Shutdown Week

03. März 2007 um 13:13 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

Ihr habt wahrscheinlich schon von dem  Shutdown Day gehört oder? Da soll herausgefunden werden, wie viele Menschen es schaffen, einen Tag ohne Computer auszukommen. Sollten so brutale Experimente nicht erst mal an Ratten getestet werden? Ich meine: Einen Tag ohne Computer? Hallo? Wie soll das denn gehen? Ohne Probleme? Ach so, ja, stimmt. Eigentlich schon. Sehr komisches “Experiment”.
Für mich beginnt heute auf jeden Fall die “Shutdown Week”, eine ganze Woche ohne Internet, ohne Computer und ohne Blog. Dafür eine ganze Woche in einer Hütte direkt an einer Skipiste (ne, der genaue Ort wird nicht verraten, Groupies unerwünscht, da Frau Bü mitfährt) mit einem Haufen netter (hoffentlich, ich kenn nicht alle) Menschen.

Es gab aber auch mal eine Zeit, da bin ich hier in Ulm gerade von einer in eine andere Wohnung umgezogen. Das ganze war von vornherein nur als Zwischenlösung geplant, länger als ein Semester sollte es nicht gehen. Und da war ich dann auf einmal tatsächlich ohne Internet. Mit unabsehbaren Ende. Damals (müsste vor etwa 4 Jahren gewesen sein) hab ich in Weiser Voraussicht mal meine Gefühle in ne txt-Datei gepackt und kann sie euch hier nun kundtun:

 

Tag 1
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Heute bin ich umgezogen. Habe nun kein Internet mehr. Kacke! Heute morgen noch schön Mails gecheckt und jetzt beginnt das Offline-Leben. Nichtmal Telefon hab ich. Vollkommen von der Außenwelt getrennt. Nichtmal TV. Hab jetzt Kabelfernsehen, aber noch kein Kabel. Ich hatte noch nie Kabelfernsehen. Mal gespannt.
Aber das wird sich ja schnell lösen mit dem Kabel. Nur das Internet kommt so bald nicht denk ich mal. Kacke! Mails nur noch an der Uni lesen. Wie soll ich das nur überstehen? Ich hätte mir ein paar Seiten reapen sollen und dann offline browsen. Quasi ein vorgetäuschtes Surfen. Nur Mails gibts dann trotzdem keine. Ich will die nicht an der Uni lesen, ich will die auf _meinem_ Computer haben!
Mal sehen, ob ich es morgen schaffe, den Hausmeister zu erreichen wegen des Telefonanschlusses. Nur wie? Ohne Telefon… Huiuiui.. muss ich vielleicht doch früher in die Uni? Wann sind denn da Sprechzeiten? Könnte man so schön im Internet nachgucken. Kacke kacke kacke. Keine Küche zu haben ist ja nicht so schlimm, aber kein Internet? Die Hölle!
Naja, jetzt erstmal ins Bett und von den guten alten Online-Zeiten (wenn auch nur ISDN) träumen…

