Pandemic Legacy – Season 1 (spoilerfrei) – Kennerspiel des Jahres (wenn nicht des Jahrzehnts…)

14. Juli 2016 um 08:53 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

So, ich hoffe mit dieser bauerfängerischen Überschrift habe ich euch nun alle eingefangen, denn heute kommt die beste Spieleempfehlung, die es je auf DonsTag gab: Pandemic Legacy. Und ACHTUNG, mindestens genauso wichtig: Auch wer bisher mit Brettspielen nichts anfangen konnte, sollte weiterlesen, denn Pandemic Legacy ist nicht wie die bisherigen Spiele, sondern anders. Was man allein schon an “Season 1″ und “spoilerfrei” erahnen kann. Alle Serienjunkies unter meinen Lesern: Weiterlesen!
Und alle, die das Spiel schon kennen: Bitte zumindest den letzten großen Absatz lesen, da gibts nen Link zu nem Beitrag mit Spoilern.

So, nachdem ihr das nun hoffentlich verstanden habt, kann ich mich wieder ein wenig beruhigen und erstmal gemütlich mit einem Bild anfangen:

pandemic_legacy

Aber worum geht es? Wie in dem Ursprungsspiel “Pandemie” (das ich euch hier schon einmal empfohlen hatte, heute sage ich aber: “Vergesst es, kauft auf jeden Fall Pandemic Legacy”), muss die Welt vor vier Viren gerettet werden, bevor sich diese immer weiter ausbreiten und die Menschheit auslöschen.

Den großen Unterschied zwischen Pandemic (das “Legacy” lasse ich ab jetzt auch mal weg) und “Pandemie” erkläre ich euch mal anhand von Fernsehserien (ich kenn doch meine Leser):

Das “normale” Pandemie-Spiel ist, wie alle gängigen Spiele ein reines Procedural, also wie “Law & Order”: Eine Folge hat einen abgeschlossen Handlungsbogen, ist spannend und unterhält. Aber egal was passiert, beider nächsten Folge ist alles wieder im Normalzustand (selbst wenn die Welt untergegangen ist, weil man gegen das Virus verloren hat). Man kann beliebig viele Folgen auslassen und merkt davon nichts.
Aber wie jeder weiß: Das sind nicht die tollen Serien (sorry an alle “Law & Order”, ich hab doch keine Ahnung, hab das nie gesehen). Viel besser ist “Breaking Bad” oder sowas, wo jede Folge aufeinander aufbaut, eine große Geschichte erzählt wird, jede Folge Auswirkungen auf die nächste hat und man es kaum erwarten kann, bis die nächste Folge kommt.

Und genau das ist “Pandemic Legacy” (bei “Fargo” sind wir noch nicht angekommen, man merkt also schon noch, dass es sich um einzelne Folgen mit eigenem Spannungsbogen handelt, es geht aber schon über “Axte X” hinaus, wo der übergreifende Handlungsbogen (zumindest am Anfang) nur eine kleinere Rolle spielte).
Hier spielt man das Spiel nicht nur einmal, packt es dann weg und spielt es irgendwann nochmal, mit der selben Ausgangsbasis. Nein, hier spielt man sich durch einen großen Handlungsbogen durch. Man spielt mindestens 12 Partien (die Monate Januar bis Dezember), wobei die erste Partie wie eine ganz normale Pandemie-Runde anfängt. Aber schon im Laufe des ersten Monats passieren Sachen, die den Spielablauf komplett abändern. Und so geht es über die Monate immer weiter. Durch den staffelübergreifenden Handlungsbogen wird das Spiel nach und nach immer komplexer und immer wieder anders. Aber es bleibt nicht bei immer neuen Elementen, sondern es ist auch noch so, dass sich alles, was man tut, auch auf nachfolgende Partien auswirkt. Kommt es in einer Stadt zu einem Ausbruch, steigt dort die Panikstufe, was durch einen Aufkleber auf dem Brett markiert wird. Und dieser bleibt dort für immer kleben (wird aber vermutlich irgendwann durch eine noch höhere Panikstufe überklebt, was (kein Spoiler) nicht wirklich gut ist…). Die Charaktere, die man spielt, können bestimmt Fähigkeiten erwerben, die dauerhaft bleiben, oder eben so lange, bis der Charakter zu viele Narben gesammelt hat und damit für immer aus dem Spiel ist.

