Atlas zur deutschen Alltagssprache – Neue Runde

10. Januar 2011 um 14:02 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

Im April des letzten Jahres hatte ich euch hier den “Atlas zur deutschen Alltagssprache” vorgestellt.
Damals hatte ich auf den offenen Fragebogen aufmerksam gemacht, den ich selber natürlich (für Neuwied (RP), nicht Ulm (BW)) ausgefüllt habe.
Und heute kam dann eine Mail, dass die Ergebnisse (in der linken Sidebar sind die einzelnen Punkte “versteckt”) nun online wären.

Hier mal ein paar Punkte, die ich für besonders erwähnenswert halte (sind die, die ich auch schon im April angedeute habe).

Da wäre zum Beispiel der Punkt mit der Uhrzeit, den ich seit meinem Umzug ins Schwabenländle immer noch nicht verinnerlicht habe.
Ich meine: Was ist an “viertel vor 11″ oder “viertel nach 10″ so schwer? Warum muss man es unnötig verkomplizieren und für “viertel nach 10″ einfach “viertel 11″ sagen? Das macht doch (fast) gar keinen Sinn. Mathematisch natürlich schon, aber “10:15″ ist doch viel näher an 10 als an 11 Uhr. Warum also unnötig mit der 11 im Text verwirren und den unbedarften Rheinländer auf eine falsche Fährte locken?
Und “Dreiviertel 11″ für 10:45… ernsthaft? Sagt ihr auch “fünfsechstel 11″ für “10 vor 11″? Oder ist das dann “5 nach dreiviertel 11″?

10_15

Lustiger wird es mit Verabredungen, wenn man sich nicht nur bei der Uhrzeit nicht versteht, sondern auch bei dem genauen Termin. Und da scheint Deutschland echt ein Problem zu haben. Angenommen es ist Montag und jemand will sich “nächsten Mittwoch” mit dir treffen. Wann ist das dann? In 2 Tagen oder in 9 Tagen?
Für mich ganz klar in 9 Tagen, denn in zwei Tagen ist ja “diesen Mittwoch”. Da ich das Problem aber kenne, sag ich immer “nächsten Mittwoch, also nicht diesen, sondern nächste Woche”, in der Hoffnung, dass ich damit einen rosa in einen blauen Pöppel bekehren konnte;

nachsten_mittwoch
(mehr Infos hier)

Eine Sache, sie ich bisher nur bei Roke gehört habe und darum nur den Bayern (statt auch den Schwaben, oh nein, was hab ich Sohnvanone nur sprachlich angetan???) zugeschrieben hatte, ist der “Fuß”. Von wo bis wo geht der Fuß? Für mich war das bis zu Roke immer eine ganz klare Angelegenheit, bei der ich keine zweite Meinung erwartet hätte. Aber da hat man die Rechnung ohne Süddeutschland gemacht…

fuss
(mehr Infos hier)

Aber man braucht ja gar nicht so weit zu gehen, um nicht verstanden zu werden. Als Frau Bü (Pfalz) mich (Rheinland) das erste Mal fragte, ob ich Lust auf “Kaffeestückchen” hätte, wusste ich damit nichts anzufangen. Gefrorener Kaffee in Stückchen zerschlagen? Kaffeebohnen? Diese braunen Krümelchen, die in löslichem Kaffee manchmal rumschwimmen?
Nein, alles nicht. Sie meinte “Teilchen”. Und das, obwohl das bei ihr laut Karte auch genau so heißt. Nur die Saarländer reden danach von “Kaffeestückchen”.
Nur warum kennt man das in Ostdeutschland nicht?

teilchen
(mehr Infos hier)

An dieser Stelle verweise ich dann gleich mal auf den neuen Fragebogen zur Runde 8, den wieder jeder ausfüllen darf. Und dann bin ich mal gespannt, wo zu “10 Cent” “Groschen” gesagt wird. Da würd ich mir dann glatt überlegen hinzuziehen, da das doch immer so ein schönes Wort war und bei mir und allen um mich rum mit dem Euro komplett verschwunden ist.

 
Inishmore:

Wow, dank des Kaffeestückchens fühle ich mich jetzt richtig unikatös.

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Babba:

Also, was die Uhrzeit angeht, so passen wir uns in der Pfalz und in Rheinhessen dem Fragenden selbstverständlich an. Wählen aber vorzüglich die kürzeste Version. Dies ist von Vorteil, wenn jemand in Eile danach fragt. In den grün und gelb markierten Regionen würden wir nicht nach der Uhrzeit fragen, da die Antwort dort eh niemand verstände.
Was den nächsten + Wochentag angeht, so ist mir nie ganz klar, welcher Tag gemeint ist. Das rührt wahrschein daher, dass rot und blau sich in meinem derzeitigen Wohn- und Herkunftsbereich mischt. Ich frag dann nach, ob denn nun der kommende oder der darauf folgende Wochentag gemeint ist.
Beim Fuß ist meiner Meinung nach alles andere als blau markiert ein Witz.
Was ich nicht verstehe, dass in Rheinhessen und der Pfalz so wenig für Kaffestückchen markiert ist? Vielleicht deswegen, weil es hier auch oft Kaffeestickcher oder Kaffestickelcher heißt.

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Madonha:

Was Plunder (teig) ist, kann man bei Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Plunderteig nachlesen.
Dieses so hergestellte Gebäck wird bei uns dann eben konsequent Plunderteilchen genannt.

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