Don, erzählst du uns nochmal ein Märchen?

06. Juni 2006 um 11:37 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

Ehrensenf und Münchhausen

Vorgestern hab ich (meinem Festplattenrekorder sei Dank) den Film “Wag the dog” gesehen. Es geht darum, dass dem Präsident kurz vor der Wiederwahl sexuelle Belästigung vorgeworfen wird, was sein Wahlkampfteam vor eine schwere Aufgabe stellt. Also erfinden sie schnell einen Krieg (gegen Albanien), um von der Sache abzulenken. Natürlich gibt es keinen Krieg, das ist alles nur eine Inszenierung für die Medien. Die CIA bekommt davon Wind und verkündet dann (weil ihnen der Krieg nicht ins Konzept passt), dass der Krieg beendet wäre. Daraufhin der Wahlkampfteam-Chef: “Der Krieg ist vorbei. Ich hab es im Fernsehen gesehen”. Sein Partner: “Quatsch, der Krieg ist nicht vorbei, wir kriegen das wieder hin” – “Quatsch, er ist vorbei. Ich hab es im Fernsehen gesehen”.
Ich hab mich tierisch amüsiert. Was das Fernsehen zeigt, muss wahr sein. Heute schreibt der Kölner Stadtanzeiger einen Artikel der Art “Was im Internet steht, muss wahr sein”. Kann man sich eigentlich auch nur drüber amüsieren, oder?
Grund für den Artikel ist das Sommerloch mein “Ehrensenf TV ab Herbst auf RTL“-Beitrag. Ihr erinnert euch? Meinen schlechten Traum? Spätestens nach den ersten beiden Kommentaren hätte eigentlich jedem klar sein sollen, dass es sich hier nicht um eine Pressemeldung handelt, aber in Köln hat man es ja wohl nicht so mit der Satire und so hatte ich am Donnerstag einen Journalisten des Kölner Stadtanzeigers am Telefon. Was dabei rausgekommen ist kann man hier nachlesen. Anscheinend hat unser Telefongespräch nicht sonderlich gefruchtet, denn er spricht immer noch von Lügen und Märchen. Dabei hab ich den Wikipediaeintrag zu “Satire” doch extra verlinkt… Noch sonderbarer wird es dann, dass er mich mit dem Lügenbaron Münchhausen gleichstellt, was nun (danke Daniel) mal so gar nicht passen kann, da Münchhausen mit Heldengeschichten über sich glänzen wollte, ich dagegen meine Person in keinem Wort erwähne.
Wie man mit einem solchen satirischen Beitrag richtig umgeht, hat übrigens einer der “Betroffenen” sehr gut gezeigt:
In der ersten Ehrensenf-Sendung nach meiner “Märchenstunde” fängt Katrin an mit: “Ne echt? Das stand in den Kommentaren? Und die glauben wirklich … erst ab Herbst!?”, kurz darauf wird sie vom RTL-Jingle sichtlich irritiert. Später droht sie den Zuschauern damit zu zu wechseln, wenn nicht auf den Werbebanner geklickt würde und am Ende verabschiedet sie sich mit den Worten: “Das war Explosiv … Ehrensenf, ich bin Katrin, tschüß”
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute…

PS: Wer sich fragt, wie ich eigentlich auf das Thema RTL gekommen bin: Das war nicht meine Idee, Ehrensenf hat damit angefangen, wie diese beiden Folgen belegen:
Am 20.02.2006 beginnt Katrin (die Ehrensenf-Moderatorin) mit: “Was soll das denn? Wir sind doch hier nicht bei RTL!? …. Noch nicht!” und in der Folge vom 10.04.2006 sagt Katrin ganz am Ende: “Aber glaubt ja nicht, dass ich als Nummer 2 mit zu RTL gehe”.

 
Fluffi:

Juchu, der Don wird berühmt. Später kann ich mal sagen “ja, ich kenne ihn, wir haben zusammen studiert” :)

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Daniel:

Der KStA gliedert sich brav in die Reihen von KEC, FC und Stadtverwaltung ein. Mit uns geht’s abwärts!
Besonders bitter ist natürlich, dass man beim Stadtanzeiger nicht fähig oder willens ist, Satire als integralen Bestandteil der in letzter Zeit so oft beschrienen Pressefreiheit anzuerkennen. Ich empfehle einen Blick in die Geschichtsbücher.

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Felix:

Hi Don

deinen schönen Schlußsatz des Artikels “Wer mit Satire und dem Internet nicht umgehen kann, der soll es besser lassen.” hätte sich der Autor mal selbst mehr zu Herzen nehmen sollen. Und das mit dem Artikelschreiben bleiben lassen *fg*

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Felix:

Aber der Kölner Stadtanzeiger scheint ja in die Richtung Münchner Abendzeitung zu gehen…
Und die hatte übers Pfingstwochenende die große Titelschlagzeile, welchen WM-Teams eine Astrologin welche Chancen einräumt.
Huuu, investigativer Journalismus ;-)

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Cruiser:

> Andreas Hallerbach hat dies auf seinem Weblog
> „DonsTag“ ( http://www.donvanone.de ) gemeldet – ganz
> im Stile einer Pressemeldung.

