Elterngeld und Blog-Gewerbe: Argh!

26. Februar 2010 um 14:43 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

Irgendwie macht es da Leben nicht leichter, wenn man mit seinem Hobby (dieses Blog) ein wenig Geld nebenher verdient. Aktuelles Beispiel: Elterngeld.
Ich werde ja das ab Geburt ein Jahr zuhause bleiben und Elterngeld kassieren.

Grob gesagt funktioniert das (wenn man nichts selbständig arbeitet) so: Man nehme den (bereinigten) Nettolohn aus den 12 Monaten vor dem Baby, ziehe davon den (bereinigten) Nettolohn aus den 12 Monaten nach der Geburt ab und kriegt davon dann 67% Elterngeld vom Staat.

Kommen da jetzt aber noch Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit dazu, wirds kompliziert. Zunächst einmal gehen wir davon aus (weil es bei mir zutrifft und auch die Regel sein wird), dass ich auch das Jahr davor (in diesem Fall also 2009) beide Tätigkeiten ohne Pausen ausgeführt habe.
Dann werden nämlich (BEEG §2, Abs. 9) auf einmal nicht mehr die 12 Monate vor der Geburt als Referenzzeitraum genommen, sondern das Jahr 2009 (auch, wenn das Kind am 30.12.2010 auf die Welt kommt). Und das ist jetzt aus mehreren Gründen doof:

1. Mein Nettolohn aus nichtselbständiger Tätigkeit wird auf einmal niedriger, da ich Mitte 2009 eine Gehaltserhöhung bekommen habe. Ohne Blog, wäre fast nur das höhere Gehalt angerechnet worden, jetzt mit Blog ziehen die ersten 09er Monate den Schnitt wieder nach unten

2.Mein Gewinn aus selbständiger Tätigkeit (also aus diesem Blog) steigt gerade munter an. Anfang 2009 kam fast nix bei rum, Anfang 2010 sah das schon ganz anders aus:

verdienste_gesamt

(mehr Infos zu diesem Diagramm gibts hier, da sind dann auch die einzelnen Anbieter beschrieben)

Das wird aber bei der Berechnung nicht beachtet, die ersten Monate von 2010 bis zur Geburt tauchen bei der Berechnung nirgends auf.
Also nochmal zu dem Beispiel vom Kind, das im Dezember 2010 zur Welt käme: Hier würde der Gewinn von 2009 mit dem von 2011 verglichen. Bei Konstanten Gewinnsteigerungen macht das also ein doppelt so großes Minus, als wenn man die 12 Monate davor und danach vergleichen würde, was das Elterngeld dann ganz schön kürzen würde (hier beim Blog sprechen wir von sehr geringen Zahlen, aber es soll ja auch Leute geben, die selbständig mehr verdienen. Die “Das Jahr davor”-Regel gilt übrigens auch dann, wenn man nur selbständig arbeitet…).

Der obige Graph ist übrigens nur zur Anschauung, wie die Einnahmen schwanken. Relevant ist der nächste Graph, bei dem die Werte nun auf den Monat aufgetragen sind, an dem sie ausgezahlt wurden, denn nur das ist für das Elterngeld relevant. Schiebt sich also alles nochmal weiter nach hinten, was die Sache noch schlechter macht.
Hier also die Auszahlungen 2009 und 2010, wobei die 2010er-zahlen komplett ignoriert werden:

auszahlungen_2009-10

Hier schön zu sehen, dass die hohe Amazon-Zahlung erst im Februar kam, obwohl die Einnahmen komplett im Jahr 09 erzielt wurden (dauert da ja immer ein wenig, bis alles geprüft und ausgezahlt ist).
Fürs Elterngeld aber irrelevant, da zählt das Zuflussprinzip. Heißt auch: Selbst wenn ich nach der Geburt alle Werbebanner und Textlinks von dieser Seite nehmen würde, werden immer noch die Einnahmen verrechnet, die ich für die Arbeiten aus den Vormonaten bekomme. Also wenn z.B. am Tag nach der Geburt die Amazon-Auszahlung für die letzten 5 Monate kommt, geht das mal schön als “Minus” ins Elterngeld ein, obwohl die Leistungen vor der Geburt erbracht wurden.

