Sonnenaufgang auf dem Mosesberg

02. November 2008 um 18:09 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

So, kommen wir jetzt endlich zu dem letzten unveröffentlichten großen Event aus unserem Ägypten-Urlaub, bei dem dann auch das “zu jung un zu sterben”-Video entstanden ist: Der Sonnenaufgang auf dem  Mosesberg (Sinaigebirge).

Mosesberg Header

Was auf den ersten Blick so einfach und romantisch klingt, hat es aber ganz schön in sich. Denn auf diesen Berg muss man ja erst mal kommen. Zu Fuß…

Und da das eine etwas längere Geschichte wird, gehts erst nach dem Klick auf “mehr” weiter…

Okay, es wäre auch mit dem Kamel gegangen, was ich eigentlich auch fest eingeplant hatte, da ich an dem Tag gesundheitlich ganz schön angeschlagen war (der Magen mal wieder), aber irgendwie will man es dann doch alleine schaffen, da kann man dann später viel stolzer von berichten: Also: Jaha, meine Kinder: Frau Bü und ich haben den weiten weiten Weg hoch auf den höchsten Punkt (nur um ein paar Meter gelogen) des Mosesberges zu Fuß und ohne Hilfe zurückgelegt.

Los ging es dafür um 22 Uhr vom Hotel (bis dahin haben wir (nicht nur mich hatte es erwischt) uns den Tag über im Hotelzimmer mit Tabletten, Schlaf und Olympia im TV aufgepeppelt). Nach so 2-3 Stunden Fahrt kamen wir dann in tiefster Dunkelheit kurz vor dem Katharinenkloster an und von dort ging es dann wie gesagt zu Fuß weiter.

AufstiegUnd das war dann zwar sehr anstrengend (nicht nur, weil man ständig von den Beduinen mit “Camel? Camel?” angesprochen wurde), aber tatsächlich auch sehr romantisch und sehr sehr stimmungsvoll. Denn von oben strahlte uns ein unglaublich voller Sternenhimmel an, wie ich ihn vorher nur selten (vorzugsweise auf amerikanischen Highways) erleben durfte. Und vor und hinter uns leuchteten Taschenlampen den Weg (von dem man aber trotzdem nicht viel gesehen hat) und dunkle Figuren rackerten sich den Berg hoch. Das war dann aber immer auch ein wenig deprimierend, denn so eine Taschenlampenmenschenschlange, die auch einige Kilometer vor einem keine Ende zu nehmen scheint, zeigt einem doch deutlich auf, dass es noch ein langer Weg ist.

Und dieser Weg sah ungefähr (hab mal versucht, das anhand der Satellitenbilder zu rekonstruieren) so aus:


Größere Kartenansicht

Google Maps gibt eine Länge von 5,26km an, Ich weiß leider nicht mehr, was unser Gruppenführer mir auf die Frage nach der Länge antwortete, aber ich glaube es kommt ungefähr hin. Der Gruppenführer war es auch, der immer mal wieder ein “Calimera” ausrief, auf das wir anderen Gruppenmitglieder dann mit dem gleichen Ausruf antworten mussten, um zu checken, ob wir auch alle noch beisammen sind. Im Laufe der Zeit (viele Stunden und ein paar Pausen später) klang das ganze dann immer genervter und schlapper. Aber lustig wars schon.

Irgendwann war man dann so weit, dass nur noch unzählige Treppenstufen kamen, bei denen Kamele dann natürlich auch nicht mehr möglich waren. Aber die Einheimischen wussten sich auch da zu helfen und schwenkten von “Camel? Camel?” auf “Help? Help?” um und boten einem damit an, beim Treppensteigen durch Händchenhalten (oder so) behilflich zu sein. Und da musste man dann höllisch aufpassen, dass es nicht so weit kam, denn billig waren diese Dienste wohl nicht…

Gegen 5:30 hatten wir die geschätzte (Google Earth) 600 Höhenmeter dann überwunden und warteten auf die Sonne, während uns die Kinder der “Camel? Camel?”-Rufer mit Decken beglücken wollten (hatten wir aber selber im Rucksack dabei (da staunt ihr, was?), genau wie lecker belegte Brote, die uns die Kinder dann gerne abgenommen hätten. Brauchten wir aber selber…). Und dann ging es los (6:07 bis 6:15):

Sonnenaufgang auf Mosesberg

Zu sehen ist auch das Klohäuschen, welches auch von den Kindern betrieben wurde.

