
Hier ein Rezept, um zwei verschiedene Arten Marshmallows selber zu machen. Da Rezepte im Allgemeinen etwas weltfremd sind, geht DonsTag den Weg des “ehrlichen Rezeptes”. Viel Spaß beim Nachmachen ;-)

Nachdem Ihre Frau von daheim ein amerikanisches Nachspeisen-Buch mit nach Hause gebracht hat, in dem Ihnen beim Durchblättern sofort die Marshmallows ins Auge fallen, überlegen Sie sich, dass die doch die thematisch perfekt passende Reiseverpflegung für die Fahrt zur Blue Man Group in Stuttgart wäre. Am Abend vor der BMG-Veranstaltung sind Sie dann auch durch einen Arbeitseinsatz Ihrer Frau allein zu Hause und können sich in der Küche austoben.
Sie lesen also das amerikanisch Rezept durch und stellen fest, dass Sie zwar amerikanischen Serien und Filmen sehr gut folgen können, in Kochbüchern aber merkwürdigerweise doch andere Vokabeln (und kein einziges “fuck”…) vorkommen. Da Sie keine Lust haben, alles mühsam mit Hilfe des Internets zu übersetzen, suchen Sie eben an diesem Ort einfach nach einem deutschen Rezept. An dieser Stelle finden Sie dann auch eine Übersetzung eines sehr ähnlichen Rezeptes. Dieses dient nun also als Vorlage. Sie notieren sich die Zutaten und die grobe Vorgehensweise auf einem Zettel, den Laptop wollen Sie ja schließlich nicht mit in die Küche nehmen ( sowas haben Sie ja nicht). Das sieht dann etwa so aus:
1/4 Tasse Mais
mehrstärke
1/3 Tasse Puderzucker
1 Blatt Gelatine
1/3 Tasse Wasser
2/3 Tassen Zucker
1/2 Tasse heller Maissirup
eine Prise Salz
1 Teelöffel Vanillearoma1 Tasse entspr. 250g
Gelatine ziehen lassen (5 min), mit Wasser und Zucker auf kleiner Flame auflösen Mit Sirup, Salz und Vanillearoma 15min mixen in eingestaubte (Stärke/Puderzucker) Backform 2h ruhen lassen schneiden und Stücke in Stärke/Puderzucker wenden
Suchen Sie in der Küche alle Zutaten zusammen. Da Sie nicht alles parat haben, überlegen Sie sich folgende Ersetzungsregeln:
Da wird schon niemand den Unterschied schmecken…
Überlegen Sie sich, dass das mit dem “1 Blatt Gelatine” nie und nimmer stimmen kann, wenn Sie den Wert mit anderen Rezepten vergleichen.
Stellen Sie nun fest, dass der Zuckerrübensirup fast leer ist und Sie ganz bestimmt nicht 1/2 Tasse voll bekommen. Suchen Sie also nach einem neuen Rezept und werden Sie hier fündig.
Notieren Sie sich bitte das neue Rezept:
14 Stk Blatt Gelatine
1 1/2 EL heller Sirup
400g Zucker
200ml Wasser
3 Sp -4 Orangenblüten-oder Rosenwasser
2 Stk Eiweiß
2 EL je Puderzucker und Speisestärke,gemischtSirup, Zucker, Wasser 3min abgedeckt kochen ausgedrückte Gelatine darin auflösen armoatisieren Eiweiß steif schlagen Gelatinemasse unter Rühren einfließen lassen kalt stellen klein schneiden bepudern
Gehen Sie noch einmal alle Zutaten zusammen und bestimmen Sie danach folgende Ersetzungsregeln:
Bringen Sie also den Sirup, den Zucker und das Wasser zum Kochen. Stellen Sie dabei fest, dass der ausdrückliche Hinweis “heller” Sirup wohl aus gutem Grund da steht. Denn mit dunklem Zuckerrübensirup hat man keine Chance auf strahlend weiße Marhmallows. Erinnern Sie sich an Ihre Idee vom Vortag, doch einfach blaue Marshmallows zu machen, passt ja viel besser zur Blue Man Group. Geben Sie also blaue Lebensmittelfarbe zu der köchelnden Masse und rühren Sie um.
Lassen Sie sich nun noch einmal die Farbenlehre durch den Kopf gehen und erklären sich selbst, warum das Gemisch nun grün statt blau ist. Geben Sie noch viel mehr Lebensmittelfarbe dazu und versuchen Sie die Farbenlehre zu überlisten. Sie werden feststellen, dass sich Zuckerrübensirup nicht so schnell geschlagen gibt und freunden Sie sich damit an, grüne Marshmallows zu produzieren. Geben Sie anschließend ein paar Tropen des gelben (!) Vanille-Aromas hinzu. Jetzt ist es ja eh egal…

