Foto der Woche: Fasnacht in Weißenhorn

13. Februar 2013 um 22:40 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

Wie berichtet, durfte ich in diesem Jahr den Karneval erstmals fern der rheinischen Heimat erleben. Und da nutzte ich doch mal die Gelegenheit, über den Tellerrand zu schauen, und mal live zu erleben, wie denn der Karnevalsumzug Fasnachts-Umzug hier in Bayern so aussieht.
Genauer gesagt in Weißenhorn, organisiert von der “Interessengemeinschaft Weißenhorner Fasnacht e.V”

Meine alemannischen Erwartungen wurden dann auch erfüllt, wie das Foto der Woche zeigt:

Ich dachte ja, dass die Narrenzunft D’Illerstoi da irgendwas mit Beulenpest darstellen wollen, hab mich dann aber eines besseren belehren lassen:Geschichte

 

Die Illerstoi stellen die Untertanen des Grafen Styrum dar, der im 16. Jahrhundert in Illereichen sein Unwesen trieb.
[..]
Das dunkle Reich des Grafen beschränkt sich auf die Iller und deren Ufer. Die Illerstoi sind Werkzeuge seiner Macht. Er hat sie für seine Herrschaft aus Steinen der Iller geschaffen. Sie stellen nachgebildete menschliche Wesen dar.

Das Gewand der Illerstoi ist ein “Plätzleshäs”, welches in den Farben braun, grün und gelb gearbeitet ist. Diese Farben symbolisieren den herbstlichen Illerwald.

Die Maske eines Illerstoi ist eine handgeschnitzte Holzmaske. Sie zeigt ein Gesicht mit freundlichem, manchmal auch verschmitztes Lachen. Auf der Maske sind deutlich die Illersteine dargestellt, aus denen der Graf Styrum die Illerstoi geschaffen hat. Jede Maske ist in ihren Details anders gearbeitet, so dass keine Maske der anderen gleicht.

Vor vielen Jahren (vermutlich ist es schon über ein Jahrzehnt her), hab ich in Ulm einmal den Ulmer Narrensprung gesehen (da der nicht am Karnevalswochenende stattfindet) und war nur so minder begeistert (was dann dazu führte, dass es eben bei diesem einen Mal blieb, auch wenn ich mir immer mal vorgenommenen hatte, da bei gutem Foto-Wetter nochmal hinzugehen, was aber nie passte), weil die ganze Zeit nur Holzmaskenhexen (etwas übertrieben formuliert) doch etwas langweilig werden. Und die Stimmung (und Verkleidung) am Straßenrand war auch eher mau. Noch dazu hatte jede Gruppe ihren eigenen Ruf, was mich geistig überforderte ;-)

Aber kurz zurück zu den Illerstoi, deren Ruf war “3 x Iller-Stoi!”:

Und wie war nun der Zug in Weißenhorn?

Sehr schön! Würde ich als objektiver Betrachter (also als jemand, der nirgendwo die Leute kennt) dem Zug aus meinem Heimatdorf tatsächlich vorziehen, denn hier gab es eine sehr gute Mischung aus “richtigen” Karnevalskostümen und den alemannischen Kostümen, die es bei uns ja gar nicht gibt. Und die Guggemusik gefällt mir auch besser, als das meiste (Ha-Ha-Hadamar mal ausgenommen, aber die sind im Zug selber auch nicht der Knaller) was “bei uns” gespielt wird.

Ich hab da mal noch ein paar mehr Fotos mitgebracht, hier zunächst der “normale Teil”, bei dem man gleich oben links auch schon einen aktuellen Bezug erkennen kann (der Papst hat ja selbst für Düsseldorf zu spontan seinen Job gekündigt), hier war der zugehörige Gruppenruf übrigens “3x Krümel – Monster”, wie man dem Programmheft entnehmen konnte, in dem alle 84 Gruppen inkl. Spruch aufgeführt wurden. “3x Zicke – Zack” und Kombinationen aus dem Gruppennamen und “Helau” bilden übrigens die deutliche Mehrheit) :

Waren wirklich schöne und aufwändige Kostüme dabei und auch die Prunkwagen waren besser, als ich erwartet hätte. SO langsam zerbröseln hier all meine Vorurteile…

Und die Holsmasken in guter Dosierung finde ich ja auch mal eine schöne Abwechslung:

Fazit: Wenn es einmal nicht zum Karneval in die Heimat gehen kann, brauchen wir hier nicht weinen, sondern können auch in unmittelbarer Nähe schöne Züge anschauen. Ich bin begeistert…

Aus Schlafmangelgründen (kranke Kinder halt…) gibt es heute keine “Fremde Fotos der Woche” und “Inspiration der Woche”. Ihr dürft die aber gerne in den Kommentaren ergänzen ;-)

 
Ro:

Na, sag’ ich doch :-)
Man darf nur den reinen alemannischen Ulmer Umzug als Maß der Dinge sehen.
Geh’ doch mal noch weiter nach Bayern rein …. (allerdings gibt’s dann dort keine Guggenmusik mehr und die Leute sprechen wirklich nur noch von “Fasching”) :-)

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Ro:

“… nicht als Maß der Dinge …” mein’ ich natürlich …

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madonha:

Das sieht ja schon nach einem richtig großen Umzug aus. Die Guggemusik mag ich auch sehr gerne. In Heimbach gibt es mittlerweile ja auch die ein oder andere Gruppe im Zug. Ungewohnt im Vergleich zu “Glabbach” und Heimbach ist allerdins der viele Platz an der Straße. Die traditionellen Masken sind auch immer wieder faszinierend.

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