Blogcharts doof?

30. April 2007 um 15:25 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

Die  deutschen Blogcharts ja nicht mehr wegzudenken und eines der wichtigsten Rakings der deutschen Blogosphere, aber sind die wirklich so toll? Hab mich letztens mit Schnitzel im ICQ drüber unterhalten und der hat dann daraufhin  diesen Artikel verfasst. Hauptkritikpunkt ist der sehr lange Erfasungszeitraum der Blogcharts, wodurch ein Blog durch einmalige Hypes für ein gutes halbes Jahr an einer Spitzenposition steht.
Als Beispiel kann man hier zum Beispiel DonsTag nennen. Ich hatte erst nach meiner Stöckchentracker-Aktion erfahren, dass es sowas wie die Blogcharts überhaupt gibt und schon war ich (eben nur aufgrund dieses Trackers) ganz oben mit dabei. Später kam dann auch noch dieser Alphablogger-Test dazu (ok, da hatte ich es natürlich drauf angelegt) und schon war DonsTag auf  Platz 15 der Charts. Im Laufe der Zeit kam es dann zu immer mehr Besuchern (das ist echt krass, wie stetig das bergauf geht) und immer mehr “normalen” Backlinks. Und gang im Gegensatz zu dieser positiven Entwicklung gings dann in den Blogcharts rapide bergab, da die beiden “Link-Sammel-Aktionen” eben ein halbes Jahr vorbei waren.
Ich bin nicht sicher, ob das wirklich Sinn der Charts sind. Warum werden so alte Sachen noch so lange angerechnet, gerade in der schnelllebigen Blogosphere? Ok, für mich war das jetzt positiv, allerdings bin ich mit der jetzigen Platzierung zufriedener, da ich die als die “echte” Platzierung ansehe, das andere war nicht wirklich gerechtfertigt.

Wie könnte man das nun besser machen?
 lim_dul hat bei Schnitzel eine Idee  in den Kommentaren genannt, die ich ähnlich auch schon hatte:

 

Interessant wäre es, ältere Links weniger zu werten:

Link max. einen Monat alt: 6 Punkte
Link max. zwei Monate alt: 5 Punkte
Link max. sechs Monate alt: 1 Punkt

Dann würden Hypes zwar höher einsteigen, aber auch schneller fallen.

Hinzu könnte ich mir noch vorstellen, dass man mit einbezieht, wie viele Beiträge von einem Blog denn verlinkt werden. Denn wenn auf einmal alle Leute meinen Stöckchentracker verlinken, dann kann dieser Beitrag gerne in irgendwelchen “Top-Beiträge-Charts” auftauchen, aber dann gleich mein ganzes Blog als super einzustufen ist meiner Meinung ach auch ein Fehlschluss. Meiner Meinung nach muss da ein Blog höher bewerten, das deutlich weniger Backlinks hat, dafür aber regelmäßig die Beiträge verlinkt werden.
Versteht ihr, was ich meine? Ein Blog zeichnet sich dann aus, wenn es ständig verlinkungswerte Beiträge schreibt.
Weitere Beispiele (die auch Schnitzel genannt hat) für eine meiner Meinung nach eher suboptimale Berechnung der Charts: Schlämmer, Knut und das re:publica07-Blog sind alle nur über einen kurzen Zeitraum verlinkt worden. Trotzdem werden sie ein halbes Jahr in den Charts gute Plätze belegen, obwohl evtl. gar nichts mehr auf dem Blog passiert.

Kein Zweifel: Jens macht ne super (sicher sehr arbeitsintensive) Sache mit den Blogcharts, für die man sich nur bedanken kann. Aber evtl. könnte man das ja noch besser machen. Was meint ihr?

