Ich hab mich nie getraut, einen Brief an die Sendung mit der Maus zu schreiben. Wenn ich mich getraut hätte, dann wäre es diese eine Frage gewesen: “Wie kommen die Luftblasen in die Luftschokolade”? In Gedanken hatte ich den Brief schon oft geschrieben. Ich hätte einfließen lassen, dass ich ein treuer Zuschauer bin und daher natürlich wüsste, wie denn die Löcher in den Käse kommen. Nur könnte ich mir nicht vorstellen, dass in der Schokolade auch Bakterien rumpupsen und so für die Löcher sorgen. Das hätte mir wohl den Spaß an Schokolade verdorben (nein, ich glaube nicht, dass die Pupsgeschichte mir die Lust am Käse (mit wenigen Ausnahmen) verdorben hat. Der schmeckt halt einfach nicht. Unabhängig davon, wer da alles reinpupst und warum der so stinkt).
Ich habe den Brief aber nie geschrieben und so bekam ich auch nie eine Antwort. Trotzdem aß ich immer gerne Luftschokolade und liebte dieses besondere Gefühl, auf so ein Stück zu beißen. So porös. Und wenige Sekunden später schon geschmolzen und lecker cremig. Einfach von der Konsistenz her das Beste, was es in Sachen Schokolade gibt.
Aber mit dem Alter kam dann die Geschmacksumpolung und mich trieb es immer mehr ins Zartbittere. Vollmilchschokolade kommt mir nicht mehr in den Mund und da hab ich aus einem mir unerfindlichen Grund auch vor der Luftschokolade keinen Halt gemacht. Obwohl mich das da nie so gestört hat. Ich sollte es einfach nochmal ohne Zartbitter, dafür aber mit Luft probieren.
Denn unglaublicherweise, kann ich in Deutschland keine einzige dunkle Luftschokolade finden. Ich hab aero (die Superhelden der Luftschokolade und irgendwie neben Milka Luflee die einzigen, die ich kenne) mal angeschrieben, die haben aber nicht geantwortet (wie so oft, wenn ich mal investigativ recherchieren will). Im Ausland gibt es die aber, das konnte ich schon rausfinden. Ist wie bei Toblerone, die krieg ich auch nur in Zartbitter, wenn ich mal wieder in Urlaub fliege und im Duty Free-Shop zugreifen kann (wobei meine Mutter mir irgendwie eine schwarze Mini-Toblerone in meinen Adventssack hat plumpsen lassen, offenbar gibt es die jetzt auch im regulären Handel).
Versteh ich nicht wirklich, denn ich hab das Gefühl, dass Deutschland schokoladig gesehen immer dunkler wird. Die Prozentzahlen auf den Verpackungen überschlagen sich förmlich (ab 85% steige ich dann aber doch aus, irgendwann ist auch mal genug) und immer mehr Produkte gibt es nun auch in dunkel: Duplo (schmeckt minimal besser als das Original), AfterEight (schmeckt unminziger, also schlechter. So undunkel waren die Original ja nun auch wieder nicht), Twix und so weiter (vor drei bis vier Jahren hat es auch nie dunkle Osterhasen oder Weihnachtsmänner gegeben). Warum also gibt es keine Zartbitter-Luftschokolade in Deutschland? Der Weg über ebay ist mir dann doch ein wenig zu teuer. Da hab ich ja alleine 40$ Versandkosten…
Was es übrigens auch nicht gibt, ist eine Schokolade, die man irgendwem schenkt, um sich zu entschuldigen. Für alle, die sich bedanken wollen, gibt es “Merci”. Aber eine Entschuldigungs-Schokolade gibt es nicht. Ist mir letztens aufgefallen, als ich gegenüber Inishmore ein ganz schlechtes Gewissen hatte. Da hätte ich ihm ja gerne mal einen Entschuldigungsriegel rübergereicht. Hätte ich eine Schokoladenfabrik griffbereit gehabt, hätte ich sofort die Maschinen gestartet. Einen Namen hatte ich auch schon: “Excuse moi”. Französische Entschuldigungen kommen gleich viel unausschlagbarer rüber. Außerdem wäre der Name optimal gewesen, um das ganze nach einem Jahr dann auch noch in Zartbitter rauszubringen und so nochmal den Umsatz zu steigern. Der dunkle Riegel hieße dann nämlich “Excuse noir”. Leider hatte ich aber keine Schokoladenfabrik parat (nebenbei: Charlie und die Schokoladenfabrik war ein super lustiger Film mit klasse Bildern) und so bleibt diese weiter Marktlücke offen und meine erste Million werde ich wohl doch nicht mit Schokolade machen.
