Tach, Post! (VIII): Swatch

29. April 2006 um 12:00 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

Wenn es nach mir ginge, hätte der Tag nicht 24, sondern etwa 26 Stunden, denn dann könnte ich glaube ich in einem guten Rhythmus leben. So ist mir der Tag irgendwie zu kurz, darum bleibe ich immer länger wach, stehe daher immer später auf und muss irgendwann den Reset-Knopf drücken, mal nur 5 Stunden schlafen um dann wieder einigermaßen normal ins Bett gehen zu können und das ganze geht wieder von vorne los. Wer sich das ausgedacht hat, der gehört gestraft und jetzt erzähl mir keiner, dass an an der Erdrotation liegen würde. Ich bin aus der Kirche ausgetreten, solche Gründe zählen bei mir nicht.
Naja, komm ich mal zum Punkt, nämlich zu einem neuen Brief der “Tach, Post!“-Reihe: Das obige Beispiel aus meinem Leben und die Tatsache, dass alle Menschen über zu wenig Zeit jammern, hat mich auf eine Idee gebracht, die die Welt revolutionieren sollte: Swatch soll doch mal die Uhren langsamer gehen lassen, damit der Mensch mehr Zeit hat. Klingt gut, oder? Dann lest doch mal den ganzen Brief mit allen Details…

 

Swatch Uhren
Leipziger Str. 87
06108 Halle

28.9.1999

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich bin noch Schüler (MSS 13) und habe nun meine wohlverdienten Ferien vor mir. Und eigentlich sollte man ja meinen, in den Ferien sollte man mehr Zeit haben als in der Schulzeit, aber dem ist ganz und gar nicht so. Bei mir auf jeden Fall nicht. Das mag vielleicht daran liegen, daß ich morgens, wenn es denn mal möglich ist, was eigentlich oft vorkommt, denn was sollte mich schon daran hindern (das Zimmer ist aufgeräumt und alles andere ist auch erledigt, könnte höchstens sein, daß ich mal früher irgendwo hin will oder so), gerne länger schlafe. Dann ist der halbe Tag futsch, obwohl ich ja nicht zur Schule gehe. Na gut, schlafen und Schule ist ja fast das Selbe, nur ist das eine im liegen mit geschlossenen Augen und das andere im Sitzen mit offenen. Egal, jetzt hab ich ja bald Ferien und ich werde sicherlich länger schlafen. Das Problem ist dann halt nur, wie schon anfangs erwähnt, daß ich dann wieder weniger Zeit habe. Es gibt so viele Sachen, die ich noch gerne machen würde, so viele Dinge sind noch zu erledigen, so viele Freunde zu treffen, so viele Filme zu sehen, so viele Partys zu feiern, so viel unnützes Zeug zu machen und sooo wenig Zeit!!!
Aber das kennen Sie ja wohl auch. Wahrscheinlich sitzen Sie genau jetzt an Ihrem schicken Schreibtisch und denken sich: „Junge, jetzt fass dich mal kurz, ich hab nicht ewig Zeit!“ und ich sag „OK“, ich versuch’s, ich hab ja auch noch was vor heute.
Also, um mal auf den Punkt zu kommen. Als ich mal nach einem anstrengenden Tag (an dem es wirklich so viel zu tun gab) in meinem Bettchen lag und über die Probleme der Welt und deren Lösung nachdachte, schwirrte auch das Thema „keine Zeit haben“ in meinem Kopf herum. So viele Leute haben dieses Problem und stressen sich. Stress ist aber nicht sehr gesund, man wird schneller alt und stirbt. Folglich hat man noch weniger Zeit. Ich habe aber glücklicherweise eine Lösung dieses Problems gefunden !! Und um diese in die Tat umzusetzen brauche ich Ihre Hilfe: Sie als der größte Uhrenhersteller der Welt (hoffe ich) müßten einfach nur die Uhren so bauen, daß sie langsamer gehen. So etwa 5 Minuten pro Stunde. Das darf aber keiner wissen, weil sonst jeder denkt, „Oh, jetzt hab ich mehr Zeit, dann nimm ich mir auch mehr vor“ und schwups, ist er wieder unter Zeitdruck. Weiß er aber nichts von unserem kleinen Trick, nimmt er sich genauso viel vor wie vorher (was ihm immer zu viel war). Nun wird er es aber ohne zeitliche Probleme realisieren können. Und er hat wieder mehr Zeit für seine Familie.
Meine revolutionäre Idee hat aber auch noch einen überaus positiven Nebeneffekt: Man altert langsamer, denn von einem Geburtstag zum nächsten dauert es nicht mehr ein „richtiges“ Jahr (für all die normalen, uneingeweihten Menschen wird es immer noch ein Jahr bleiben, dies ist es aber nicht mehr), sondern 365*24*(60+5) = 569400 Minuten = 395,5 „richtige“ Tage, also über 30 Tage länger als „normal“. So hat man auch was von seinen 75 Jahren!!!

