Tach, Post! (VI): Lafontaine und Eichel – Der Euro Teil 2 und 3

15. April 2006 um 12:00 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

Ihr erinnert euch hoffentlich noch alle an den zweiten Brief dieser “Tach, Post!“-Reihe. Genau, das war der an den damaligen Finanzminister Waigel, in dem es um die Einführung des Euros ging. Dieser Brief (und vor allem die humorvolle Antwort) bildet die Grundlage für die heute vorgestellten Briefe. Wer den Waigel-Brief also noch nicht gelesen hat, der sollte das schleunigst nachholen.
Am heutigen Samstag gibt es ausnahmsweise zwei Briefe, da der Eichel-Brief nicht wirklich lustig ist und der der Vollständigkeit halber abgedruckt wird, denn im weiteren Verlauf der Euro-Geschichte (ja, wir sind noch nicht am Ende angelangt, ich musste bis zu den Abgeordneten des europäischen Parlamentes vordringen, um endlich eine befriedigende Antwort auf meine Fragen zu bekommen) wird auf beide Briefe Bezug genommen. Dazu aber an anderer Stelle mehr, heute geht es allein um die antwortlose Frage: “Wann ist denn bitte der 32. eine Monats bzw. wann kommt der Euro?”.
Aber lest doch selbst…

 

Oskar Lafontaine
Bundesminister der Finanzen
Graurheindorfer Straße 108
53117 Bonn

4.2.1999

Sehr geehrter Herr Lafontaine!

Sie sind zwar als Bundesfinanzminister eigentlich für die Regelung der Finanzen zuständig, ich hoffe aber, sie können mir trotzdem meine Fragen beantworten, denn einen Antwortminister gibt es ja leider nicht.
Ich denke, daß ich bei Ihnen mit meinen Fragen an der richtigen Adresse bin, denn ihr Vorgänger Theo Waigel hat diese ja erst verursacht.
Und das kam so:
Am 15.6.1998 wachte ich morgens auf und erinnerte mich an meinen Traum, in dem ich auf dem Amboß des Schmiedes unseres Dorfes lag, dabei schlug der Schmied mit seinem riesigen Hammer immer und immer wieder auf meinen Kopf ein. Und nun – Wunder gibt es immer wieder – hatte ich auch wirklich ziemlich starke Kopfschmerzen und sah mich nicht fähig, die Schule zu besuchen, wodurch ich leider eine Mathematik-Arbeit und einen Englisch-Vokabeltest versäumte. Zum Glück ging es mir nach einer Kopfschmerztablette schon wieder so gut, daß ich meinem Hobby nachgehen konnte: Zapping. So saß ich also in meiner gemütlichsten Haltung vor dem Fernseher und schaltete ununterbrochen zwischen unseren 32 Sendern hin und her. Dabei erhaschten meine Ohren zufällig die Worte: “Der Euro kommt”. Mehr konnte ich leider nicht hören, weil meine Finger unkontrollierbar wurden und nicht mehr aufhören konnten. Als ich sie wieder einigermaßen unter Kontrolle hatte, versuchte ich den Euro-Sender wieder zu finden, war allerdings erfolglos.
Diesen Zwischenfall vergaß ich dann auch schnell wieder, als ich aber am 13.8.1998 wieder vom brutalen Schmied träumte, kam mir der Euro wieder in den Kopf und ich mußte nun endlich wissen, wann er jetzt kommt. Ich fragte jeden, der mir über den Weg lief, aber keiner konnte mir richtig helfen, irgendwann gab mir dann jemand den Tip, einen Brief an den damaligen Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel zu schreiben. Dies tat ich dann natürlich sofort und wartete gebannt auf eine Antwort. Ein Vertreter des Ministers schrieb mir dann auch folgende Zeilen:
Auszug aus der ANtwort von Theo WaigelSeit dieser Antwort hoffte ich jedesmal, wenn ich an meinem Kalender wieder das Blatt mit der 31 abreißen durfte, das nun der 32. folgen würde, aber jedesmal grinste mir diese verfluchte 1 entgegen. Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, als ich am 31.12. im Radio hörte, daß am folgendem Tage der Euro in Kraft treten würde. Also müßte nun endlich der 32. im Monat folgen. Alles deutete darauf hin und ich war nicht der einzige, der kurz vor 24 Uhr auf der Straße stand um die Euro-Münzen zu fangen (Allerdings war ich der einzige, der nur ein Hemdchen trug). Um Punkt 24 Uhr passierte es dann, der Himmel schien zu explodieren und ein Goldregen fiel zu Boden, den er jedoch nie erreichte. Auch nicht mein Hemdchen. Wutentbrannt rannte ich wieder in meine Wohnung und riß das Kalenderblatt ab und was sah ich? Nichts, der Kalender war alle. Mein Nachbar sagte mir, wir hätten den 1.1.1999 und gratulierte mir. Mir war jedoch nicht nach Glückwünschen zumute, denn ich hatte mir große Hoffnungen gemacht, daß nun endlich der 32. Tag im Monat wäre.
Heute habe ich wieder vom Schmied und seinem riesigem Hammer geträumt, und möchte nun von Ihnen wissen, wann es denn endlich soweit ist, wann kommt der Euro, wann ist der 32.? Gibt es den vielleicht nur in Schaltjahren? Oder war diese Aussage nur ein leeres Wahlversprechen der CDU? Vielleicht hatten die aber auch wirklich vor, den Euro am 32. vom Himmel prasseln zu lassen, die neue rot/grüne Regierung hatte aber eine bessere Idee und ich hab das nur nicht mitbekommen.
Ich hoffe, daß sie mir genauere Informationen geben können, damit ich in Zukunft besser schlafen kann, denn die Träume von dem brutalem Schmied häufen sich in letzter Zeit.