Heißt also, ich muss dafür sorgen, dass ich möglichst viele Auszahlungen erst nach dem Jahr nach der Geburt bekomme. Tendenziell könnte man dann ja z.B. einfach überall die Auszahlungen stoppen (wo es geht) und erst danach wieder aktivieren. Aber das wäre dann sicher Steuerbetrug, oder?

Wie gesagt: Bei mir geht es hier nicht um viel Geld, aber prinzipiell finde ich das schon nicht wirklich gerecht.
Oder hab ich da nur was falsch verstanden? Ich befürchte nicht, denn auch ein Telefonat mit der zuständigen Stelle bei der L-Bank hat das nur bestätigt (bzw. noch schlimmer gemacht, als ich es erst verstanden hatte)…

Gibts hier irgendwen, der da schon Erfahrungen gemacht hat?

 
Olli:

Mit Erfahrung kann ich in dieser Hinsicht nicht dienen, aber eine Frage / Bemerkung:
Zählt die “Bloggeschichte” auch mit rein, wenn man davon ausgeht, dass Du weiterhin bloggen wirst? Also die Blogeinnahmen gar nicht von der Elternzeit betroffen sind (sondern dank süßen Fotos und Stinkende-Windel-Geschichten noch steigen werden)?! Und willst Du das Wochenende überhaupt noch gewinnen, oder ist das auch schädlich für die Bilanz?! (-;

Fragen über Fragen…

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donvanone:

@Olli: Klar zählt die Bloggeschichte da mit rein. Denn wenn ich in der Elternzeit Geld verdiene, wird das Elterngeld gekürzt. Dabei das Blog einfach komplett zu ignorieren geht nicht, denn der Gewinn werden ja nicht genau identisch sein. Verdiene ich nach der Geburt weniger mit dem Blog, als 2009 (eher unwahrscheinlich), so ist mein Elterngeld höher, als es das bei ausschließlicher Betrachtung meiner nichtselbständigen Tätigkeit gewesen wäre.
Verdiene ich nach der Geburt aber mehr, ist das Elterngeld geringer, als ohne Blogbetrachtung.
Dafür hab ich dann aber halt noch Geld nebenher verdient, ist also nicht wirklich ein Minusgeschäft.
Wenn man das ganze mal mathematisch ein wenig umstellt, ist es so, dass ich die 67% von meinem Arbeitslohn und der Blogsache aus 2009 bekomme, mir von dem Blog-gewinn nach der Geburt aber nur noch ein Drittel übrig bleibt.
Heißt dann aber auch (da ja nicht die Einnahmen, sondern er Gewinn betrachtet wird): Ausgaben, die ich abschreiben kann, lohnen sich auf einmal viel mehr, da ich mir quasi für 32 Euro etwas kaufen kann, dass 100 Euro kostet.

Und das Wochenende hat ja nix mit der Steuer zu tun, das will ich also immer noch. Allein, um mich von dem Elterngeldquatsch zu erholen…

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Faulheit 2.0 – Elterngeld und Blog-Gewerbe: Argh! auf Who said that I wasn’t right?:

[...] wollt, schreibt einfach in den Kommentaren auf welchen eurer Einträge ich verweisen soll… Heißt also, ich muss dafür sorgen, dass ich möglichst viele Auszahlungen erst nach dem Jahr nach … [...]

 
 
Jemand:

Das Verschieben von Auszahlungen ist kein Steuerbetrug; jedermann kann für ihn günstige steuerliche Gestaltungen wählen. Voraussetzung ist natürlich, dass die Einnahmen grundsätzlich versteuert werden.

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Tina:

Ich finde deinen Artikel sehr interessant. Auch bei mir wird es Zeit das ich mir darüber Gedanken mache. Zwar bleiben noch fast 7 Monate Zeit bis es soweit ist aber wie es mit dem Elterngeld aussieht wenn ich noch ein Nebeneinkommen habe verstehe ich noch nicht wirklich. Ich bin mal sehr gespannt was der Staat alles verrechnen will um so weniger zahlen zu müssen.

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