
An dieser Stelle nun der erste Brief aus meiner soeben angekündigten “Tach, Post!“-Reihe.
Es handelt sich um den Vorschlag einer Vorrichtung zur Kalthaltung von Schokolade, den ich meiner Lieblingsschokoladenfirma Sarotti (mit dem netten Mohren) zugeschickt habe. Aus mir unverständlichen Gründen hat es diese Erfindung noch nicht auf den Markt gebracht, ich denke mal, sie sind noch intensiv am forschen und genetisch die quirligsten Fliegen am züchten. Anders kann ich mir das nicht erklären…
Aber lest doch selbst!
Sarotti Mohr
Postfach 48411
12254 Berlin26.4.1999Sehr geehrter Sarotti Mohr!
Schaltet man in der heutigen Zeit den Fernseher ein, so hört man immer öfter „So schmeckt der Sommer“, den markanten und einprägsamen Werbespruch (Natürlich nichts gegen das Dany-Sahne-Lied von Köpke und Bierhoff) der Firma Lagnese, die ja jetzt dieses komische neue Logo mit den Herz hat.
Und was schließen wir daraus? Es wird wieder Sommer, es wird wärmer und Eis wird wieder in größeren Mengen verzehrt. Der Nachteil: Schokolade schmilzt viel schneller und wird (auf jeden Fall von mir, ob das bei jedem so ist, wissen Sie mit Ihren Marktforschungen wahrscheinlich genau) nicht mehr so oft konsumiert. Denn Schokolade (vor allem Zartbitterschokolade, hmm, lecker) schmeckt viel besser, wenn sie kalt und knackig ist. Liegt man aber faul in der Hängematte und sonnt sich, hat man selten einen Kühlschrank in der Nähe. Den hat man meistens nur in der Küche oder im Auto, um der Freundin einen leckeren Kinderriegel mit den 5 Milchkammern anbieten zu können. Im Garten oder bei Spaziergängen ist aber selten ein Kühlschrank zu finden.
Das hat mich, als Hobbyerfinder, auf eine Idee gebracht, die den Schokoladenkonsum im Sommer in phantastische Höhen katapultieren kann. Ich möchte sie Ihnen nun beschreiben, damit Sie davon profitieren können. Ich wende mich an Sie und nicht an Milka oder Alpia, da diese Firmen zwar bekannt sind, Sie aber eigentlich die bessere Schokolade herstellen. Mit meiner Erfindung können Sie das verdiente Ansehen erreichen! Da ich ein großer Fan Ihrer Schokolade bin, überlasse ich Ihnen meine Idee selbstverständlich kostenlos, würde mich aber über eine Antwort freuen.
Nun beschreibe ich Ihnen meine Erfindung, deren Aufbau Sie anhand folgender Abbildung gut nachvollziehen können.
(Anklicken für größere Version)Zu allererst müssen Sie an der Schokoladentafel etwas ändern, mit einer normalen Tafel funktioniert meine Erfindung nur eingeschränkt. Wie, beschreibe ich Ihnen am Ende des Briefes. Eigentlich ist meine Erfindung für eine modifizierte Version einer Schokoladentafel ausgelegt. Und zwar wird die Tafel nach dem Prinzip bearbeitet, wie auch die Löcher in die Luftschokolade kommen, allerdings nehmen hier die Löcher keine Kugelform an, die willkürlich in der Tafel verteilt sind, sondern werden so plaziert, daß sie ein funktionierendes Leitungssystem innerhalb der Tafel bilden. Ein- und Ausgang liegen auf der selben kürzeren Seite (in der Abb. ist dieses Rohrsystem unten links zu sehen).
Durch diese Leitung wird nun andauernd kaltes Wasser gepumpt. Dieses befindet sich in einem mit Eiswürfeln gefülltem Aquarium (Achtung: OHNE Fische). Da die Wasserpumpe Strom braucht, damit sie pumpt und man meistens keine Steckdose dabei hat (Meine Erfindung soll aber überall einsetzbar sein), muß eine eigene Stromversorgung angebaut werden.