Und ich glaube, dass auch meine zweite Entwicklung im Schokoladengeschäft mir nicht zu unermesslichem Ruhm verhelfen wird. Völlig ahnungslos, wie denn nun die Luftblasen in die Schokolade kommen, hab ich da eine ganz eigene Methode entwickelt. Man nehme eine Tafel leckerster Zartbitterschokolade, die voll mit ganzen Haselnüssen ist (daumendick sollte die also schon sein, quadratisch und praktisch kann auch nicht schaden und wenn die Mark dann noch in der Schokolade steckt, kann gar nix mehr schief gehen) und pule einfach die Haselnüsse raus:

Ok, kommt nicht ganz an das Luftschokoladenfeeling ran, aber was soll man in seiner Verzweiflung denn anderes machen?
Heute bin ich dann aber endlich mal auf die Idee gekommen, doch einfach mal das schlaue Internet zu befragen, wie denn die Blubber in die Schokolade kommen und bin dann tatsächlich auch auf ein Video gestoßen, dass wohl die Antwort liefern soll:
Bin jetzt nicht ganz so sicher, ob die Maus mir das auch so erklärt hätte, aber es ist sicher spannender, als die Lösung, die Wikipedia anbietet:
Luftschokolade ist eine Tafelschokolade, die zahlreiche kleine Gasblasen enthält, ähnlich wie grober Schaumstoff. Bei der Herstellung wird die flüssige Schokoladenmasse unmittelbar vor dem Abfüllen in die Gussform mit einem Treibgas aufgeschäumt. Durch die isolierende Wirkung der Bläschen schmilzt Luftschokolade anders als kompakte Tafelschokolade – das Mundgefühl ist zunächst brüchig-mürbe, beim Zerkauen schmilzt sie wegen der stark vergrößerten Oberfläche dann besonders schnell und erzeugt ein intensiviertes Geschmacksempfinden.
Als Treibgase werden bei Luftschokolade Stickstoff, Argon, Kohlendioxid und Lachgas verwendet. Nach einer von Nestlé finanzierten Studie der University of Reading hat mit Stickstoff und vor allem mit Lachgas aufgeschäumte Schokolade den intensivsten Geschmack, was die Forscher auf die größeren Blasen zurückführen, die diese Gase im Vergleich zu den anderen hervorrufen.[1] Sauerstoff wird als Treibgas nicht verwendet, da er das Ranzigwerden beschleunigt.
Die sagen mir aber auch nicht, warum es in Deutschland keine herbe Luftschokolade gibt. Vielleicht sollte ich mich doch mal an die Sendung mit der Maus wenden…
Bonusmaterial 1: Wer kann sich vorstellen, wie es sich anhört, wenn sich “leckere Luftschokolade in schwebende Musik verwandelt”? Niemand? Dann solltet ihr mal in diese CD reinhören (kein Amazon-Partnerlink, kauft ja eh niemand). Denn das steht das tatsächlich in der Beschreibung drin…
Bonusmaterial 2: Der Schokoladenmann.
Nachtrag: Aero hat inzwischen geantwortet und an dunkle Luftschokolade bin ich mittlerweile auch gekommen.

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