Ich bin wieder da

15. März 2008 um 16:32 von Frau Bü | Kommentar abgeben | Trackback

Zugegeben, begonnen habe ich den Bericht gerade eben im Doprint Hotel Adlershof (Betonung liegt auf Hof man spricht es also AdlersHOF) daher gilt das “ich bin wieder da” nicht wirklich, aber wer wird sich denn an solchen Kleinigkeiten aufhalten? Während ich also auf einen Konferenzkollegen warte fange ich einfach schon mal an: Also.

An Tag 1 bin ich sehr gut in Berlin angekommen. Es hat alles ohne Komplikationen hingehauen. Da ich allerdings mit Komplikationen gerechnet hatte war ich schon ein bisschen früh am Flughafen. Praktischerweise habe ich das zum Essen genutzt und zum Stöbern in Zeitschriften, die ich nie kaufen würde.In Berlin selbst hat mich der Taxifahrer dann einer Stadtrundfahrt gleich zu meinem Hotel gebracht. Nette Annekdoten über “jetzt sind wir im britischen Viertel…” und Ähnlichem hat die Fahrt auch sehr kurzweilig gemacht. Meine Verabredung mit Daniel in Berlin Stadtmitte hat auch überraschend gut hingehauen. Außer, dass ich in irgendetwas glitschig matschiges getreten bin, dass ich (es war ja schon dunkel) mal als Hundekot interpretiert habe. Ungewöhnlicherweise hat das meiner Laune keinen Abbruch getan und ich konnte das leckere Essen in netter Gesellschaft und Atmosphäre sehr genießen. Auf Polterabend und Hochzeit war ja nicht so wahnsinnig viel zeit um sich mit allen Gästen in notwendiger Ausführlichkeit zu unterhalten. Das wurde jetzt zumindest hier mal nachgeholt. Gruß auch an die Daniel: ich habe tatsächlich heim (also zurück zum Hotel) gefunden *g*!

Am Mittwoch begann dann schließlich um 9 Uhr in der Frühe die Konferenz und somit das gefürchtete “Allein-sein”, “Herumstreunern” und “Außenseitertum”. Denkste War nämlich nicht wirklich so. Schon in der ersten Kaffeepause (und es sollten noch viele folgen, da hat jemand bei der Planung echt mitgedacht ;) hat man nette fachliche Bekanntschaft geschlossen. Schließlich ist es ganz leicht einen Einstieg ins Gespräch zu finden: “Wer bist du?” “Aha von Daimler, was machst du so? Was ist dein Gebiet” etc. Ich muss sagen, dass “du” fand ich sehr angenehm. Allerdings eben nur unter den jungen verbreitet. Vom Alterschnitt her lässt sich sagen, dass es zwei grobe Gruppen gab: Die Doktoranden von Mitte Zwangzig bis Anfang dreißig und deren Profs jenseits von gut und böse. Nein Scherz… die waren so mitte vierzig aufwärts. Aber trotzdem spürte man die zwei Generationen doch deutlich. Im Hauptprogram mit den Vorträgen saßen die alten Hasen vorne in den ersten 10 reihen, der durchschnittlich deutlich jüngere Rest hinten. Ich musste unwillkürlich an dir Kirche denken. Da ist es gerade umgekehrt… nicht dass erste mal, dass ich schmunzeln musste. Die Konferenz und vorallem die Leute waren wirklich nett. Naja, biss sie mit dem kritisieren anfingen *g*. [Update: Kaffeepause ist rum, Kollege ist weg - und ich bin wieder allein allein..] Im Doktorandensymposium ging es wirklich heiß her. Die Profs wurden extra gebeten Kritik zuüben. Das haben sie dann auch [mit Vergnügen] getan. Meiner Meinung nach allerdings auch immer berechtigt. Schließlich liegen da ja auch oftmals 20 Jahre mehr Erfahrung dazwischen..

