Atlas zur deutschen Alltagssprache

02. April 2010 um 21:43 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

Bei Inishmore hab ich diese höchst interessante Seite gefunden (Achtung: Sehr viel Zeit einplanen!), auf der graphisch die Verwendung von Worten in Deutschland, Österreich und der Schweiz festgehalten ist.
Kleines Beispiel: Wie nennt man “ein rundliches Fettgebäck, das mit feinem Zucker bestäubt oder einer Glasur überzogen ist und mit Marmelade gefüllt ist”?

Für mich ganz klar: “Berliner”. Aber das sehen nicht alle so:

berliner_thumb

(hier mehr Infos)

Das hat sich zum Glück auch hier in Ulm nicht geändert (gerade noch so an der Grenze).

Aber der Umzug vom Rheinland ins Schwabenland hat mich bei anderen Begriffen doch ganz schön betroffen. So war ich z.B. ganz schön verwundert, als ich erfuhr, dass ich im Rahmen der Kehrwoche (Kehrwoche?) auch die “Bühne” sauber halten müsste. Eine Bühne? Haben wir ein Theater im Haus? Nein, gemeint war der “Speicher”, den meisten von euch wohl als “Dachboden” bekannt:

speicher_thumb

(hier mehr Infos)

Auch interessant ist der Name “für einen Ort, der im spöttischen Sprachgebrauch für ‚Unbedeutendes‘, ‚Provinzialität‘ und ähnliches steht (Der kommt doch aus …!)”

Meine Antwort ist ganz klar: “Kaff”. Die Karte zeigt für meinen Heimatort aber merkwürdigerweise keinen roten Punkt:

kaff_thumb

(hier mehr Infos)

Und so könnte ich immer weiter machen, auf der Seite lungern so viele interessante Wörter rum, das müsst ihr einfach selber mal durchstöbern (neben dem Pilotprojekt gibt es auch noch zu sechs weiteren Runden die Ergebnisse, für die siebte Runde kann man hier selber mithelfen und die Fragen beantworten, da fehlt bei einer Auswahl übrigens das Wort “Krebbelsche”. Und bei Frage 2 sprechen Frau Dr. Bü und ich verschiedene Sprachen, Frage 3b führte mit den bayerischen Roke schon zu lebhaften Diskussionen. Ganz schlimm auch: “Viertel elf” für “Viertel nach 10″).
Aber nochmal die Warnung: Da vergeht mal ganz schnell ganz viel Zeit…

 
Schnitzel:

Danke für den Tipp. :) Für sowas könnte ich tatsächlich mehrere Stunden investieren.

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Alph:

Schlimm finde ich ja den Begriff für “ein rundliches Fettgebäck, das mit feinem Zucker bestäubt oder einer Glasur überzogen und mit Marmelade gefüllt ist”. Krapfen für mich, schon immer. Dann zieht man in den Osten um, schon heißts Pfannkuchen. Was aber für mich ‘ ein flacher, oft aufgerollt und mit Marmelade gefüllt servierter ausgebackener Teig’ ist. Der aber heißt dort Eierkuchen. Was aber für mich ‘ein luftiger, oft mit Zimt und Zucker bestreuter Kuchen’ ist. Ich bin verwirrt.

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Tweets die DonsTag » Atlas zur deutschen Alltagssprache erwähnt -- Topsy.com:

[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von juliaL49, donvanone erwähnt. donvanone sagte: Schöne deutsche Sprache: http://bit.ly/cBx4qE [...]

 
 
Henning:

Das ist ja genial! Die Seite ist ja wie für mich gemacht.

Gerade als gebürtiger Ruhrpottler, der in einem hochdeutschen Niedersachsen-Kaff aufgewachsen und über seine badische Ex-Freundin vor 8,5 Jahren im Schwabenland gelandet ist, wundert man sich doch oft über Bühnen, den Drang der Schwaben alles mögliche zu heben und Fleischkäse, der in Kombination mit einem Brötchen (sic!) dann doch LKW (Leberkäsweckle) heißt.

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Fluffi:

Wundert mich ja, dass es für dich dein Berliner ist und für mich ein Krapfen, wo wir doch ursprünglich relativ nah beieinander aufgewachsen sind. Die “Kaff”-Verteilung kann ich auch nicht ganz nachvollziehen.

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[...] April des letzten Jahres hatte ich euch hier den “Atlas zur deutschen Alltagssprache” vorgestellt. Damals hatte ich auf den offenen Fragebogen aufmerksam gemacht, den ich selber natürlich [...]