Sie werden feststellen, dass die Flüssigkeit auf den “Beweisfotos” dann aber doch wieder blau aussieht. Typisch…
Trennen Sie zwei Eier und schlagen Sie das Eiweiß steif. Geben Sie unter Rühren die Zuckermasse hinzu und füllen diese in eine flache, quadratische (ja, das ist total wichtig, sonst geht alles schief) Backform, die sie vorher mit Puderzucker und Speisestärke eingepudert haben. Sie werden Sich fragen, wie denn dieses pulverige Gemisch bitte an der Backform (vor allem am Rand) halten soll und behelfen sich dann einfach damit, indem Sie die Form, wie beim Kuchenbacken auch, einfetten, dann das fett mit Küchenpapier wieder abwischen (Sie wollen ja keine fettigen Marshmallows haben) und den verbliebenen Fettfilm nutzen, das Pulver an der Form festzukleben. Sie sind aber auch ganz schön clever…
Geben Sie nun die Masse in die Form.
Da Sie dem Rezept nicht trauen, suchen Sie noch nach einem zweiten Rezept (okay, eigentlich nach dem vierten, nachdem Sie das aus dem Buch und das mit dem vielen Sirup nicht wollten). Werden Sie hier fündig (das oberste) und freuen Sie sich, dass das doch ein so super einfaches Rezept ist. Sie notieren sich:
280 g Staubzucker (Puderzucker)
2 Pk Vanillezucker
18 g Pulvergelatine (oder 11 Blattgelatine)
150 ml WasserWasser + Gelatine aufkochen Mit Rest schaumig schlagen Rest wie oben
Ein Blick in den Vorratsschrank zeigt auf, dass das mit der Gelatine so eine Sache ist. Sie haben noch ein Päckchen Pulvergelatine (9g) und ein Päckchen Sofort-Gelatine (viel mehr Gramm, aber auch ergiebig wie 6 Blatt Gelatine, dafür ohne aufkochen). Sie entscheiden sich also, nur die Pulvergelatine aufzukochen und die Sofort-Gelatine anschließend hinzuzugeben.
Vom Puderzucker hatten Sie anfangs nur 250g, das mit den 280 wird also auch nicht wirklich gehen. Zumal Sie ja schon 3 Esslöffel für die Bepuderung mit der Stärke vermischt haben. Während Sie so nachdenken, was zu tun ist, fällt Ihr Blick auf die Glasform mit der ersten Marshmallomasse:

Diese sieht nicht wirklich so aus, wie Sie sich das vorgestellt haben. Oben zwar schön schaumig, aber unten setzt sich eine tiefgrüne Flüssigkeit ab, die nie im Leben zu einem Marshmallow transformieren wird. Sie beschließen also spontan, das Problem mit dem Puderzucker zu verschieben und schlagen noch zwei Eiweiß steif, die Sie nochmal unter die erste Masse rühren. Diesmal schwingen Sie den Schneebesen etwas kräftiger (beim ersten Mal hatten Sie Angst, dass Sie den schönen luftigen Eischaum zerstören und haben nur zaghaft “untergerührt”). Nachdem die Masse wieder schön einheitlich schaumig ist, wenden Sie sich wieder dem zweiten Rezept zu.
Sie beschließen, dass 230g Puderzucker auch reichen. Schließlich ist die erste Marshmallowmasse immer noch kein Stück fest geworden und so erhöhen Sie zumindest beim zweiten Versuch die Chancen. Schließlich wird ja so das Gelatineverhältnis höher. Sie schütten also alle Zutaten zusammen und beginnen mit dem Mixer das Zeug zu schlagen. Da die Gelatine auch leicht gelb färbt, geben Sie wieder blaue Lebensmittelfabe hinzu und freuen sich über ihre zweite grüne Marshmallowmasse). Während Sie also den Mixer in der Hand halten, fällt Ihnen auf, dass Sie das ja 15 Minuten machen müssen. Dann fragen Sie sich, warum denn die erste Marshmallowrezeptur nicht ausgiebig geschlagen werden musste? Sie gehen also nochmal schnell zum Laptop zurück und lesen hier nach, wie das nochmal mit dem Rühren war. Dass dies aber gar nicht das Rezept ist, nach dem Sie die ersten Marshmallows gemacht haben, fällt Ihnen erst auf, als Sie am Ende des Tages ihr Rezept systematisch auf ihrem Blog niederschreiben.
Daher rühren Sie schnell die zweite Masse fertig (keine 15 Minuten, das ist sicher total übertrieben und die masse wird ja beim Rühren auch schon schön fest, wie Sie überglücklich feststellen). Als Sie diese dann in die Form schütten, fällt Ihnen ein, dass sie diesen Erfolgsmoment (immerhin ist es fest geworden und gleitet Lavamäßig in die Form) auf einem Foto festhalten sollen, schließlich wollen Sie Ihren Blogbeitrag ja auch angemessen bebildern. Sie stoppen also kurz den Schüttvorgang und holen den Fotoapparat. Stellen Sie nun fest, dass in dieser Zeit die Masse deutlich fester geworden ist und nicht mehr wie Lava in die Form fließt und sich dort gleichmäßig schön verteilt, sondern nur noch bröckchenweise reinplumpst und auch keine Anstalten mehr macht, glatt zu werden:

Gewalt hilft da auch nicht, lassen Sie sich das gesagt sein. Finden Sie sich damit ab, dass das ja eh wieder in kleine Stücke geschnitten wird und man es dann kaum noch sehen kann. Immerhin haben Sie ein Foto!
Nun aber schnell wieder zur ersten Masse. Diese hat sich schon wieder abgesetzt. Sie schieben dies auf das vergessene Mixen und holen dies nun nach. Nachdem die Masse auch nach 5 Minuten nicht fester wird, entschließen Sie sich, einfach nochmal Gelatine nachzugeben. Schließlich haben Sie ja auch nur 12 statt 14 rein getan. Und dafür 4 statt 2 Eier. Das kann ja nix werden, was haben Sie sich dabei nur gedacht?
Nachdem Sie feststellen, dass Sie alle Gelatinevorräte verbraucht haben, begeben Sie sich unverzüglich in den Supermarkt Ihrer Wahl und kaufen Sie neue Gelatine. Ruhig mehr (ergiebig wie 36 Blatt), schließlich haben Sie alles leer gemacht und die wird sicher bald wieder gebraucht. Vanillezucker könnten Sie auch mal wieder gebrauchen.
Geben Sie nun also eine weitere Tüte Sofortgelatine (Aufkochen ist jetzt ja nicht mehr) unter Rühren zu der Masse. Nachdem sie verzweifelt festgestellt haben, dass sich da immer noch nichts tut, kippen Sie eine weitere Tüte hinterher. Eine leichte Festigung macht sich breit und Sie geben die Form guten Mutes in den Kühlschrank.

