Tach, Post! (V): Müntefering

09. April 2006 um 00:28 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

Müntefering versteht keinen SpaßOft werde ich gefragt (ok, stimmt nicht, ich wurde es noch nie gefragt, aber hätte ich mehr Kommunikationswillige Leser, wäre ich es sicher oft gefragt worden), ob denn alle Antworten auf meine “Tach, Post!“-Briefe so lustig wären, wie zum Beispiel die von Theo Waigel, dem Sarotti-Mohren oder dem ZDF. Leider muss ich da antworten: Nein. Oft wurde auch gar nicht geantwortet, ab und zu hat auch mal ein Mensch geantwortet, der scheinbar noch nie in seinem Leben etwas von Humor gehört hat. So zum Beispiel unser heutiger Vizekanzler Franz Müntefering. Ich hab ihm vor etwa 7 Jahren einen Brief geschrieben, in dem ich das Verkehrszeichenwesen revolutionieren wollte. Aber irgendwie hat er das in den falschen Hals bekommen…
Aber lest doch selbst!

 

Bundesminister für Verkehr, Bau und Wohnungswesen
Robert-Schumann-Platz 1
53175 Bonn

20.6.1999

Sehr geehrter Herr Müntefering!

Jetzt habe ich schon seit fast 6 Monaten den Führerschein, oder „Lappen“, wie es bei uns in der Jugendsprache so salopp heißt.
Jetzt bin ich fast jeden Tag gut gelaunt und Beach Boys hörend hinter dem Lenkrad des Fiat Unos meiner lieben Mutter zu sehen. Ich versuche mich auch so gut es geht an die Verkehrsregeln zu halten, manchmal schaffe ich dies aber nicht ganz. Ich wurde aber zum Glück noch nicht dabei erwischt. Puh!
Es ist aber auch nicht so leicht für einen Führerschein-Frischling, sofort die Situation zu erkennen. Manche Bilder auf Verkehrszeichen sind leider veraltet, eine Aktualisierung wäre für die nachfolgende Generation eine erhebliche Erleichterung.
So z.B. das Schild, welches den Beginn eine Spielstraße (Verkehrsberuhigte Zone) ankündigt. Als ich dies zum ersten mal sah, wußte ich nicht, was es darstellen sollte. Heutzutage wird Jo-Jo gespielt, oder Inlineskates gefahren. Ich wäre also für eine Umgestaltung des Schildes. Hier mein Vorschlag:

Neues Verkehrschild
Sie sehen, durch kleine Änderungen wird das Schild sofort viel verständlicher.

Das war aber nicht der Grund, warum ich Ihnen schreibe, ich habe nämlich noch eine viel größere, viel revolutionärere Idee. Ich habe einen Weg gefunden, wie man das nervige Straßennamen-suchen vereinfachen kann. Denn es ist doch viel leichter, etwas bildlich zu erkennen, als immer die Straßennamenschilder zu lesen. Ich möchte Ihnen meine Idee einmal anhand meines Wohnortes Gladbach verdeutlichen. Eine Karte habe ich auf der folgenden Seite für Sie abgedruckt. Leider ist sie nicht auf dem neuesten Stand (sie ist von 1987), aber ich habe keine aktuellere.

Straßennamen Gladbach

Ich wohne in der Arthur-Schopenhauer-Straße (auf der Karte mit „1“ gekennzeichnet). Hier könnte man ein Bild von Arthur Schopenhauer über (oder auch unter) das Straßennamenschild hängen. So wäre sein (A. Schopenhauer) Wiedererkennungswert zudem gestiegen. OK, manche Leute werden Schopenhauer nicht auf dem Bild erkennen, aber bei der Einsteinstraße (2) (wo ich übrigens bis zu meinem 3. Lebensjahr wohnte) wäre das Bild von Albert Einstein schon eine große Erleichterung. Noch einfacher ist es bei der Sandgasse (3), dort hängt man einfach einen Beutel mit Sand unter das Straßennamenschild, so sieht jeder sofort: „Aha, Sandgasse! Sofort weiterfahren, hier sind wir total falsch.“ Ebenso verhält es sich mit der Rubinstraße oder der Diamantgasse, die auf dem Plan leider noch nicht vorhanden waren. Bei diesen Straßen sollte man aber für eine diebstahlsichere Befestigung sorgen. Bei der Pablo-Picasso-Straße (4) wird einfach ein Bild von Picasso aufgehangen (es muß ja nicht das riesige Bild „Guernica“ sein, „Les Demoiselles d’Avignon“ würde schon reichen).

