Tach, Post! (IX): Europäisches Parlament – Der Euro Teil 4

06. Mai 2006 um 11:00 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

Euro-Sterntaler-KarikaturSo, eine Quadrologie geht zu Ende, die Frage nach der Euro-Einführung wird endlich geklärt. Ein kurzer Rückblick:
Im August 1998 interessierte ich mich erstmals für den die Einführung des Euro, der damit verbundenen Probleme (Entschädigungszahlungen an Geldfälscher, Umbenennung des Namens Mark in Euro etc.) und auch für das genaue Datum der Einführung. Also tat ich, was jeder junge Mann an meiner Stelle getan hätte und schrieb einen netten Brief an den damaligen Finanzminister Waigel. Der (bzw. ein Mitarbeiter) war auch so freundlich und antwortete auf sehr humorvolle Art, wobei er zum Start des Euros folgendes schrieb: “Ähnlich wie im Märchen “Sterntaler” müssten Sie am 32. eines Monats bei Vollmond und nur mit einem Hemdchen bekleidet darauf warten, dass Ihnen die Euromünzen in den Schoß fallen.”
Das hab ich dann natürlich geglaubt und voller Vorfreude auf diesen Tag gewartet. Leider kam er nie und so wendete ich mich im Februar 1999 an den neuen Finanzminister Lafontaine. Statt mir zu antworten, trat dieser aber lieber zurück und so blieb mir nur noch sein Nachfolger: Hans Eichel. Aber auch der meldete sich nicht.
Und so hätte ich das Thema eigentlich aufgegeben, wenn ich nicht zwei Monate später in einem Wahlprospekt der SPD die links abgebildete Karikatur gefunden hätte. Also schnell an die auch noch einen Brief geschrieben. Und den gibt es jetzt hier zu lesen…

 

An die
SPD-Abgeordneten im Europäischen Parlament
Bundeshaus AT
53133 Bonn

29.6.1999

Sehr geehrte Abgeornete! (Ich meine die, die die informative Broschüre „Thema Europa Der Euro ist da – mit der Wirtschafts- und Währungsunion Europas Zukunft gestalten“ herausgegeben haben.)