Nachmittags begann dann das Hauptprogramm mit der ersten Reihe der Konferenzbeiträge. Das Vorwort war sehr nett gestaltet mit einer netten kleinen StatistiK: “How to get yuor paper accepted at Modellierung 2008″. Sehr witzig *g* – vorallem, da man sich ja angesprochen fühlen durfte. Ich hoffe an die Folien komme ich noch irgendwie ran. Ein Punkt war übrigens “Bleibe Geschlechtertreu!”. Es gab nur ein Paper, das trotz gemischtem Team angenommen wurde (ihr dürft gerne raten *g*). Gut war es auch, sehr früh einzureichen… dank Flitterwochen kurz vor Abgabetermin kein Problem für mich. Die Vorträge selbst dauerten dann immer 20 Minuten an die sich dann 5 Minuten Diskussion anschloss. Es wurde sehr akribisch darauf geachtet, dass dies auch eingehalten wurde. Entweder über ein Kartensystem: gelb noch 5 Minuten – rot sie überziehen gerade. Oder Körpersprache: Handzeichen noch fünf Minuten Vortrag – Aufstehen und immer näher kommen oder böse gucken sie überziehen gnadenlos. Die Kritik, die im Anschluss an die Vorträge kam war sehr vielseitig, aber scheinbar auch immer sehr ehrlich. Hielt man von dem Konzept nichts, so wurde das in den Fragen und Anmerkungen deutlich (“das kaufe ich nicht ab”, “in diesem Punkt konnten sie mich nicht überzeugen”, etc.). Genauso gab es auch die neutralen Verständnisfragen und (eigentlich nur im Doktorandensymposium) ein “find ich richtig und wichtig(, aber)”. Am Abend des ersten Tages ging es dann mit dem Bus in die Innenstadt. Eine knappe 3/4 Stunde sind wir dazu gefahren – bis wir schließlich im Senatssaal der Humboldt Universität ankam. Eine wirklich nette Gegend. Sehr schick. Es gab dann einen (vorgelsenen) Vortrag zu dem Begriff “Modell” allgemein, angefangen bei Aristoteles und dergleichen. Der Vortrag war angenehm, aber nicht so kurzweilig wie erhofft, das der Vorlese-Stil sehr ermüdent und unpersönlich wirkte. IM Anschluss gab es dann Kanapees und Wein. Beides sehr lecker. Und dazu nette Gespräche. Insgesamt war die Atmosphäre zu jeder zeit recht entspannt. Naja, zumindest in den Pausen *g*. Ich habe dann das Programm für mich etwas früher beendet. Ich war müde und wollte heim und hab mich dann mit ein paar anderen auf den Heimweggemacht, während der Rest noch eine Stadtführung durch den Sturm bekam. Angeblich hat der nächtliche Besuch des Reichstags alelrdings über alles hinweggetröstet. Ich persönlich habe mich Abends natürlich noch brav vorbereitet. Ich bin die wichtigsten verwandten Arbeiten nochmal durchgegangen und hab mir die pro contra Argumente zurecht gelegt. Die Angst vor Kommentaren wie : “Haben sie XXX mal gelesen? Das hab ich in meiner eigenen Dissertation 1986 schon geschrieben, was sie hier machen!” (Zitat Ende) war einfach zu gro´ß ;). Am Vormittag des Donnerstags ging es dann mit dem Hauptprogramm weiter und die Anspannung wuchs. Ich hab wenigstens kein Kaffee gebraucht, um mich wach zu halten *g*. Erholung pur. Dann rückte mein Vortrag näher, die Anspannung wuchs und viel ein wenig, nachdem beim Technik-Check alles klappte. Als es dann aber losging und ich mich in dem großen Hörsaal vor einem Fachpublikum der Stärke 121 (soviele Anmeldungen gab es wohl..ohne mich einzurechnen) ging auf einmal alles ganz leicht. Bis auf das sprechen. Ohje. Nachdem mich der Moderator kurz vorgestellt hatte und auch unsre Diskussion vom Technik-Check nochmal anbrachte (Auf meinem Bildschirm steht nun mal “Willkommen bei Daimler” und nicht “Willkommen in Berlin bei der Modellierung 2008″ – dafür kann ich ja nichts, die Diskussion war nun, wer darf wen willkommen heißen?) auf die mir nichts kluges einfiel – sollte ich also loslegen. Doch kaum hatte ich das erste Wort herausgebracht erschall ein “lauter!” Chor in den Reihen. Nichts, dass mich aus der Ruhe bringen würde. Ich bekam ein super tolles Moderatoren-Microfon. Toll, so richtig Chefig sah dass dann aus (es gibt übrigens Bilder, an die ich noch versuche ranzukommen). Der Vortrag lief dann wirklich gut. Endlich mal keine Zwischenfragen – falls das jemand von meinen Daimler Kollegen liest, nehmt euch mal an Beispiel daran *g*. Doch der spannende Moment war ja sowieso nie der Vortrag selbst, und was ich wie sagen würde, sondern wie die anschließende Fragerunde uns Diskussion laufen würde! Ich muss sagen, es ging besser als gedacht. Natürlich kamen doofe Fragen und ich hab mich auch einmal so tief verzettelt dass mir nur die Flucht nach vorne half: “Ohje, gar nicht so leicht, da jetzt wieder rauszukommen!” — Hab ich das wirklich gesagt? Ja, hab ich. Genauso. Und ich hab dabei gelächelt. Resultat: ein Brüller. 121 mal schallendes Gelächter. Aber nettes Gelächter, kein übelnehmen oder so. Und schließlich konnte ich auf diese weise nochmal neu für eine Antwort ansetzen, die dann auch akzeptabel war. Finde ich zumindest. *g*Irgendwie war dann alles ganz schnell vorbei. Und die Aufregung im Vorfeld gar nicht wert. Der Vorteil eines solchen Vortrags hat sich allerdings in den Pausen schnell gezeigt. Plötzlich ist Name, Gesicht und Thema einer Person bekannt. So stürzten bis zur ersten Kaffeepause 3 Leute auf mich zu “Frau Hallerbach, ich muss sie sprechen… mich interessiert… sie haben da gesagt…. etc.” Der dritte (Micro, Fragen beim Vortrag waren 1. und 2.) ultimative Beweis, dass man mir zugehört hat!! Super! Es kamen dann auch später noch ein paar nette Gespräche zustande. Wirklich klasse. Vorallem, da niemand gesagt: “Totaler Mist, braucht niemand!” Hach. Das verschafft schon ein gutes Gefühl.