Die strebsame zweite Marshmallowmasse ist inzwischen schon fest geworden und sie können Sie nun in Stücke schneiden und bestauben. Stellen Sie dabei fest, dass die 3 Löffel Puderzucker irgendwie nicht reichen, weil Sie beim einpudern der Formen so verschwenderisch umgegangen sind und begeben Sie sich noch einmal zu Ihrem Supermarkt um da nun kurz vor Ladenschluss auch noch Puderzucker (ruhig zwei Päckchen) zu kaufen. Sollten Sie noch irgendetwas vergessen haben, sollten Sie das nun auch kaufen! Eine dritte Chance gibt es nicht mehr.
Zuhause angekommen erschaffen Sie also eine neue Puderzucker-Speisestärke-Mischung und kippen da erst einmal den überaus klebrigen Marshmallow-Batzen hinein, um Ihn von außen einzustauben. Bewundern Sie, wie durch ein einfaches Einpudern die klebrige Masse auf einmal tatsächlich nach einem schön matten, unklebrigen und fluffigen Marshmallow aussieht. Lassen Sie ein kleines Lächeln auf Ihrem Gesicht erscheinen.

Nachdem Sie diesen Moment genossen haben, schneiden Sie den Batzen in Streifen, pudern die Schnittstellen ein und schneiden die Streifen in Würfel. Zwischendurch probieren Sie einmal einen Marshmallow und stellen fest, dass er ziemlich stark nach Puderzucker schmeckt. Das wundert Sie aber nicht wirklich, schließlich kennen Sie ja die Zutaten…
UPDATE: Nachdem die Dinger mindestens einen Tag rumgelegen haben, schmecken sie wie echte Marshmallows, fühlen sich auch so an und sind wirklich lecker. Vergesst meinen “Schmeckt nur nach Puderzucker”-Teil…

Bewundern Sie Ihre ersten selbst hergestellten Marshmallows, während die andere Masse im Kühlschrank langsam fest wird. Um diesem noch etwas Zeit zu geben, bloggen Sie schon einmal Ihr Rezept bis zu genau dieser Stelle. Wenn Sie hier angekommen sind gehen Sie bitte wieder in die Küche und machen auch den zweiten Teil fertig.
Jetzt!
Lösen Sie die Masse mit der immer noch merkwürdigen Konsistenz vom Backformrand ab, da sich diese nicht so leicht einfach rauskippen lässt.

Bepudern Sie den feuchten Batzen. Sie werden feststellen, dass die Konsistenz nur zu ca. 65% an Marshmallows erinnert. Mehr Ähnlichkeit als zu Marshmallows hat es zu einem berühmten Mahnmal in Berlin.

Sie lassen sich davon aber nicht irritieren und wenden die Würfel einfach viel intensiver im Puderzucker-Speisestärkegemisch, auch wenn die Dinger dann merkwürdig aussehen. Sie werden feststellen, dass die neuen “Marshmallows” geschmacklich mehr zu bieten haben (UPDATE: Stimmt nicht, im Nachhinein muss ich diese Aussage entkräften. Die anderen Marshmallows sind toll, die hier nicht!), als die ersten Puderzuckerstückchen, von der Konsistenz aber überhaupt nicht gehen. Im Mund zerfließen sie nämlich förmlich.

Das macht Ihnen aber nichts aus, da Sie in Sachen “Dinge erzeugen, die aussehen und sich anfühlen wie echte Marshmallows” mit der anderen Kreation ja schon großen Erfolg hatten. Es stört Sie auch nicht, dass Sie jetzt den ganzen Abend mit den Marshmallows (und dem zugehörigen Blogbeitrag) verbracht haben, wo Sie die Abwesenheit Ihrer Frau doch dazu nutzen wollten, am Tippspiel fleißig weiter zu programmieren. Das ist Ihnen nun ganz egal, schließlich haben Sie ja schon was auf die Reihe gebracht.
Außerdem haben Sie jetzt heute so oft “Gelatine” geschrieben, dass Sie es ab sofort immer richtig im Kopf haben. Bisher dachten Sie ja immer, dass es “Gelantine” heißen würde…

Jetzt warte ich einfach mal ab, ob ich für den Superblog08-Award in der Kategorie Kochen & Schlemmen nachnominiert werde…
Sonst soll halt der Jan gewinnen…
PS: Können sich mal alle melden, die das hier wirklich bis zu Ende gelesen haben. Ich bin mir ziemlich sicher, das das nicht viele sein werden ;-)
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Tobi: 

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