LED Taschenlampen-Vergleich: ‘LED LENSER M1′ vs. ‘Fenix PD20′

01. September 2009 um 19:35 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

[Trigami-Review]

lampen_in_spot
Links: LED LENSER M1, in zwei Teile auseinandergenommen; Rechts: Fenix PD20, in drei Teile auseinandergenommen

Ich hatte euch ja schon von dem Lost-Place Geocache in der verlassenen Weberei erzählt. Damals musste ich mir eine Taschenlampe leihen, da unsere (die wir damals extra für die Flitterwochen auf Sri Lanka / Malediven gekauft hatten) war irgendwie verschollen. Verschollene Taschenlampen sind dumm, vor allem, wenn man sie braucht, weil man noch mehr Geocaches im Dunkeln machen will, z.B. im Ulmer Untergrund, der ja bekanntlich nicht sonderlich beleuchtet ist.
Und so kam die Anfrage gerade recht, ob ich nicht zwei LED-Taschenlampen miteinander vergleichen wollte, eine dritte gäbe es noch obendrauf…
Klar wollte ich und da so ein Artikel ja zeitnah geschrieben werden muss, hatte ich auch schlagkräftige Argumente, schnell in den Untergrund zu verschwinden. Ok, die hätte ich bei Ro nicht wirklich gebraucht, der wollte eh mit.
Aber egal, hier gehts jetzt nicht um den Untergrund (dazu gibts hier nen Extra-Artikel), sondern um die Taschenlampen.

led_lenser_m1

Und welche hätten wir da? Nun: Einmal die M1 von LED Lenser (Bild oben) und dann die PD20 von Fenix (Bild unten, beide Bilder übrigens mit der jeweils anderen Lampe ausgeleuchtet…). Anhand der Verlinkung sieht man schon, wer hier Auftraggeber war. Und um das Fazit gleich mal vorwegzunehmen: Die M1 ist auch tatsächlich die Lampe, die mir mehr zusagt, auch wenn ich im weiteren Verlauf wohl mehr Punkte an ihr auszusetzen habe als an der Pd20. Aber es zählt halt die Qualität der Kritikpunkte, nicht die Quantität…

fenix_pd20

Aber fangen wir vorne an. Und da ich mich für ein Video-Review entschieden habe (um den Untergrund-Cache noch erforderlicher zu machen, und ungeachtet der Tatsache, dass ich aufgrund mangelnder Ausstattung und nuschelnder Aussprache eigentlich absolut ungeeignet für diesen Job bin), gibts hier nun einen ersten Eindruck der beiden Taschenlampen. Vom Auspacken, übers einhändige Einlegen der Batterien (mit Stativ wär das nicht passiert…) bis zur Bedienung der Lampen (das Video habe ich nach dem Untergrund aufgenommen, man verzeihe mir also, dass die Lampen etwas dreckig geworden sind…):

Zu der Farbe des Lichts hier mal ein Foto, in dem klar erkennbar wird, dass die M1 ein deutlich kälteres Licht hat und vor allem im fokussierten Modus (der ist auf dem Foto zu sehen) einen leichten Lila-Stich ins Spiel bringt:

lichtfarbe
Links: LED LENSER M1, Rechts: Fenix PD20

Das sieht man übrigens auch ganz gut auf dem Foto mit dem “Wie bin ich nur in diese Scheisse hineingeraten?”-Schild aus dem gleichnamigen Beitrag.