Dann habe ich noch ein paar Ideen (ich denke viel nach in meiner Freizeit), die die Anzahl der
Gesetzesüberschreitungen im Straßenverkehr erheblich verringern könnten.
So ist zum Beispiel das Stoppschild ein Schild, welches (nach meinen Erfahrungen) häufig mißachtet wird. Nur wenige Autofahrer bleiben auch wirklich mit allen 4 Rädern vollkommen stehen. Aber warum? Eigentlich ist die Antwort ganz einfach. Warum sollte ein normaler Mensch an einem Schild anhalten, auf dem einfach nur „STOP“ steht? Mein Vorschlag: Auf jedes Stoppschild wird jede Woche ein neuer Zettel geklebt, auf dem ein lustiger Witz steht. So wird jeder anhalten, um diesen Witz zu lesen und so die Fahrt aufzulockern. Der Sinn des Stoppschildes wäre erfüllt.
Dieser Vorschlag hat aber einen Haken. Er funktioniert nicht bei humorlosen Menschen (angeblich soll es die auch geben). Hier empfehle ich Schranken, wie sie auch ein Parkhäusern verwendet werden. Jeder Autofahrer muß auf einen (durch das Autofenster leicht erreichbaren) Knopf drücken. Dadurch öffnet sich die Schranke. Passiert das Auto diese, schließt sie sich sofort wieder und das nächste Auto muß wieder anhalten, um auf den Knopf zu drücken. Dieser Vorschlag ist absolut idioten- und humorlosensicher und würde sich auch optimal auf die Ampeln übertragen. Bei Rot ist die Schranke unten, bei Grün geht sie hoch.
Ich hoffe, meine Vorschläge helfen Ihnen, den Verkehr sicherer zu machen und ich würde mich über ein Antwort wahnsinnig freuen.

Bis dahin verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Andreas Hallerbach

(Kleine Anmerkung: Wer mir Fanpost schreiben will: Ich wohne mittlerweile nicht mehr in Gladbach, da würden meine Eltern die ganze Post bekommen und das wollen wir ja nicht. Also Fanpost einfach hier in den Kommentaren hinterlassen…)
So, und hier nun die absolut humorlose Antwort von Münte:
Antwort Müntefering

 
Daniel:

Naja, immerhin hat er Dir “Auffallen” beim Rest der Polizei offen gelassen…

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Hife:

Mein erster Kommentar hier, aber habe deine Seite auch gestern abend erst gefunden. Ich habe keine Freunde und da hat man an einem Samstag Abend halt nichts besseres zu tun ;)

Anfangs fand ich die Inhalte deiner Seite nicht wirklich interessant, bis ich jedoch dahinter gestiegen bin, dass mehr drin steckt als nur eine Überschrift (man sollte halt weiterlesen ehe ein voreiliges Urteil zu fällen). Anders als gedacht, verbergen sich hinter deinen TACH POST Beiträgen wirklich lustige “Geschichten” ganz nach meinem Geschmack. Haben mich jedenfalls köstlich über die bisher gelesenen Briefe von dir amüsiert, vor allem auch über deinen ersten Brief zum Thema Euro wo es zusätzlich auch noch eine klasse Antwort gab.

Wenn ich nun jedoch dieses Antwortschreiben lese, dann frag ich mich echt, ob nicht doch ein wenig Spaß erlaubt ist, auch wenn es nun mal eben ein erstes Thema (Verkehrssicherheit) handelt. In meinen Augen versteht man hier – auch wenn man anderes über sich sagt – allgemein keinen Spaß. Schade, denn ich find deinen Brief echt zum schlapplachen und hätte mir als Empfänger wirklich Mühe gegeben, dir eine ebenso lustige Antwort zurückkommen zu lassen (man könnte ja dennoch den nötigen Ernst irgendwie unterbringen).

… werd mich nun mal weiter durch die diversen anderen Briefe von dir kämpfen! Mach weiter so, werd nämlich nun öfters hier aufkreuzen :)

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donvanone:

Vielen Dank für die netten Worte. Mal gespannt was du sagst, wenn du zum Einkaufswagen-Brief durchgekommen bist ;-)

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