Sprichwörter unter die sprichwörtliche Lupe genommen – Teil 2

15. April 2008 um 11:44 von Frau Bü | Kommentar abgeben | Trackback

“Die Rosinen rauspicken”

Also mal ehrlich, wie uneindeutig ist das denn? Meint dieses Sprichwort jetzt, dass man sich selbst das Beste raus sucht oder dass man das Gute vom Schlechten befreift?

Es gibt zwei Gruppen in der Bevölkerung, die eine ganz klare Meinung im Bezug auf Rosinen haben. Die eine Gruppe, der ich selbst angehöre, liebt diese kleinen Schrumpeldinger. Ob im Malaga-Eis, im Müsli, in der Schokolade, im Studentenfuttermix mit Nüssen oder in Backwaren, in der Sauerbraten-Sauce, süßen Aufläufen und anderem – mit Rosinen wird alles nochmal leckerer. Wenn ich mir also “die Rosinen rauspicke”, dann suche ich mir das Leckerste auf meinem Teller aus, das ich ganz schnall vernaschen möchte.

Jetzt gibt es aber auch diese zweite Gruppe, der ein nicht gerade kleiner Bevölkerungsteil angehört und auch mein Mann. Diese Gruppe betreibt das “Rosinen picken” immer, wenn diese auftauchen und sehr exzessiv. Rosinen picken macht ihnen kein Spaß ist aber notwendiges Mittel zum erreichen der Rosinenfreiheit. Da wird auch vor keiner Rosine halt gemacht. Alle werden gnadelos rausgepickt und an den Tellerrand geschoben (wenn sie denn überhaupt auf dem Teller gelandet sind) und als ungenießbar geoutet (“die waren früher mal so schön prall und saftig”, “das ist so ein komisches Kaugefühl”).

Also bitte, für welche Gruppe von Rosinenpicker ist denn dieses Sprichwort gedacht??

 
Margo:

Das ist eine gute Frage.

Bisher war ich, da ich Rosinen liebe, auch immer der Meinung, man pickt sich mit den Rosinen das Beste raus. Aber stimmt, was ist dann mit den Rosinenhassern?

Aber nach einigem Nachdenken und einen halben Kilo Rosinen als Gehirnfutter, komme ich zu dem Schluss, man pickt sich mit den Rosinen das Beste raus.

Denn in der Zeit, aus der dieses Sprichwort sicher stammt, waren Rosinen etwas kostbares und damit eben *das Beste*.

Liebe Grüße

Margo

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donvanone:

Also wenn ich einen Kuchen von diesen Traubenleichen befreie, dann hol ich damit quasi auch noch das Beste aus dem Kuchen raus. Nur halt im Sinne von “das Beste draus machen” statt “die besten teile rausholen”.
Halten wir also fest: “Die Rosinen rauspicken” heißt so viel, wie “das Beste rausholen”. Eindeutiger wirds aber trotzdem nicht ;-)

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S. Oliver:

…freue mich auf die Abhandlung über Korithenkacker…

(-;

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bosch:

Interessante Frage. Ich selbst lehne Rosinen ab. Insofern ist Rosinenpicken für nicht viel erfreulicher als in Fettnäpfchen zu treten.

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Anja:

Ich bin auch dafür, dass es bedeutet, dass man sich das Beste rauspickt. Und für Leute wie Deinen Mann gilt das natürlich auch. Da ihnen das Wohl der Angetrauten über alles geht, suchen sie eben das Beste für den Partner raus, um ihm/ ihr eine Freude zu bereiten.

Oder so!

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Peter Siegmund:

Hallöchen, auch ich “möchte meinen Senf dazugeben”. Selber bin ich der Meinung, dass damit das Beste raussuchen gemeint ist. Aber der Ansatz mit dem negativem Raussuchen finde ich gut.

In Berlin hatte ich einen Kollegen, der hat immer, wenn wir in der Kantine essen waren, die Pilze aussortiert. Das hat häufig endlos aufgehalten, aber er war dann glücklich, wenn das Essen pilzfrei war.

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Kittyluka:

Rosinenpupser :P

Also. Schon die alten Ägypter, die die Weintraube eher durch Zufall entdeckten wussten, dass Rosninen gut für den Menschlichen Körper sind. So enthält sie neben Calcium, Traubenzucker, Eisen und Magnesium auch zahlreiche Vitamine, die zwar in der eigentlichen Weinbeere (nicht Traube weil Kernlos) auch enthalten sind, aber Rosninen halten sich länger. Und da Kühlschränke vor Christus eben noch Mangelware waren, waren Rosinen sehr beliebt.

Daher kommt es wohl dazu, dass man sich mit den Rosinen tatsächlich “das Gute” rauspickt, so zu sagen, die Perlen birgt, die ich aber lieber vor die Säue werfen würde, mir schmecken die zwar gut, ich krieg sie aber nicht runter… BAH! Als würde ich auf einem… na ich sags lieber nicht.

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Madonha:

Ich hätte ja behauptet: derjenige, der die Rosinen mag, so wie ich, der pickt nach jeder erreichbaren Rosine, egal wo sie sich befindet, um sich daran zu erfreuen. Der Rosinenhasser jedoch, der puhlt die Rosinen aus einem Umfeld heraus, um sich an dem zu erfreuen, was anschließend übrig bleibt.
Somit ist das Herauspicken positiv behaftet, Herauspuhlen dagegen negativ.

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donpat:

Ja also … Zuerst muß ich mich einmal als “Ich mag die Dinger nicht” outen. Trauben isst man frisch oder man macht Wein draus – basta. Was am Stock hängen bleibt ist für die Vögel oder kommt in den Kuchen.

Wäre der Umgang mit Rosinen etwas positives dann hätte es keine Rosinenbomber gegeben !!! Oder wer findet schon Bomben als etwas positives??

Übrigens puhle ich die Dinger nicht raus. Boykott ist angesagt. Ich spreche den Dingern jede Existenzberechtigung ab !!

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Marcel:

hmm ist wirklich eine interessante frage… liegt wahrscheinlich im auge des betrachters (geschmacksfrage?)

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Goofy:

Dann gibt es noch solche wie ich, die das beste rauspicken um es ganz am Schluss zu vernaschen

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