Tach, Post! (II): Theo Waigel – Der Euro Teil 1

25. März 2006 um 14:32 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

So, heute gibt es den zweiten Brief aus der “Tach, Post!”-Reihe. Im Einleitungsbeitrag gibt es nun auch ein Inhaltsverzeichnis, welches regelmäßig aktualisiert wird und oft aktueller ist, als die Realität. Das liegt daran, dass ich die Briefe schon vorher schreibe, den Veröffentlichungstermin aber in die Zukunft lege. So kann ich euch z.B. auch nächste Woche einen Brief garantieren, auch wenn ich da gar nicht online bin. Klasse, oder?
Aber nun zum heutigen Brief: Wie der Titel schon angibt, handelt es sich hier um einen Mehrteiler. Die Einführung des Euro war ja immer ein riesiges Gesprächsthema. Und da mir 1998 nicht wirklich alle Fragen klar waren (z.B. ob Geldfälscher eine Entschädigung bekommen, da sie ja nun ihre gesamten Maschinen ersetzen müssen), hab ich mich einfach direkt an den damaligen Finanzminister (Dr. Theo Waigel) gewandt. Und was soll ich sagen: Seine Antwort (bzw. die eines Mitarbeiters) war (unerwarteterweise) eine der humorvollsten, die ich je bekommen habe. Darum (und weil die Antworten nicht der Wahrheit entsprachen, wie sich später rausstellte), habe ich dieses Thema auch weiterverfolgt und noch Briefe an Oscar Lafontaine, Hans Eichel und das europäische Parlament geschrieben. Dazu aber an einem anderen Samstag mehr…
Nochmal zurück zum heutigen Brief: Das war einer meiner ersten Briefe (wenn ich das richtig in Erinnerung habe) und ich fand es da noch lustig, extra ein paar Rechtschreibfehler einzubauen, um dümmer zu wirken. Heute finde ich das weniger lustig, hab den Brief aber mal im Original gelassen. Und zumindest was das “quarken” angeht, war es kein Fehler…

 

Dr. Theo Waigel
Bundesminister der Finanzen
Graurheindorfer Straße 108
53117 Bonn

13.08.1998

Sehr geehrter Herr Dr. Waigel!

Die Heimanns, was meine Nachbarn sind, haben sich vor ungefähr zwei Monaten einen Teich im Garten angelegt, so richtig mit Wasserpflanzen und sogar einem kleinen Wasserfall. Soweit, so gut, jetzt ist mein Schlafzimmerfenster allerdings nach hinten gerichtet, so daß ich alles sehen könnte, was im Garten von den Heimanns so vorgeht, was ich aber nicht tue, weil das ist ja der ihren Sache, was die da machen und mich geht das ja nichts an. Wäre ja noch schöner.
Vor einer Woche und drei Tagen sind dann Frösche (oder Kröten) in den Heimann-Teich gezogen. Anscheinend wohnt man da gut und die Miete ist wohl auch nicht übertrieben, denn die wohnen immer noch da und quarken jede Nacht fröhlich vor sich her. Und genau das ist mein Problem, denn weil ich nachts immer mein Fenster aufhabe, damit ich nicht aus Versehen ersticke, kriege ich vor lauter Quarken kein Auge mehr zu. Aus diesem Grund habe ich nun nachts viel Zeit, über allerlei Sachen nachzudenken. Darum geht auch dieser Brief an Sie, denn gestern hab ich im Fernsehn gehört, das „der Euro kommt“. Damit stand das Thema meiner nächtlichen Überlegungen fest.

Und da Sie ja der Finanzminister sind, dachte ich, wende ich mich mit den Fragen, die ich mir selber nicht beantworten konnte, an Sie.
Zuerst die wichtigste Frage: Wann kommt der Euro eigentlich genau? Ich frage das, weil ich seit etwa einem Jahr kein Freund mehr von Überraschungsbesuchen bin. Damals kam ich nach Hause und fand in der Küche einen Brief auf dem nur „Die Tante Uschi kommt“ stand. Ich wußte weder wann sie kommt, noch warum, ich wußte nur, daß ich schleunigst Ordnung schaffen mußte. Sie kennen ja Tanten … Zwei ganze Wochen hab ich dann am Haus geschafft, neu tapeziert, die alten Teppische rausgeschmissen und den ganzen alten Kram, der meiner Tante nicht gefällt im Keller versteckt. Dann hab ich auf meine Tante gewartet, bin nur noch mit Plastiktüten um den Schuhen durch die Wohnung gegangen, um möglichen Dreck zu vermeiden und hab nur auswärts gegessen, damit meine Tante kein ungespültes Geschirr vorfinden kann. So ging das einen Monat lang und meine Tante kam nicht.
Erst nach einem halben Jahr kam sie, und ausgerechnet an dem Tag, nach einer Feier in meinem Haus. Dieses sah dann auch dementsprechend aus und ich sah meine Tante nie wieder. Jetzt verstehen Sie vielleicht, warum ich das genaue Datum wissen will, wann der Euro kommt.

