Diese Ausgabe der “Tach, Post! 2.0″-Reihe ist nicht ganz so gelungen, das Thema war wohl doch zu ernst. Aber ich will es euch trotzdem nicht vorenthalten. Es ist die Mail eines besorgten Vaters, der aufgrund der Browser-History herausgefunden hat, dass sich die Tochter auf einem bestimmten Blog herumtreibt und hat nun Sorge, dass die Tochter da den total falschen Umgang hat.
Die Mail ging einmal an einen Blogger, bei dem ein Vater das vielleicht wirklich denken könnte (die Antwort gibts hier aber nicht zu lesen) und dann ging die Mail noch an Henning Schürig, der eigentlich (außer seinen grauen Haaren) kaum was vorzuweisen hat, was einen Vater verschrecken könnte. Und wie Henning reagierte, das gibts heute hier zu lesen.
Sehr geehrter Herr Schürig
ich möchte sie darauf aufmerksam machen, dass meine Tochter Sybille Schneider erst 15 Jahre alt ist und damit minderjährig. Sie mag vielleicht erwachsener wirken, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass sie noch ein Kind ist.
Nachdem sie nun an Wochenenden immer länger wegblieb, machte ich mir als Vater natürlich Sorgen und kam nicht umher, ihr ein wenig nachzuspionieren. Dabei fiel mir auf, dass sie sich auffällig oft auf ihrer Tagebuchseite herumtreibt. Ich habe mir diese dann auch mal etwas genauer angesehen (hätten Sie ihre privaten Seiten wohl besser mal mit einem Passwort geschützt) und komme zu dem Schluss, dass Sie unter keinen Umständen der richtige Umgang für meine noch so junge Tochter sind.
Ich lege Ihnen daher dringend nahe, den Kontakt zu meiner Tochter auf der Stelle zu unterbinden. Sollte sich da nichts ändern (ich sehe ja, wie oft meine Tochter Ihr Tagebuch noch besucht) werde ich die Polizei einschalten.Mit sachlichen Grüßen
Hermann Schneider
Und das schrieb Henning dann zurück:
Sehr geehrter Herr Schneider,
der Einfachheit halber nehme ich einmal an, dass Ihre Mail ernst gemeint ist.
Zunächst weiß ich nicht, wer Ihre Tochter ist. Mein Blog, man kann es auch eine Art Tagebuch nennen, wird je nach Tag von etwa 500-900 Besuchern täglich frequentiert. Kommentare zu meinen Einträgen gibt es unter 450 verschiedenen Namen, teilweise Pseudonyme, teilweise reale Namen. Ob Ihre Tochter darunter ist, weiß ich nicht. Spontan sagt sie mir nichts, auch wenn ich bei der Menge an Kommentaren nicht ausschließen kann, dass sie darunter ist.
Ich sehe jedoch nicht, wie ich Besuche Ihrer Tochter auf meiner Seite unterbinden könnte oder auch warum ich das tun sollte. Wenn Sie der Meinung sind, meine Seite wäre für Ihre Tochter nicht geeignet, wäre es wohl das Beste, wenn Sie sie davon überzeugen könnten, sie nicht mehr zu besuchen. Von meiner Seite her gibt es dafür keine Möglichkeit und ich sehe auch keinerlei Anlass dazu.
Im übrigen ist mir ziemlich unklar, wieso meine Seiten irgendeine Gefahr für Ihre Tochter darstellen sollen. Ich schreibe sehr oft über politische Themen, manchmal auch aus den Bereichen Computer oder Humor.
Dazu kommen Dinge, die ich in meinem Alltag so erlebe. Dies ist zwar in gewisser Hinsicht durchaus privat, aber die Öffentlichkeit meiner Seite ist mir durchaus bewusst und ich schreibe daher natürlich auch nur ausgewählte Dinge. Ziel der Seite ist letztlich Meinungsaustausch mit anderen, ob jetzt Politik oder andere Themen. Ein Passwortschutz wäre da nicht in meinem Sinne.Zudem wird Ihnen sicher bekannt sein, dass es da ganz andere Seiten gibt, vor denen Ihre Tochter oder andere Töchter geschützt werden müssten. Ich weiß nicht, was Sie an meiner Seite stört, aber Sie werden es nicht schaffen, dass alle Betreiber von Seiten, die Ihre Tochter nicht sehen soll (aus welchen Gründen auch immer) ihr den Zugang verwehren. Erstens werden dies tausende, wenn nicht sogar Millionen, von Seiten sein und zweitens sehe ich da technisch auch keine Möglichkeit.
Wie schon gesagt, werden Sie wohl Ihre Tochter selbst davon überzeugen müssen, meine Seite nicht mehr zu besuchen. Wenn Sie dort kommentiert, werde ich – wie bei allen anderen auch – mit großer Wahrscheinlichkeit antworten.
Sie müssten mir schon etwas konkreter sagen, was Sie überhaupt stört und wer gemeint ist. Mit dem Namen Sybille Schneider kann ich nichts anfangen. Vielleicht nennen Sie mir mal den Namen unter dem sie bei mir kommentiert haben soll und vor allem, was ich denn so Schlimmes schreibe, was sie nicht lesen soll.
Wenn Sie möchten, können Sie mich auch gerne anrufen. Ich habe hier nichts zu verbergen und würde die Sache gerne mit Ihnen aus der Welt räumen. Aber dazu müsste ich verstehen, worum es genau geht. Meine Nummer ist XXXX XXXXXXX [Anm. vom Don: Muss ja nicht jeder wissen...].
Mit freundlichen Grüßen
Henning Schürig

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