 
Joern:

Ja was denn nu, macht “jens ne super Sache” oder sind die Blogcharts doof?
Wenn man den ganzne Beitrag so liest hättest Du Dir den letzten Absatz auch schenken können…
Finde ich aber gut, dass Du den Blogcharts kritsch gegenüber stehst, obwohl sie Dir ja eigentlich geholfen haben.
Am meisten stört mich das auch von Dir angesprochene “gehype”. Da schnellen Blogs wie Schlämmer und Konsorten in die Charts und bleiben da wohl mindestens ein halbes Jahr, obwohl sich nichts merh tut. Da müsste man wirklich was machen, nur was…
(Viel) mehr gewicht für Blogs mit vielen verlinkten Beiträgen wäre sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.

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donvanone:

Nein, den letzten Abschnitt hätte ich mir nicht sparen können. Denn ich finde es schon wichtig, dass es so Charts überhaupt gibt (ob fürs Ego, für die Außenwelt als Anhaltspunkt oder sonstwas), nur in der jetzigen Form finde ich sie halt nur suboptimal. Nicht “doof”, das kommt ja nur in der etwas provokanten Frage in der Überschrift vor.

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hollemann:

Die Kritikpunkte zielen ja im Prinzip alle auf Technorati und nur insoweit auf Jens, daß er Technorati als Grundlage für die DBC verwendet. Ich schätze mal, so hast Du es auch gemeint, Don? Die einzige sinnvolle Alternative wäre ein neuer Dienst.
An den könnte man dann eine ganze Menge berechtigter Ansprüche stellen, die aber unter Umständen schwer umzusetzen sind. Ein Punkt wäre der von Don genannte, ein anderer wäre die Qualität des Backlinks (das zielt in Richtung Page Rank o.ä.)

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donvanone:

@hollemann: Nicht wirklich, oder? Denn den Zeitraum von 6 Monaten legt doch Jens fest, oder nicht? Den zu verkürzen wär ja z.B. auch ein Ansatz. Und ich weiß nicht, was die Technorati-API alles so hergibt, evtl. sind obige Ideen ja auch möglich. Keine Ahnung…

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hollemann:

Nein, die sechs Monate sind Standard bei Technorati, den man meines Wissens auch nicht ändern kann. Jens pflegt im Grunde genommen “nur” seine Liste mit Blogs, die mehr als 50 Links haben. Von den Links – und das scheint mir die Hauptarbeit zu sein – kontrolliert er jeden einzelnen, weil Technorati manchmal Fehler macht, z.B. jeden Beitrag eines Blogs als eigenes Blog zu werten. Außerdem, und das finde ich persönlich etwas fragwürdig, sortiert er bestimmte Links aus, weil die seiner Meinung nach “nicht echt” sind.

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Thomas:

Ich denke mal wenn man auf Datenbasis der Google Blogsearch, oder auch eines eigenen Crawlers, gewichtet wird kaum ein großer Unterschied vorhanden sein. Kürzere Wirkung der Hypes das ist klar, aber nachdem man jetzt schon 40 Links mehr braucht als zum Jahresanfang um überhaupt in die Charts zu kommen wird sich das Hype-Thema bald erledigt haben weil es einen Überhype bräuchte. Ich sag mal dass es am Jahresende schon 300 Link sein müssen um überhaupt in die Top100 zu kommen.

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hollemann:

Trotzdem sieht man ja z.B. am Ranking auf Blogscout, daß man mit anderen Methoden deutlich andere Ergebnisse erhält. Und abgesehen davon bleibt das Problem, daß ein Ranking auf 180-Tage-Basis nicht eben aktuell ist.

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Jens:

Auch an dieser Stelle (wie drüben beim Schnitzel-Kollegen) ein paar Anmerkungen:

Die Blogcharts sind bereits jetzt ein Projekt, das extrem viel Zeit verschlingt. Es ist nämlich nicht einfach so, dass ich von Technorati automatisch eine Liste von deutschen Blogs bekomme und deren Linkcounts abschreibe. Welche Blogs überhaupt für die Charts in Frage kommen, muss ich selbst durch tagtägliche Suchen und Recherchen zusammensammeln. Zudem sortiere ich Fehler und Probleme der Technorati-Datenbank heraus und bereinige die Zahlen.

