Heute morgen wollte ich mich mal aufführen, wie man das von einem karrierebewussten Menschen so erwartet und hab mir zum Frühstück erstmal die Südwest-Presse gekauft (wobei man die schon abonniert haben müsste, der tägliche Gang zum Kiosk muss doch nicht sein, oder?).
So liest man zum Beispiel, dass die Uni Ulm die Studiengebühren nicht zur Deckung der Energiekosten heizen darf, sondern nur für unmittelbare Verbesserungen der Studienbedingungen. Aber wenn die Uni jetzt den Strom selber zahlen muss, wer zahlt dann die überlebenswichtigen Designänderungen? Egal, ich muss ja irgendwann mit dem Frühstück fertig werden, also blätter ich nichts ahnend (okay, das ist mal extremst gelogen, ergibt aber insgesamt einfach die viel tollere Einleitung) weiter und da blicke ich mir doch auf Seite 20 (die Jugendseite des Lokalteiles Ulm/Neu-Ulm) selbst entgegen. Mit einem leicht bedepperten Blick, wenn ich das mal so sagen darf. Drumherum eine halbe Seite Text über mich und DonsTag, der sich sehr viel besser liest, als damals der im Kölner Stadtanzeiger. Ab und an muss ich leicht schmunzeln (allein schon der erste Satz: “Es riecht nach Meerschweinchen.”) oder sehe mich zu sehr nach oben gelobt, aber im Großen uns Ganzen ein sehr guter Artikel. Sowas liest man gerne über sich.
Alle, die im Einzugsgebiet der Südwestpresse mit Ulmer Lokalteil wohnen, wissen jetzt also, was zu tun ist: Mindestens 10, besser aber 100 der Exemplare kaufen, damit ich als Quotengarant öfters auftauche. Titelseite wäre doch mal nicht schlecht ;-)
Alle anderen dürfen ihn auch online nachlesen. Der Artikel ist im Online-Angebot der Südwestpresse nicht mehr erreichbar, dafür gibt es ihn jetzt am Ende dieses Beitrages.
Ich muss jetzt endlich mal fertig frühstücken (schafft man da eigentlich wirklich nebenher die ganze Zeitung durch?), man liest sich dann wieder (passend zur Zeitungsüberschirft) heute Nacht (werde dann nochmal näher auf den Artikel eingehen und als Bonusmaterial weiterführende Links zu den entsprechenden Textstellen raussuchen).
PS: Noch eine kleine Anmerkung an alle, die vom Artikel auf diese Seite kamen: Das wirklich dekorative Foto vom Fisch stammt ausnahmsweise nicht von mir, sondern wurde von Fluffi geschossen. Wo es in Ulm so leckeren Fisch zu essen gibt, erfahrt ihr hier.
Nun der ganze SWP-Artikel:
Web / Einer der bekanntesten Blogger Deutschlands wohnt in Ulm
Titel: Die Nacht gehört dem Internet
Ursprünglich als Infoseite für die Familie gedacht – “2007 gibt es eine Medienrevolution”
Wenn Deutschland schläft, ist Andreas Hallerbach im Internet unterwegs. Beinahe jede Nacht klickt sich der Ulmer als Donvanone durch das weltweite Netz. Er liest und schaut, schreibt und veröffentlicht Texte und Fotos. Andreas ist einer der bekanntesten Blogger Deutschlands.
NIKO DIRNER
Es riecht nach Meerschweinchen. Der Käfig steht neben der roten Couch, auf die sich Andreas Hallerbach plumpsen lässt. ,,Was zu trinken?” Zwei Gläser stehen auf dem Sofatisch. Eine Sprudelflasche. An der Wand ein mit Gesellschaftsspielen überfülltes Regal. Am Fenster der Computer. Andreas lächelt, lehnt sich zurück. Nein, dieser Typ wirkt nicht wie der erwartete Freak, der seinen PC liebt, von Cola und Pizza lebt, mit Menschen aber kaum kann. Andreas hat offensichtlich ein Leben jenseits des Internet, obwohl er dort fast jede Nacht unterwegs ist. Der 26-Jährige ist einer der bekanntesten deutschen Blogger. Und er wohnt auf dem Eselsberg.
Ein Weblog, kurz Blog, ist ein Online-Tagebuch. Eine Webseite also, die mit Texten, Bildern, Videos befüllt wird. Andreas richtete sein Blog donvanone.de im Januar 2006 ein, um seiner Familie in Neuwied bei Koblenz mitzuteilen, wie es ihm geht – er ist seit 2001 des Studiums wegen in Ulm. “Telefonieren ist nicht meins, E-Mailen vergesse ich.” Er berichtete, wie er sein Zimmer renoviert (“60 Löcher in die Wand”), wie es auf der Spielemesse war, was er im Web entdeckt hat.
Gut, mag der eine oder andere sagen: Familie und Freunde interessiert das – aber doch sonst keinen! Offenbar schon, denn die Menschheit scheint die Lust am Austausch im Digitalen entdeckt zu haben. Allein in Deutschland gibt es rund eine halbe Million Weblogs – und der von Andreas ist einer der meistbeachteten. In den Blogcharts steht sein Mini-Magazin stets unter den ersten 20 Einträgen. Die Blogcharts sagen aus, wie viele andere Online-Tagebücher auf donvanone.de verweisen. Auch die Besucherzahlen seiner Seite können sich sehen lassen: Platz 94 nahm donvanone.de in einer Rangliste zuletzt ein, das bedeutet 722 Gäste pro Tag. Abertausende Blogs haben keinerlei Leser.