Dazu stellte ich mir eine Frage: Was stört mich, wenn ich im Garten in der Hängematte liege und leckere Sarotti-Schokolade esse? Richtig: Scheiß (Tschuldigung!) Fliegen, die einem dauernd die Ohren vollsummen und sich ohne Pausen auf irgendein Körperteil setzen wollen. Also dachte ich mir: Warum soll ich nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen? Aber keine Angst, diese Frage ist nicht wörtlich zu nehmen, bei mir wird keine Fliege geschlagen, keiner Wespe wird auch nur ein Flügel gekrümmt. Sobald man sich fertig gesonnt hat, kann man die Scheiß-Viecher wieder frei lassen. Denn Umwelt- und Tierschutz stehen auch bei meinen Erfindungen an erster Stelle!
Hier meine Stromlösung: Ein weiteres Aquarium (Achtung: wieder OHNE Fische) wird mit einem Spezialdeckel aufgestellt. Dieser Deckel hat eine Öffnung, die durch Hydraulikpumpen sekundenschnell geöffnet werden kann. Ausgelöst wird dieser Mechanismus durch eine Lichtschranke, die sich kurz über der Öffnung befindet. Auf dieser (der Öffnung, nicht der Lichtschranke) befindet sich ein Foto eines Marmeladenbrotes, dessen Wirkung noch durch die Anfeuchtung mit Marmeladenduftwasser verstärkt werden kann.
Kommt nun eine ahnungslose Fliege angeflogen, die wieder nur nerven will, fällt ihr Blick auf das lecker-lecker Marmeladenbrot (Die Fliege ist so blöd, die erkennt mit ihren Facettenaugen nicht, daß es sich hier nur um ein Foto handelt) und sie ändert schlagartig ihre Absichten und düst in Richtung Marmeladenbrot(foto). Dabei wird sie das fröhlichste „Summ“ abgeben, das je ein Mensch gehört hat. Hat sie ihr Ziel fast erreicht, passiert sie, ohne das sie es merkt, die Lichtschranke und die Öffnung schießt auf. Völlig geschockt von dem unvorhersehbarem Verschwinden des verlockenden Marmeladenbrotes, ist die Fliege unfähig, ihre Richtung zu ändern und fliegt verdattert ins Aquarium, wo sie (hoffentlich) auf viele Artgenossen stößt.
Voller Freude über die neu gewonnenen Freunde, oder einfach, weil sie wieder in die Freiheit zurück will, wird sie im Aquarium ihre Runden fliegen und so durch den dauernden Flügelschlag die dort installierten Windräder antreiben. Die so erzeugte Energie wird im Hochspannungsgenerator in Strom umgewandelt, der die Pumpe antreibt. Fertig ist das Schokoladenkühlsystem!
Jetzt komme ich noch zu der Methode, wie man meine Erfindung auch mit einer handelsüblichen Schokoladentafel nutzen kann. Dafür braucht man nur einen waschlappenförmigen Behälter, in dem das Wasser zirkulieren kann (mit Schläuchen). In diesen Behälter wird die Schokolade geschoben.
Eine weitere, aber weniger spektakuläre Methode wäre, die Schokolade einfach aufzuessen, bevor sie schmilzt.Ich würde mich freuen, wenn Sie durch meine Erfindung Marktführer im Schokoladenbereich werden und wünsche Ihnen viel Glück dabei. In freudiger Erwartung einer baldigen Antwort verbleibe ich mit freundlichen Grüßen.
Andreas Hallerbach
Die Antwort von Sarotti kann man sich hier angucken. Zu dem Brief gabs dann noch Schokolade, ein Sarotti-Blechschild, eine edle Pralinendose und einen Sarotti-Schlüsselanhänger. Nochmal ein “Dankeschön” von mir an dieser Stelle…

Marianne:


DonsWunschzettel