..und so einfach wird mit Redakteur. Heisst deine Zeitung dann jetzt eigentlich Donvanone? :)

Den Artikel von Herrn Frommann zu lesen ist sehr erheiternd. Aber man merkt schon…Sommerloch…da werden sogar solche Meldungen von einem künstlich aufgeregten Redakteur zu einem kompletten Artikel zusammengebastelt. Weil: Wenn der das Ernst meint, wäre das echt traurig.
Oder hat er sich womöglich auch nur in Satire versucht? :)

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Basic Thinking Blog » FF-Plugin: Der Ironiedetektor:

[...] Am 19.06. ist meine Blogvorstellung in eben deinem Blog geplant und ich muss dich vorher noch dringend davor warnen. Denn ich bin ein ganz ganz böser Lügner. Sagt zumindest der Kölner Stadtanzeiger, der einen meiner satirischen Beiträge nicht verstanden hat und nun meinte, darüber berichten zu müssen. Aufgrund dieses schweren Schicksals, habe ich in mühevoller Kleinarbeit für genau solche Leute einen Ironiedetektor als Firefox-Erweiterung gebastelt, der aufzeigt, welche Stellen ich nun nicht ganz so ernst meine. Dieses Plugin funktioniert natürlich nicht nur in meinem Blog, sondern auch überall anders, wenn man seine Texte entsprechend taggt. Wie das geht (und die Geschichte zum Kölner Stadtanzeiger) kannst du hier nachlesen >> [...]

 
 
Fluffis Blog - winzipp.org » Ironie entdecken leicht gemacht:

[...] Dummerweise haben anscheinend viele diese Ironie nicht verstanden, unter anderem ein Redakteur des Kölner Stadtanzeigers, der einen – meiner Meinung nach ziemlich schlecht geschriebenen – Artikel über die Wahrheit im Netz geschrieben hat. Nähere Infos zu den Zusammenhängen gibt es hier. [...]

 
 
Fluffi:

> Oder hat er sich womöglich auch nur in Satire versucht? :)

Ich glaube nein, der Ironiedetektor schlägt nicht aus.

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bojeonline | bojecom » Blog Archiv » Ironie detected:

[...] Manchmal habe ich das Problem, nicht richtig verstanden zu werden. Da ich auch zu denjenigen gehöre, die der Ironie frönen, kann es dadurch mal leicht zu Mißverständnissen kommen wenn es bei ihm/ihr gegenüber nicht durchsickert. Aber ich bin nicht allein. Vielen anderen Ironyuser geht es genauso und manche bekommen deswegen richtig große Probleme. Don, zum Beispiel, hat einen mit Ironie gespickten Beitrag gebloggt, der wiederum wurde von einem Journalisten toternst aufgegriffen wurde und aus dem ein machte. Aber nun können auch die unsicheren Leser aufatmen, denn es gibt den Ironiedetektor als Firefox Extension. Muß man beim Blättern in der Zeitung noch angestrengt überlegen wie der Kommentar gemeint war, erledigt das nun im Internet diese Erweiterung mit 85% Trefferwahrscheinlichkeit. Eine genaue Beschreibung, Download und wie man einen einen passenden Button in die WordPress Admin-Menu einbaut könnt ihr in Dons Blog nachlesen. via Basic Thinking [...]

 
 
DonsTag » Vermischtes (II):

[...] Äh bitte? Die Empörung über unechtes in der Welt der Blogs ist also lächerlich? Ja? Gut, dann sind wir uns ja einig, denn anders kann man das wirklich nicht bezeichnen, was ihr damals über mich  in eurem Blatt stehen hattet… [...]

 
 
Dominik:

Gut, dass die Medien, Fernsehen, Zeitungen und Politiker niemals, niemals, nein, nie nicht lügen tun…tun.

Da wir ja nunmal in Deutschland leben, müssen wir alles ganz furchtbar ernstnehmen und was wir nicht verstehen, bekämpfen. Vorwärts, und nicht vergessen, das Hirn ausschalten.

Gruß an den kleinen Rest der Welt, der sein Gehirn nicht nur als Wirbelsäulenbeschwerer benutzt.

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DonsTag » 1 Jahr DonsTag:

[...] wie es dann weiterging lässt sich hier ganz schön erkennen, die Ehrensenf-RTL-KölnerStadtanzeiger-Geschichte mit anschließendem Ironiedetektor (der übrigens in immer mehr Foren Verwendung findet, [...]

 
 
Ironie im Internet – versteht mich bitte nicht falsch! › wemaflo.net:

[…] dem Autoren des Blogs DonsTag so etwas wiederfuhr, dachte er sich etwas ganz wunderbar nützliches aus, um solche Missverständnisse in Zukunft zu […]