Und schon sind wir beim Kollegen Hollemann: Die einzigen “falschen” Links, die ich aussortiere, sind diejenigen, die es gar nicht geben dürfte, weil sie fehlerhaft in der Technorati-Datenbank gelandet sind – und diejenigen, die nicht bewusst gesetzt wurden. Würde ich das nicht tun, hätten wir auf den Plätzen 1 bis 7 Blogs, die kaum jemand kennt, die aber über 4.000 Verlinkungen haben, weil sie immer dann einen Link bekommen, wenn jemand die deutsche WordPress-Version installiert. Das Erstellen solcher Listen ohne jegliche Aussagekraft überlasse ich lieber PR-Agenturen.

Und an donvanone: Ja, das ist tatsächlich so, dass die 180-Tage-Regel von Technorati stammt. Und meiner Meinung nach ist sie auch gut: Denn sie ist ein Kompromiss zwischen Beständigkeit der Charts und Aktualität.

Würde die Zeit, in der Links zählen, verkürzt, hättet ihr zwar Recht damit, dass die Blogs, die durch einen kurzen Hype nach oben gespült wurden, schneller wieder verschwinden, aber dafür hättet ihr wahrscheinlich in jeder Woche solche Blogs auf den Plätzen 1 bis 3.

Links mit irgendwelchen Punktesystemen zu gewichten, mag ich auch nicht. Egal ob alt oder neu, von großen oder kleinen Blogs kommend, in den deutschen blogcharts ist jeder Link gleich. Und das find ich sehr demokratisch und sympathisch.

Und außerdem: Wie viele solcher Hype-Blogs gibt es denn in der Top 100. 5? 10? So fucking what?

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donvanone:

Vielen Dank für dein Statement, Jens.
Ich glaube dir gerne, dass die Blogcharts eine Menge Arbeit sind und will das auch gar nicht abstreiten. Und ich bin dir auch sehr dankbar, dass du diese Arbeit auf dich nimmst.
Das mit dem “Kompromiss” sehe ich aber nicht so, denn es ist ja schon so, dass ich durch meine einmalige Aktion auf lange Zeit auf einer Top-Position stand, die die Realität irgendwie nicht wiedergab.
Eine Gewichtung nach Herkunft des Linkes finde ich auch nicht wirklich sinnvoll, eine des Alters allerdings immer noch. Aber wenn du bei Schnitzel schreibst, dass das den Arbeitsaufwand ins unmachbare treiben würde, dann glaube ich das gerne (schließlich kennst du dich da ja weit besser aus) und gebe mich halt mit der aktuellen Version zufrieden.
Aber vielleicht muss man solche Charts ja auch nicht im Alleingang auf die Beine stellen, dann würde sich die Arbeit schön verteilen, Denn ich hab die Befürchtung, dass wir erst am Anfang der Hype-Blogs stehen und die Zahl solcher Blogs in den Charts in Zukunft zunehmen wird.

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hollemann:

@Jens: Das mit den Fehlern in der Datenbank hatte ich ja auch so gesagt. Leider ist das DBC-Blog gerade nicht erreichbar, so daß ich nicht nachschauen kann, aber was ist z.B. mit einem Blog wie dem SW-Guide, der laut Technorati weit über 2000 Links hat?
Daß die Erstellung der Charts ungemein viel Arbeit ist, ist unbestritten.
Was eine Gewichtung der Links angeht, bleibe auch ich bei meiner Meinung, daß das sinnvoll wäre. Wenn man Technorati als Quelle nimmt, ist das aber wohl kaum machbar.

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Maddin:

Ich finde die blogcharts schon allein deswegen doof, weil ich wohl niemals mit meinem blog dort stehen werde…. So ist das Leben!

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