Vielen Dank für ihre Bemühungen

Hochachtungsvoll
Andreas Hallerbach

PS: Was man so liest, hat Ihr Vorgänger ihnen ja einige größere Haushaltslöcher hinterlassen. Da ich im letztem Monat mein Zimmer renoviert habe und noch 2 Säcke Zement übrig habe, wollte ich Sie fragen, ob Sie diese vielleicht gebrauchen können, um die Löcher zu stopfen. Ich wäre gerne bereit, sie ihnen kostenlos zu überlassen. Man will ja nur das beste für sein Land.

Kurze Zeit später war der Oskar dann ja bekanntermaßen weg von der politischen Bildfläche (bis er sich dann mit der WASG doch noch mal an die Öffentlichkeit wagen musste) und ich bekam keine Antwort. Aber wofür gibt es denn einen Nachfolger? Genau, um ihm das Anliegen nachfolgend noch einmal zu schildern:

 

Hans Eichel
Bundesminister der Finanzen
Graurheindorfer Straße 108
53117 Bonn

26.4.1999

Sehr geehrter Herr Eichel!

Ich muß ihnen etwas gestehen: Ich glaube, ich bin Schuld an dem Rücktritt Ihres Vorgängers, Oskar Lafontaine. Aber verpetzten Sie das ja nicht dem Gerhard. Ich mußte mich schon stark überwinden, ihnen die Wahrheit zu schreiben und hoffe, daß Sie diese für sich behalten können. Ich möchte meinen Kopf nicht auf dem Titelbild der BILD-Zeitung sehen.
Warum ich ihnen dann schreibe? Zum einen, weil ich hoffe, daß Sie mir verzeihen zum anderen könnten Sie mir bei einem Problem helfen. Es war nämlich so:
Ich hatte eine Frage zum Euro und wandte mich damit an den damaligen Finanzminister. Kurze Zeit später war er nicht mehr im Amt, eine Antwort bekam ich nie. Meine Folgerung: In meinem Brief stand irgendetwas, was Oskar dazu bewegte, sein Amt abzugeben. Da ich aber gerne eine Antwort auf meine Frage hätte, schicke ich Ihnen nun genau diesen Brief.
Aber ACHTUNG: Lassen Sie Ihre Sekretärin den Brief besser zuerst durchlesen, ich möchte nicht für einen weiteren Rücktritt verantwortlich sein.
Ich hoffe, Sie können mir helfen und bleiben noch lange im Amt.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Hallerbach

Der Anhang enthielt dann noch einmal den Brief, den schon der Oskar bekommen hatte, aber auch hier gab es keine Antwort. Darum verschickte ich nach weiteren 2 Monaten einen neuen Brief an die SPD-Abgeordneten des Europäischen Parlamentes mein Wissensdurst wurde endlich gestillt. Aber das ist ein anderer Brief, den gibts erst am 06.05.06…