Nachdem der Sonnenaufgang dann bewundert wurde, ging es erstmal in die warme Beduinenstube, um sich mit einem Tee in den Händen (und dann im Magen) wieder lebendig zu fühlen.

Aufwärmstation

Denn so eine Nacht auf dem Berg ist dann doch schon recht kühl. Gegen 7 Uhr ging es dann wieder den Berg runter und endlich konnten wir mal sehen, wo wir überhaupt so langgelaufen sind. Eine sehr nette Landschaft, die mit Sonne deutlich besser rüberkommt, als in tiefschwarzer Nacht.

Abstieg

Und da man beim Abstieg nun gesehen hat, wo man hinzutreten hat und es bergab dank der Schwerkraft eh leichter geht, waren wir dann auch schon nach ca. 2 Stunden wieder unten angekommen. Und da da immer noch das  Katharinenkloster rumstand, ging es da dann auch noch rein:

Katharinenkloster

Die Mönche sind Touristen gegenüber übrigens nicht so wohlgesonnen, sind aber verpflichtet, diese zu bestimmten Zeiten ins Kloster zu lassen. Dann läuft aber alles nach ihren Regeln ab und so wurde dann unser Reiseführer auch aus der Kirche geschmissen, da er uns trotz Redeverbot versuchte zu erklären, was wir denn da gerade alles sehen würden.
Draußen durfte er dann weiter erklären und so haben wir dann z.B. gelernt, das das hier nicht irgendein Busch ist, sondern der Dornbusch schlechthin, also der (ehemals) brennende Dornbusch:

brennender Dornbusch

Und dann waren seit unserer Abfahrt schon 12 Stunden vergangen, aber es ging immer noch nicht ins Bett, sondern erst mal noch zu einem lecker Frühstück. Aber dann, ja dann durften wir totmüde und total geschafft den Bus verlassen und ins Bett fallen. Nur um dann später festzustellen, dass man vor lauter Müdigkeit seinen schicken Hut im Bus vergessen hat und diesen dann auch nie mehr wiedersehen sollte. Mensch…

Alles in allem aber eine sehr beeindruckende Erfahrung, die ich nur weiterempfehlen kann. Ist aber nichts, was man zweimal im Leben machen braucht, dafür ist es dann definitiv zu anstrengend…

PS: Wie immer: Viele der Bilder gibts in höherer Auflösung auch  auf Flickr.

 
Ro:

Das ist so ganz nach meinem Geschmack! Hast Du auch ein Bild vom beschriebenen Sternenhimmel?

antwortenReply to this comment
 
 
Babba:

Zu beneiden sind die Menschen, die dort wohnen, nicht. Wenn ich mir vorstelle unsere Berge wären so ganz ohne Grün, nur hier und da ein stachliger Dornbusch. – Furchtbare Vorstellung!
Aber gesehen haben sollte man das schon einmal. Hat auf ganz ungewohnte Art seinen Reiz.

antwortenReply to this comment
 
 
Madonha:

Wunderschöne stimmungsvolle Bilder von einer eher ungastlichen Gegend.

antwortenReply to this comment
 
 
gerd:

Also die Bilder sind schon der Hammer. Aber ich glaub das in der Nacht lostarten wäre nichts für mich. Obwohl es sicher lohnen würde, wie man sieht.

antwortenReply to this comment
 
 
DonsTag » Digitalender 09 - Oktober:

[...] im Katharinenkloster am Mosesberg. Vorheriger Beitrag dieser Reihe Alle Beiträge der Reihe ‘Digitalender 09′Digitalender 09 – [...]

 
 
Burkhard & Gertraud Loebe:

Liebe Mosesbergwanderer, auch wir waren 4 mal auf dem Mosesberg. 2 mal nachts und 2 mal mit einem eigenen Aufstieg, beginnend um 6.30 Uhr. Alleine auf dem Berg war das Größte. Wir haben an der Glocke ein Schild angebracht.Haben im Kloster geschlafen und mit den Mönchen Abendbrot gegessen.2012 werden wir unseren 5. Aufstieg machen. Den Sinai muß mann lieben, um solche verrückten Sachen anzustellen.Eine absolute Weltseltenheit sind die Mosesbilder in der Kirche auf 2385m.(Den Türschlitz 5 cm öffnen! der Blick ist gigantisch.Über das Unfallrisiko bei diesem Aufstieg darf man natürlich nicht nachdenken. Viel Glück und Spaß

antwortenReply to this comment
 
 
Regina klinikowski-thier:

Danke, wir waren 2000 da,habe es bis heute nicht vergessen. Es war Wúnderschön.

antwortenReply to this comment