Montag und der samstägliche “Tach, Post!“-Brief ist immer noch nicht da. Ich kann doch nicht an alles alleine denken…
Passend zum Thema der Woche (…), geht es heute um das Thema “Presse”. Manchmal berichten Zeitungen ja nicht immer hundertprozentig exakt (kann selbst dem Kölner Stadtanzeiger mal passieren), besonders von der BILD ist man ja gewohnt, dass sich mal der ein oder andere Fehler einschleicht. Besonders wenn es um Grafiken zu Planeten oder physikalischen Sachen geht, hat man es da wohl nicht so mit dem Hintergrundwissen. So auch in dem folgenden Artikel:
Hotel Wer es nicht gleich sieht, der sollte sich mal überlegen, wie sich das “Hotel” wohl drehen wird und was für Gravitationskräfte das erzeugen könnte….
In was für eine missliche Lage einen ein solcher Fehler führen kann, soll der folgende Brief zeigen…

 

BILD-Leserservice
Brieffach 3440
20350 Hamburg

23.9.98

Sehr geehrte BILD-Redaktion

Ich bin ein leidenschaftlicher Astrologe und gucke jeden Abend in die Sterne. Am liebsten guck ich mir da den großen Bären an, weil der so gefährlich aussieht und ich Bären sowieso gerne hab. Ich hab sogar mal einen Echten im Zoo gesehen, der sah aber ganz traurig aus, wahrscheinlich weil der ganz alleine gewohnt hat und noch nicht mal einen Fernseher hatte. Auf jeden Fall ist es mein größter Wunsch, einmal einen Urlaub im Weltall zu machen, koste es was es wolle. Und als ich dann am 15.9. in ihrer BILD-Zeitung auf der letzten Seite las, daß Pläne für ein Hotel im All gemacht werden, wurde ich ja ganz zitterig. Das können sie sich ja gar nicht vorstellen, wie ich mich da gefreut habe.
Nur leider stand da nicht, wann es endlich so weit sein würde und vor allem, wo ich mir ein Zimmer reservieren kann. Darum dachte ich mir, weil ich sowieso auch noch ein Hobby-Bastler bin, bau ich mir doch so ein Hotel selber. Ich hatte ja ihre Abbildung als Hilfe, es sollte also kein Problem sein. Dachte ich.
Zuerst besorgte ich mir 12 US-Raumfähren, um dort die Treibstoff-Tanks abzumontieren und sorgfältig umzubauen. Ganz nebenbei: Sie kennen sich doch auf der Welt so ein bißchen aus, oder? Vielleicht kennen Sie ja jemanden, der 12 US-Raumfähren ohne Treibstoff-Tanks sucht, dem ich diese billig verkaufen könnte. Ich würde ihnen danken, wenn Sie sich umhören könnten, oder eine Anzeige in ihre Zeitung setzen könnte.
Nach 4 Tagen hatte ich dann alles zusammen, was ich für mein eigenes Hotel brauchte und katapultierte es, mit einer von mir speziell dafür entwickelten Steinschleuder, an den von mir bevorzugten Ort. (Mit Blick auf den großen Bären) Jetzt montierte ich alles genau so, wie es auf ihrer Zeichnung angegeben war und legte mit einem ehrfürchtigem Gefühl den Starter um. Langsam fing sich mein Hotel zu drehen an, die Sterne zogen an meinem Fenster vorbei, die Erde tauchte immer mal wieder auf und alles flog nur so an die Außenwand. Ja, Sie haben richtig gelesen, ich flog mit meinem ganzem Mobilar (unter anderem Bücherschränke, mein Sat-TV-Gerät, meine Tische und Stühle, mein BILD-Archiv etc.) an die äußere Seite des Hotels. Nun gut, dachte ich, vielleicht habe ich es in die falsche Richtung drehen lassen und schaltete den Motor auf „Andere Richtung“. Aber das Ergebnis war das selbe.
Nun können Sie sich ja vorstellen, daß das ein enormer Kostenaufwand für mich war, dieses Hotel zu bauen. Und ich habe mich wirklich genau nach ihrer Abbildung gerichtet. Kann es eventuell sein, daß Sie sich vertan haben? Ich glaube dies zwar nicht, weil die BILD-Zeitung ja normalerweise zuverlässig ist, aber könnte es nicht doch sein? Nach meinen Überlegungen müßte eigentlich bei einer Drehung um die mittlere Achse die Fliehkraft nach außen wirken, so daß der Boden des rotierenden Hotels eigentlich parallel zur Achse liegen müßte, wie ich es versucht habe, in dieser kleinen Skizze auszudrücken:
Skizze
Vielleicht können Sie ja in einer der nächsten Ausgabe eine Richtigstellung abdrucken, denn ich kann mir vorstellen, daß ich nicht der einzige bin, der davon träumt, im steuerfreien Weltall zu leben.
Es würde mir aber schon reichen, wenn Sie mir ein paar Tips geben könnten, was ich bei meinem nächsten Versuch besser machen kann und wieviel Butterbrote ich im All brauche, um dort ein Jahr zu leben und was ich auf die Butterbrote drauf machen kann und vor allem, ob man im Weltall auch die BILD bekommt.

Vielen Dank schon mal im Voraus ihr Stamm-Leser
Andreas Hallerbach

Die BILD hat natürlich nicht geantwortet, aber damit habe ich ehrlich gesagt auch nicht gerechnet…