Aber untermauern wir das Video von eben mal mit ein paar Zahlen und Fakten:
LED LENSER M1
Die M1 hat praktisch 2 Helligkeitsstufen: 155 Lumen (3h) und 60 Lumen (6,5h). Theoretisch hat sie sogar drei Stufen, aber hier unterstelle ich den Machern, dass es nur darauf ankam, eine möglichst hohe Lumen-Zahl auf die Packung zu schreiben. Schaltet man die Lampe nämlich im starken Modus ein, leuchtet sie für ca. 5 Sekunden mit 190 Lumen, dann schaltet sie automatisch auf 155 Lumen. Finde ich sogar eher kontraproduktiv, denn so hat es das Auge ja noch schwerer, sich an das helle Licht zu gewöhnen und wenn es dann von Dunkel auf Hell umgeschaltet hat, sind die 5 Sekunden auch schon fast wieder vorbei. Der Sinn erschließt sich mir nicht ganz.
Mehr Sinn macht es da, dass die Taschenlampe dank “Smart Light Technology” nach ca. 3-5 Minuten von den 155 Lumen weiter runter auf die 60 Lumen schaltet. Das soll zugunsten der Langlebigkeit der LED, Minderung der Wärmeentwicklung (die Lampe wird nach Herstellerangaben maximal 33° warm) und zugunsten der Batterielebensdauer sein. Klingt in meinen Ohren plausibel, auch wenn ich gerne selber bestimmte, wann ich es wie hell haben will (die Anleitung weist mich darauf hin, dass ich die Lampe einfach aus- und wieder einschalten brauch, um die gewünschte Lichtstärke wieder zu erhalten). Da die 60 Lumen aber wirklich ausreichen (im Ulmer Untergrund bin ich nur mit denen rumgelaufen, natürlich auch weil ich nicht wusste, wie lang das ganze denn dauern würde und nicht am Ende ohne Licht dastehen wollte, aber es hat auch dicke gereicht) hab ich da aber kein Problem mit.
Die Bedienung mit den Knöpfen ist (theoretisch) sehr leicht und gut zu merken. Diese kleine Kurzanleitung braucht es nicht wirklich. Im Dunkeln kann ich das dann ja eh nicht lesen ;-)

Fenix PD20
Hier gibt es nun ein paar mehr Lumen-Angaben, die auch alle dauerhaft genutzt werden können, hier wird nichts automatisch runtergedrosselt.
Da hätten wir 180 Lumen in der stärksten Stufe (1h) und dann 9 Lumen (35h), 47 Lumen (6,5h) und 94 Lumen (2,6h). Die 9 Lumen waren für den Untergrund natürlich zu wenig, 47 Lumen haben aber gereicht und waren im Dauereinsatz. Die Wärmeentwicklung hielt sich daher in Grenzen. Lässt man die Lampe aber etwas länger (da reichen schon 10 Minuten) im Power-Modus, so merkt man schon, wie sie immer heißer wird. Laut Angaben bis zu 60°, was dann doch irgendwann unangenehm werden kann.

Nun sind Lumen-Zahlen ja schön und gut, wirklich vorstellen kann man sich das aber nicht. Darum hier mal der Praxiseinsatz in der Ulmer Unterwelt in Form eines Hochwasserüberlaufkanals:

Man hört an unseren fachmännischen Kommentaren, dass es nicht wirklich ganz klar zu sagen ist, welche Lampe nun subjektiv die hellere ist (die 5 Sekunden Supervollpower könnten da auch zusätzlich verwirren). Ein weiterer Grund wird die unterschiedliche Lichtbündelung und Fokussierung sein. Ich hab das ganze auch mal auf ein paar Vergleichsfotos festgehalten, alles mit gleicher Belichtungszeit, Blende und ISO-Empfindlichkeit aufgenommen:

lichtstaerke

Neben der besseren Usability ist den dann die Fokussierung, die die M1 letztlich auf die Siegerposition bringt. Denn bei der PD20 kann man eben gar nichts verändern. Das bedeutet, man hat in der Mitte immer einen sehr hellen Fleck (der z.B. störend sein kann, wenn man etwas lesen will und dann geblendet wird) und den Randbereich etwas schwächer beleuchtet. Bei der M1 kann ich das sehr sehr komfortabel mit einer Hand stufenlos variieren und entweder die Mitte oder die Außenbereiche verstärken, was dann zu einem schön gleichverteilten Licht führen kann, was mir persönlich angenehmer erscheint.
Beim Wandern durch die langen unterirdischen Gänge war es dann so, dass ich meist einen breiten Strahl hatte und nur ab und an auf die Mitte fokussierte, um zu sehen, ob endlich mal ein Ende (oder eine Kurve, ganz egal) zu sehen ist. Meistens war es nicht der Fall ;-)

Auch das hab ich mal festgehalten, ein weiterer Beleg dafür, warum ich bei Text-Reviews bleiben sollte ;-)