Sie sind wahrscheinlich meine letzte Rettung! Warum? Moment, Moment, ich will ja nicht mit der Tür ins Haus fallen und außerdem sollten Sie mal nicht so neugierig sein.
Also fang ich mal gaanz von vorne an. Angefangen hat alles Anfang August letzten Jahres, also vor fast einem Jahr. Damals lag ich in meinem bequemen Bett in meinem gemütlichen Zimmer und sah Fernsehen (eigentlich müßte es ja „sah fern“ heißen, aber darüber will ich mit Ihnen nicht streiten). Ich hatte erst seit kurzem einen eigenen Fernseher (ich bin erst 18) und sah mir eine Wiederholung einer Sendung an. Keine Ahnung, welche das war, ist aber eigentlich egal. Wichtig ist nur, daß meine Mutter gerade in dem Moment ins Zimmer kam, als Werbung lief. Und da es sich um eine Nachtwiederholung handelte, kam dort diese spezielle Werbung. Sie wissen schon, die mit den 0190-Nummern. Hätte meine Mutter das gesehen, hätte die einen völlig falschen Eindruck von mir bekommen und mich vielleicht enterbt. Keine Ahnung, auf jeden Fall wollte ich dieses Risiko nicht eingehen und schaltete blitzschnell um. Dabei erwischte ich zufällig n-tv und hörte nur noch die Schlußworte des Nachrichtensprechers: „Trotz allem, eins steht fest: der Euro kommt!“ Seitdem habe ich versucht, soviel über den Euro herauszufinden wie nur möglich war. Viel kam dabei aber nicht heraus. Ich wußte z.B. nicht, wann denn der Euro nun kommt. Also schrieb ich am 18.8.98 einen Brief an den damaligen Finanzminister Theo Waigel und brachte ihm meine Fragen vor. Prompt antwortete dieser auch. Nur war seine Antwort leider, wie viele Aussagen von Politikern, nicht sehr präzise. Er schrieb mir zu dieser Frage folgendes: (hat auf diese Seite leider nicht drauf gepasst, darum müssen Sie jetzt umblättern)
Auszug aus der Antwort von Theo WaigelLeider habe ich dieses Ereignis nicht erlebt. Darum schrieb ich (nach langer Geduldszeit) an den nun amtierenden Finanzminister Oskar Lafontaine . Seine Reaktion war aber nicht, wie man erwarten sollte, eine briefliche Antwort, sondern der Amtsrücktritt. Na gut, dachte ich mir, kommt der Euro nicht zu dir, kommst du eben zum Euro. Also folgte auch ein Brief an den wieder neuen Finanzminister Hans Eichel, der mir aber auch nicht antworten konnte/wollte/durfte (bitte zutreffendes anstreichen). Er ist aber zum Glück auch nicht zurückgetreten und macht seine Arbeit immer noch verhältnismäßig gut.
Seit dieser antwortlosen Zeit war ich nun der Meinung, die Pläne der CDU konnten von der SPD-Regierung nicht verwirklicht werden und gab mich damit zufrieden, daß der Euro jetzt wohl doch nicht kommen würde, auf jeden Fall nicht aus dem Himmel.
Dann kam aber der Tag der Wende irgendwann, ich glaube etwa einen Monat vor den Wahlen. (Bei uns waren Europa- und Kommunalwahlen). Ich durfte zum ersten Mal wählen, hab aber leider auf jedem der 3 Tippscheine, die im Wahllokal ausgehändigt wurden die falsche Partei angekreuzt. Jedesmal hat die CDU gewonnen, ich hab aber auf die SPD gesetzt. Gibt es da eigentlich einen Trostpreis? Oder mußte man immer richtig tippen um zu gewinnen? Also quasi 3 Richtige haben? Und woher wissen die von der Annahme, wer was getippt hat, man durfte doch seinen Namen nicht draufschreiben. Aber zurück zum Hauptthema: Es war also etwa einen Monat vor den Wahlen und ich schlenderte durch die Stadt, wo auf einmal ein SPD-Stand vor mir auftauchte. Wissbegierig nahm ich alle Info-Broschüren entgegen und versprach, alle artig zu lesen. Da ich dies auch allen anderen Parteien versprach, wurde es ziemlich knapp und einige Informationen konnte ich erst nach den Wahlen lesen. So auch ihr Heftchen „Thema Europa Der Euro ist da – mit der Wirtschafts- und Währungsunion Europas Zukunft gestalten“.
Auf der 55. Seite sah ich dann etwas, was mein Herz schneller schlagen ließ. Diese Karikatur von Helmut Hütter: (hat schon wieder nicht auf diese Seite gepasst)
Euro-Sterntaler-KarikaturUnd was mußte ich lesen: „Der Euro ist da“. Also hatte ich es nicht mitbekommen. Fast jede Nacht stand ich in meinem Hemdchen vor dem Haus und genau die wichtigste Nacht sollte ich verpasst haben? Ich konnte es nicht glauben. Jetzt möchte ich von Ihnen (die es ja wissen müssten) erfahren, wann denn diese Nacht jetzt war. Bestimmt am 27.2.99, da war ich nämlich krank und konnte nicht raus. Oder in der ersten Woche der Osterferien, da war ich nämlich in Holland Urlaub machen. Gibt es vielleicht eine Wiederholung dieser sagenumwobenen Nacht, oder wird es nie mehr einen Euro-Regen geben? Ich hätte doch so gerne daran teilgenommen.

Ich hoffe, Sie können mir nähere Informationen geben und verbleibe bis dahin mit freundlichen Grüßen
Andreas Hallerbach

Und wie versprochen, hier die Antwort aus dem Parlament. Ist leider nicht so witzig, wie die vom Waigel, dafür war der Umschlag aber prallgefüllt mit Geschenken. Die im Antwortbrief genannten “Euro-Münzen” waren aber wie man sich denken kann noch keine echten Münzen, die waren ja noch gar nicht fertig, sondern Designvorschläge, die aber nicht genommen wurden (auf der einen Münze heißt es noch “Ecu” und nicht “Euro”). Sollte mich jemand in den Kommentaren dazu auffordern, werde ich sie auch hier veröffentlichen, sonst bin ich da zu faul für…
Ach, genau, die Antwort:
Antwort vom Europäischen Parlament

 
Daniel:

Die Designvorschläge würde mich ja schon interessieren…

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donvanone:

Hmpf… ich habs befürchtet…
Dann werde ich die (sowie das Ravensburger-Malefiz-Spiel) am Montag oder Dienstag nachliefern, wenn ich wieder Fotos auf meinen Computer überspielt bekomme…
Wobei, da fällt mir was ein… ich hatte die vor Jahren schonmal eingescannt, um nach nem Sammlerwert zu fragen (keine Antwort bekommen). Die Qualität ist nicht super, aber es sollte erstmal reichen. Auf der unteren Münze steht übrigens in 11 Sprachen “Eine Währung für Europa”.
Euro- und Ecu-Münze

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lisa:

@donvanone: also ich habe auch so eine münze wie diese silberne aber ich habe auch leider keine ahnung mich würde das aber auch mal interesssieren

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