Am Donnerstag Abend stand dann auch das Dinner und dem Dinosaurier im Naturkundemuseum an. Dort, wo man eigentlich nicht essen und trinken darf *g* wurde eigens für uns ein Buffett und Bestuhlung und Tische angeschleppt!! Natürlich hat es lecker geschmeckt aber richtig klasse war dann natürlich erst die Führung! “Nachts im Museum” sag ich da nur. Und wer den Horrorfilm “Das Relikt” gesehen hat, weiß welch Ängste ich auf dem ewig langen Weg zum Klo ausgestanden habe *gg*. An diesem Abend hätte man mir beinahe noch einen Spitznamen verpasst. Dieses Schicksal ist mir zum Glück gerade noch erspart geblieben. Da ich die dumme Angewohnheit habe rote Wangen zu bekommen, wenn ich einen Vortrag halte (oder zu viel Rotwein getrunken habe ;) und ich Umfragen zu folge fast bis zur letzten Reihe geleuchtet habe (einer streitet es noch ab, etwas gesehen zu haben, angeblich ist er kurzsichtig..) war das irgendwie ein gerne aufgegriffenes Spöttelthema… zum Glpck konnte das Gespräch irgendwann auf Ost vs. West Berlin gelenkt werden. Puh…

Am Freitag ist der Workshop dann relativ leise und heimlich zu Ende gegangen. Viele waren schon abgereist und nahmen an den Workshops nicht mehr teil. Die gingen dann auch alle etwa bis zum Mittagessen und dann war es vorbei. Alle stoben heimlich auseinander packten und zogen heim. Ich hab dann mit meinem kurzsichtigen Kollegen noch nett eine Tasse richtigen Kaffee getrunken und danach hieß es auch für mich ab nach Hause. Wo ich dann inzwischen auch wieder gut angekommen bin… trotz einiger “Ausparkprobleme”, die ich dank eines Rauchers, der sich als sehr sympathisch herausstellte und vorallem hilfsbereit und sehr Kompetent beim herauswinken tatsächlich ohne Blechschaden meistern konnte…

Fazit: Spass hats gemacht *g*. Nächstes Jahr wäre ich wieder dabei ;)

 
Roke:

Danke für den ausführlichen Bericht. Hab’ gleich nochmal richtig mitgefiebert!
Damit hast Du dann ja die Feuertaufe in Sachen Konferenzvortrag mit Bravur gemeistert. Super!
Und Lacher im Vortrag / in der Diskussion sind immer gut. Dann geht der Rest meist viel entspannter von der Bühne. Blöderweise klappt das mit den Lachern nicht immer so bzw. das Publikum reagiert nicht so, wie man es erwarten würde – das hat mich mal total aus dem Konzept gebracht. Hab’s aber auch überlebt.

Nochmal herzlichen Glückwunsch für Deine erfolgreiche Konferenz! Bin mir aber sicher, dass es nicht die letzte bleiben wird, oder?

Bin auch schon gespannt auf die Fotos :-)

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