Special Features
Kommen wir mal zu den Besonderheiten. Beide Lampen haben einen Stroboskop-Modus, den ich unnütz finde. Zum einen bin ich der Meinung, dass man damit kaum einen Überfall verhindern kann (das ist wohl der Anwendungsfall), da so eine Lampe ja schnell aus der Hand geschlagen ist. Zudem ist es bei beiden Lampen nicht wirklich schnell und leicht machbar, in diesen Modus zu kommen (bei der M1 dann aber doch etwas leichter, wenn man sich nicht ganz so blöd anstellt wie ich), was dann natürlich noch schwerer wird, wenn man in Panik ist, weil man wirklich angegriffen wird und die Lampe dann sicher nicht schon einsatzbereit in der Hand hat.
Da macht der SOS-Modus für mich deutlich mehr Sinn. Denn wenn man wirklich mal in Not ist, kann man so einfach die Lampe auf den … — … Modus stellen und kann sich dann um sich kümmern, statt mühsam jedes Morsezeichen ewig vor sich hin zu tippen. Klar, bisher war ich noch nicht in so einer Situation, aber überfallen wurde ich auch noch nicht…

Die PD20 trumpft dann noch mit der “Wegrollsperre” und dem “Kerzenmodus” auf, was beides durchaus seine Berechtigung hat und der M1 sicher auch nicht schaden könnte.

Als ein Testszenario war übrigens noch “die Lampe im angeschalteten Modus in einen Eimer Wasser werfen” vorgeschlagen. Und obwohl nur bei der PD20 wirklich etwas von “wasserfest” stand (bei der M1 nur “spritzwassergeschützt, aber da die das ja selber vorgeschlagen haben und die O-Ringe auch vertrauenserweckend aussahen…), haben wir das dann auch gemacht. Nur halt nicht mit nem Eimer Wasser, sondern dem Fluss in dem wir standen.
Und ein weiterer Grund, warum ich für Videoreviews ungeeignet bin ist dann abschließend der, dass ich zu dumm bin eine Kamera zu bedienen. Wir haben es zweimal gemacht, aber beide Male hab ich die Kamera in dem Moment aus- statt eingeschaltet, so dass ich jeweils nur die Sekunden vor und nach dem Wassertest aufgenommen habe. Depp…
Egal, es war auch nicht spektakulär, jeder kann sich vorstellen, was passiert ist: Es hat geplatscht und geleuchtet, das wars…

Noch eine dumme Anekdote vom Rande: Am Anfang war das ja ein wildes hin und her zwischen verschiedenen Lampen und so wanderte immer mal wieder eine in meine Hosentasche. Als ich dann mal wieder wechseln wollte, zog ich eine aus der Tasche und drückte wild auf dem Knopf am Ende rum, aber nichts passierte. Schon kaputt? Nein, aber bisher hat es halt noch niemand geschafft, eine drittelvolle Mentos-Stange zum Leuchten zu bekommen. Damit wäre dann auch schön verdeutlicht, wie handlich die Dinger sind ;-)

Am handlichsten war übrigens die dritte LED-Taschenlampe, die ich quasi noch als Dreingabe bekommen habe: Die LED LENSER K3 ist nämlich nochmal nen Tacken kleiner, hat nur eine Helligkeitsstufe und auch den praktischen Einhandfokussierschiebekopf. Und was ich besonders toll finde ist der unglaublich scharfe Rand (das Bild ganz oben wurde mit dieser Taschanlampe ausgeleuchtet), den man da hinbekommt, auch auf größere Entfernungen noch. Sowas hätte ich früher bei meinen Zaubershows gebrauchen können, der optimale Amateur-Scheinwerferspot…

PS: Zum abschließenden Vergleich auch noch schnell meine alte Taschenlampe, die mittlerweile wieder aufgetaucht ist und daher auch mit unter Ulm durfte. Es handelt sich um eine kleine (im Vergleich zu den LED-Lampen dann aber doch wieder große) Maglite, die gegen die LED-Lampen nicht den Hauch einer Chance hat:

 
Conny:

Klasse Testbericht. :) Das mit der Mentosstange wäre ja mal ein Versuch wert…….

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Deffy:

Zufällig mit einem Freund über die Seite gestolpert und beim überfliegen am ersten Video hängen geblieben: “Hey das könnte fast Brunnenwerk sein” und siehe da es ist auch wirklich Ulm Underground. Wie klein das Internet doch ist.

PS: wirklich sau glitschig da unten :P

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