Das wird bestimmt eine ganz schöne Umstellung, wenn der Euro erst mal da ist. Dann kann man nicht mehr einfach so auf ‘nen Bauernhof gehen – wo die Hühner noch frei rumlaufen dürfen und nur vor dem Wachhund angst haben müssen, nicht aber vor irgendwelchen Stromschlägen, wie wenn die in so Batterien leben – und sagen, daß man gerne zehn 29-Pfennigs-Eier hätte, da wird man dann nur dumm angeguckt. Auch im Aldi kriegt man dann gar nichts mehr für eine Mark sechsundneunzig. Irgendwie seltsam.
Aber wer mir wirklich leid tut, das sind die Geldfälscher. Die ganzen Investitionen für die Druckplatten etc. Sind jetzt alle futsch. Was wollen die damit jetzt machen? Und die Umstellung auf Euro-Fälschung wird für die bestimmt nicht gerade billig. Aber ich nehme an, das wird mit dem Staat schon irgendwie geregelt sein, daß die Zuschüsse oder so vom Staat bekommen, weil der hat denen das ja schließlich eingebrockt. Oder was würden Sie sagen, wenn Sie sich einen niegelnagelneuen Wideorekorder kaufen, der tausende unnütze aber schicke Funktionen und Knöpfchen hat (und darum nicht gerade billig war) und auf einmal kommt irgendwer in Taiwan oder wo auf die Idee, alle Wideokassetten zu vernichten und ganz andere auf den Markt zu bringen, die Sie mit ihrem Apperat nicht mehr lesen können. Da wären Sie doch auch sauer, oder?
Was passiert eigentlich mit dem altem Geld (der DM)? Wird die vernichtet? Wäre doch eigentlich rausgeschmissenes Geld. Sie können das ja als Spielgeld verkaufen, da verdienen Sie sich noch was für das Haushaltloch zusammen und die Kinder freuen sich riesig und benennen eine Straße nach Ihnen, oder bauen ihnen ein Denkmal, oder wählen Sie sogar zum Bundeskanzler…
Heißen die Briefmarken dann eigentlich noch so, oder heißen sie dann Briefeuren? Wahrscheinlich nicht, aber man weiß ja nie, was Sie und ihre Mitpolitiker so alles ausdenken. Oder wie ist das mit denen, die Mark heißen, dürfen die sich noch weiter so nennen? Werden die dann auch wertlos? Ich hoffe nicht, denn ich kenne einige, die so heißen und die sind eigentlich ganz nett.
Noch eine brennende Frage habe ich, wieviel wird denn der Euro ungefähr wert sein, wenn er denn mal da ist? Der Carlton Effgen, was mein Freund ist, hat gemeint, der wäre dann so zirka 2 DM wert, was natürlich völliger Quak ist, aber der Carlton ist sowieso ein Dummbeutel. Denn wenn der Euro kommt, ist die Mark ja nichts mehr wert, folglich sind zwei Mark auch nichts wert (weil 2×0=0). Das würde ja heißen, der Euro wäre auch nichts wert, was ich nicht glaube, weil dann könnte man ja im Lotto 100.000.000 Euro gewinnen und wäre trotzdem nicht reicher. Aber das Los würde dann auch nichts kosten, es sei denn, man bezahlt nicht in Euro, sondern z.B. in Dolla.

Soviel zum Thema Euro. Ich hoffe, Sie können mir bei einigen Fragen weiterhelfen und teilen mir möglichst schnell mit, wann der Euro nach Neuwied kommt. Ich habe aber noch eine Frage, die weniger mit Euros zu tun hat. Und zwar wollte ich wissen, ob es eine Froschquarksteuer gibt, oder ein Nachtquarkverbot oder ähnliches. Denn langsam gehe ich an diesem Quarken zugrunde.

Schonmal vielen Dank im Voraus.

Hochachtungsvoll
Andreas Hallerbach

Und hier die (meiner Meinung nach sehr gute) Antwort:
Antwortschreiben von Dr. Theo Waigel

 
Fluffi:

Du musst mal ausprobieren, ob das wirklich so klappt mit dem Inhaltsverzeichnis und vorher veröffentlichten Sachen. Ich kann bei mir Einträge, die in der Zukunft datiert sind, trotzdem per Direktlink aufrufen. Sie existieren also, werden nur noch nicht angezeigt. Wenn der Link im Inhaltsverzeichnis steht, wird der Brief dann auch anklickbar und lesbar sein, auch wenn er erst in der Zukunft veröffentlicht wird.
Wobei, lag vielleicht auch daran, dass ich noch als Admin eingeloggt war, musst du mal ausprobieren.

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lol:

du bist so ein kiddie!

n00b.

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donvanone:

äh? ach… hm?
ich verstehs nicht… was genau wilst du mir damit sagen?
Ich nehms einfach mal als Kompliment…
Und dein Zuspammaufruf (in den Kommentaren) hats irgendwie auch nicht gebracht, oder?

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Nils Hitze:

Ah ha hhh ahhahaha Humor ist schön, vor allem wenn ihn beide haben, Schreiber und Empfänger.

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Ani*ka:

tja, das würde mensch nicht erwarten, dass solch ein witzboldiger Schelm mit einem Händchen für die richtigen Worte im Bundesministerium der Finanzen zu finden ist…

Danke Don, für diese Erweiterung meines Horizontes…:-)

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paul:

Deine Rechtschreibung ist einmalig …

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