Was aber, wenn irgendein Schlauberger noch eine alte, „richtige“ Uhr hat und merkt, daß irgendwas falsch läuft? Ganz einfach, Sie starten unseren Plan einfach am 1.1.2000 und sagen, alle anderen Uhren würden wegen des Jahr-2000-Problems (Y2K) falsch gehen. So wird auch jeder eine Uhr von Ihnen haben wollen, weil sie als einzige richtig gehen.
Und wie erklärt man den Leuten, daß Tag und Nacht und auch die Jahreszeiten sich nicht mehr an die Uhrzeit halten? Ganz einfach, wir tun einfach allen Sekten und anderen Pessimisten einen Gefallen und sagen, eine Klimakatastrophe wäre Schuld, darum würde die Welt verrückt spielen. Wie ein kleiner Weltuntergang, nur nicht so schlimm.

Ich hoffe, Ihnen gefällt meine Idee und Sie werden sie in die Tat umsetzen. Ganz besonders würde ich mich über eine Antwort freuen, denn mich würde schon interessieren, ob meine Weltrettungs-Idee bei anderen auf genauso große Begeisterung stößt wie bei mir. Aber denken Sie daran: Nicht an die Öffentlichkeit gehen, die darf unseren Trick nie erfahren!!!

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Hallerbach

Ich nehme jetzt mal einfach an, dass Swatch die Idee umgesetzt hat (obwohl der Tag immer noch zu kurz ist), die mir aber nur nichts davon erzählen wollten, damit ich auch nichts ausplappern kann. Darum wohl auch keine Antwort. Denk ich mal…

 
Uli:

Hallo

endlich wird mir alles klar: Nach meinem Auslandaufenthalt in den USA kam ich zurück nach Deutschland, und mein geliebtes Leo war noch so, wie ich es kannte. Aber nach den Weihnachtsferien, waren plötzlich alle Fächer etwas anstrengender. Wärend wir vorher im Schnitt 6 Seiten in einer Schul-Stunde gelesen haben, waren es jetzt meist 6 und eine halbe. Unser Lehrer war zwar einerseits begeistert, wie schnell wir arbeiteten, andererseits kamen uns die letzten Minuten einer Schul-Stunde immer so schwer vor. Dennoch hat unser Lehrer unsere guten Leistungen belohnt. Meine Noten machten immense Sprünge, so dass ich zwischendurch sogar mit einer 1,3 im Abi kalkuliert habe. Allerdings kam mir die Zeit in der Abiklausur dann viel zu kurz vor. So ging der Schnitt doch wieder um 2 Zehntel runter. Wurde da vielleicht die zu langsam gelaufene Zeit nachgeholt? Musste das genau dieser ungünstige Zeitpunkt sein? Nächstes mal bitte ich um genauere Planung, vor allem um eine Koordinierung mit meinen Klausuren. Da kann die Zeit ruhig noch bischen langsamer laufen, in langweiligen Vorlesungen dafür umso schneller.

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