Tag 2
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Heute begann der Tag nicht wie üblich mit dem Einschalten des Computers, sondern sofort mit der Dusche. Ohne Duschvorhang dauert der Duschvorgang übrigens bedeutend länger. Trotzdem sieht der Badezimmerboden nicht mehr so sauber aus wie gestern noch, muss dringend mal Putzzeug kaufen gehen. Momentan bin ich so beschäftigt (erstmal ausschlafen bis 10, aber das auch mit Mühe, und dann Uni und weiter Kisten auspacken), dass mir der Verlust des Internets noch gar nicht aufgefallen ist. Und nachher muss ich ja auch in die Uni, da hab ich dann kurz Zeit im Pool zu surfen. Und in der Mensa zu essen. Bauarbeiten neben meinem Zimmer, eine Wand wird gebaut, dass nicht alle Leute bei mir reingucken können. Vorhang muss trotzdem gekauft werden, ist eh viel schicker. Wer will schon Mauerblick? Die Mauer muss weg? Wie, sie ist ja noch gar nicht da? Ach ja, kacke! Dann demonstrier ich eben morgen…
Aber auch der zweite Tag ging ohne Entzugserscheinungen vorbei. 31 Mails bekam ich in der Uni zu lesen. Was tat das gut… Würde jetzt vor dem schlafengehen gerne nochmal Mails checken, aber das geht ja nicht. Morgen mittag aber wieder! Mensa-Essen war okay, nur etwas wenig, hab Hunger, könnte ne Paprika essen, geh jetzt aber ins Bett, hab schnell noch 2 Stunden lang das Regal aufgefüllt, das Fluffi mit mir heute aufgebaut hab, damit die Kisten vom Hachi leer werden, der kriegt die morgen nämlich wieder.
Hab aber schonmal leicht bei meiner Mitbewohnerin wegen Internet angefragt. Sie kauft sich bald nen Computer und will auf jeden Fall Internet. Dürfte wohl nicht so schwer werden, der DSL aufzuschwatzen…

Tag 8
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Ich hätte es nie gedacht, aber man gewöhnt sich doch ziemlich schnell dran. Habe heute mal drüber nachgedacht, ob ich vielleicht das eine Semester, das ich wohl in dieser Wohnung verbringen werde auch ohne Internet auskomme. Meine Mitbewohnerin will vielleicht doch kein Telefon, muss erst mit ihren Eltern reden. Dann wird mir das zu teuer. Hol ich mir ein Genion-Handy und surfe weiter im Uni-Pool. Im Moment find ich die Idee wieder kacke und will hier auch Internet, aber es gibt Phasen, da find ich die Idee ganz toll. Bin doch bald sowieso fast nur im Pool wegen Sopra [Software-Praktikum]. Warum brauch ich dann noch zuhause Internet? Wurde von Kommilitonen wegen der Idee schon für verrückt erklärt, aber egal. Vielleicht bin ich das ja. Aber unnötig viel Geld ausgeben will ich auch nicht. Vielleicht aber auch nen analogen Telefonanschluss und dann per Modem rein. Hab zwar kein Modem, aber das wird schon noch einer billig haben. Mal abwarten, was meine Mitbewohnerin jetzt sagt…
Nachtrag: AAAAARGH! Ich leere _nie_ wieder den Papierkorb auf meinem Computer. Hab das grad gemacht und als der fertig war, kam da so ein PC-Speaker-Geräusch. Genau wie wenn ich Mails bekommen habe. Hab sofort in der Task-Leiste nach Mozilla gesucht, war aber nix da. AAARGH! Ich will Internet!

Ihr seht: Ich hab das mit dem regelmäßigen Schreiben damals nicht so drauf gehabt (frage mich eh, für wen ich das damals getippt hab. Tagebuch hab ich eigentlich nie (außer ab und zu im Urlaub) geführt). Aber das Ende der Geschichte kann ich euch noch erzählen: Die Variante mit dem Billigmodem hat gewonnen. Die Geschwindigkeit war mir egal, hauptsache endlich wieder Internet…

 
Filzo:

Einige Zeit ohne Computer bzw. Internetzugang ist manchmal garnicht so übel.

Viel Spaß im Urlaub!

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Nils Hitze:

Meine letzte Woche ohne PC ist lange her, ich glaube knapp 4-5 Jahre. Aber seit ich Kinder habe ist PC nur noch was für Arbeit und gelegentlich für Abends, so wie jetzt. Geniess es und Gratulation zu dem völlig unaufälligen Design. Ich werd einfach sagen das sei eine Wintersportprogrammiererseite ;)

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Henning:

Nettes Geschreibsel da das digitale Offline-Tagebuch. Vermutlich macht man so verrückte Dinge, wenn man gerade gravierende Einschnitte in sein Leben erlebt (z.B. kein Internet). :-)

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