Andreas ist also ein bisschen berühmt – doch der angehende Medieninformatiker stapelt tief. “In den Charts stehe ich zu Unrecht oben.” Viele Links habe er wegen seines Stöckchen-Trackers erhalten, in dem der Weg eines elektronischen Fragebogens aufgezeichnet wird. Jeder Empfänger des “Stöckchens” füllte den Bogen auf seinem Blog aus und trug sich dann auf donvanone.de ein. So gab es dank der raschen Verbreitung bald hunderte Verweise darauf. “Steht man einmal oben, wird man wiederum öfter verlinkt.” Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung – andere Blogger haben es genauso gemacht.
Ulm ist öfters Thema
Natürlich tut Andreas auch viel, um seine Leser zu halten. Beinahe jede Nacht von 23 Uhr bis um 2 Uhr ist er im Internet unterwegs. Zunächst liest er mehrere dutzend Blogs und schreibt dort Kommentare. Dann postet er auf seiner Seite, verfasst also Texte, stellt Bilder oder Filmchen ein. Thematisch hat er sich keine Beschränkung auferlegt. Auch Ulm ist immer wieder Thema: Sei es ein Bericht vom Ulmer Zelt, eine Fahrt mit dem Bierbähnle oder ein Spaziergang durch das Fort Oberer Kuhberg. Seit sein Online-Tagebuch so viel beachtet ist, geht es aber nur noch selten um seine Verlobte oder um seine Kumpel.
Auch mit Satire ist Andreas vorsichtig geworden, seit er behauptet hatte, das Internet-Fernsehen ,,Ehrensenf” werde auf RTL laufen. Obwohl sein Beitrag als “schlechter Traum” betitelt war, stellte ein Redakteur des Kölner Stadt-Anzeigers Andreas in einem Artikel als Lügner hin. “Das hat mich geärgert.” Der Ulmer konterte, man dürfe “nicht alles glauben, was im Internet steht” und programmierte den Ironie-Detektor. Der bemerkt als nicht ernst markierte Sätze und hebt sie hervor.
Es steckt also Arbeit in seinem Tagebuch – aber es bereite ihm keinen Stress, betont Andreas. “Bloggen ist toll”, sagt er. “Blogger verstehen sich sofort untereinander. Ich habe dadurch viele Leute kennen gelernt.” Dennoch sei Bloggen nicht alles, betont er. “Es ersetzt nicht das wahre Leben.” Brettspiele sind seine zweite große Leidenschaft, er besitzt 150 verschiedene Varianten. Bei einem hat er die Grafik mitgestaltet. Fotografieren ist ein Hobby. Auch Fernsehen und Kino. Der Blog-Name donvanone.de kommt von einem Werbefilm für Dany Sahne-Yoghurt von Danone.
Vom Bloggen leben könne und wolle er nicht, sagt Andreas. Durch Werbung komme ein Dollar am Tag herein, das decke nur die Kosten. Arbeiten will er schon als Medien-Informatiker, seine Diplom-Arbeit bei Daimler-Chrysler dreht sich um “Stereosehen mit Infrarotkameras”.
Seine Freundin promoviert im selben Fach. Das Paar will in Ulm bleiben. “Uns gefällt es hier.” Ulm sei eine persönliche Großstadt, er habe nirgends sonst so viel gefeiert. Nur wenn Fasnet ist, zieht es den Web-Junkie ins heimische Rheinland. “Wir haben den echten Karneval!”
Was müsste passieren, dass er mit dem Bloggen aufhört? “Wenn ich abgemahnt werde, würde ich wohl überlegen, ob ich es lasse.” Urheber- und Markenrechte seien schnell verletzt, warnt der Experte. Im diesem Jahr wird er seine Seite jedoch auf keinen Fall stilllegen – Großes steht bevor. Andreas kündigt eine “Medienrevolution in Deutschland” an. Vorbereitet wurde diese noch im alten Jahr auf einem Treffen mit anderen deutschen Blog-Größen in Berlin. Eingeladen hatte die Universum-Film AG (Ufa). Die Details seien noch geheim.
Im Meerschweinchen-Käfig raschelt es: ,,Rasputine und Stradivari”, stellt Andreas vor. Mehr sagt er nicht – muss er auch nicht: Steht ja alles in seinem Weblog.
Sonderkasten:
Profi-Tipps für angehende Blogger
Andreas Hallerbach, Betreiber des Top-Blogs donvanone.de, gibt angehenden Bloggern einige Tipps:
Der erste Baustein zum erfolgreichen Blog sind interessante Texte und/oder Bilder. Um bekannt zu werden, müssen andere Blogs auf den eigenen verlinken. Das klappt, indem man Beiträge in fremden Blogs kommentiert. “Dann geht es darum, seinen eigenen Stil zu finden und Leute, die ihn mögen.”
Nicht ins Blog gehört, was man seinem Chef nicht erzählen würde. Also beispielsweise Bilder, worauf man besoffen zu sehen ist. Auch sollte man darauf achten, keine Marken- oder Urheberrechte zu verletzen. Derzeit werden viele Blogger verklagt, sagt Andreas.
Zum Einlesen seine Lieblingsblogs: www.basicthinking.de, blog.beetlebum.de, www.fuenf-filmfreunde.de, de.gizmodo.com.
Frau Bü:

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