In dem Fall wird die Charakter-Karte übrigens zerrissen. Ja, man zerreißt öfter mal Karten. Oder rubbelt irgendwas frei, klebt überall Aufkleber drauf, öffnet Boxen mit neuem Material, Klappen mit neuen Aufklebern und so weiter.

Das bedeutet dann auch: Hat man das Spiel einmal durchgespielt, kann man es danach wegwerfen, oder sich als Erinnerung an die Wand hängen.

Ich tendiere eher zu Zweiterem, denn eines kann ich euch garantieren: Pandemic Legacy ist sicher ein Spiel, an das man sich erinnern wird. Wie bei Serien, wo man mit anderen Fand darüber redet, wie man zum ersten Mal die “Red Wedding” verarbeitet hat, tauscht man sich hier mit anderen Pandemic-Spielern aus, wie man z.B. den September erlebt hat. Oder dieser eine Moment, wo auf einmal alles von einer einzigen Karte abhing…
Hier geht es wirklich um das “Erlebnis” und das funktioniert einwandfrei. Auch das “Binge-Watching” von Serien kann man übertragen. “Binge Gaming”. Wenn man unbedingt die nächste Partie spielen muss, weil man wissen will. wie sich das ganze weiter entwickelt.

Und eben darum ist das hier dann auch das erste Spiel, wo man im Netz sowas wie “Spoiler-Tags” findet. Denn dieses Erlebnis will man sich ja nicht kaputt machen lassen. Und eben darum kann ich euch auch nicht so viel über das Spiel an sich erzählen.
Ich musste ja schon beim Foto oben tierisch aufpassen, dass da nix zu sehen ist, was man nicht schon aus den Basisregeln kennt (ist natürlich schief gegangen, gerade rechtzeitig hab ich noch was entdeckt und rausretuschiert…).
Daher kriegt ihr von mir hier nur ein wenig ungefilterte Lobhudelei, um euch hoffentlich irgendwie davon zu überzeugen, euch das Spiel zu kaufen, im Idealfall drei Mitspieler zu finden (zu zweit geht es wohl auch) und euch dann die nächsten Wochen im Terminkalender zu blocken, um das Spiel durchzuspielen.

Wie schon erwähnt, gibt es mindestens 12 Partien. Schafft man mal einen Monat nicht, spielt man diesen ein zweites Mal, danach kommt auf jeden Fall der nächste Monat dran. Macht also im Maximum 24 Partien. Wir haben 16 gebraucht, was glaub gar nicht so schlecht ist.

In der Spieleszene gab es merkwürdigerweise Kritiken, dass man das ja “nur” 12-24 Mal spielen könne und dann quasi Müll wäre. Das kann ich allerdings gar nicht nachvollziehen, denn zum Einen geht es hier eben um das Erlebnis (und teilt man den Anschaffungspreis mal durch die Anzahl der Spieler und die Anzahl der Stunden (eine Partie hat bei uns so 1-3 Stunden gedauert), so ist das im Vergleich zum KIno eine sehr günstige Unterhaltung). Und zum anderen: Wie oft spielt man denn die anderen Spiele, die man so hat?
Da ich seit Dezember 2004 über unsere Spieleabende akribisch Buch führen, kann ich diese Frage ziemlich gut beantworten: Von über 250 Spielen haben wir in diesen 11,5 Jahren nur 4 Spiele öfter gespielt, als wir Pandemic Legacy innerhalb von einem halben Jahr (so lange haben wir gebraucht, die Terminfindung war nicht immer einfach) gespielt haben. Wen es interessiert: Es handelt sich um “Geschenkt” (absolute Empfehlung, das beste “Absackerspiel”. Sollte jeder besitzen), “Das Spiel” (mehr ein Lückenfüller bei uns, darum der hohe Wert, würde ich nur bedingt empfehlen), “Gambit 7″ (sehr kurzweiliges Wissens Schätz-Spiel, auch sehr zu empfehlen) und “Codenames” (das wird am Montag ziemlich sicher zum Spiel des Jahres gekürt, dazu hatte ich hier schon kurz was geschrieben und empfehle das vielleicht auch nochmal ausführlicher).
Bei normalen Leuten, die nur 4-5 Spiele besitzen, mag das natürlich anders aussehen.
Ich würde es aber trotzdem genau andersrum formulieren: Dadurch, dass man 12-24 Partien spielen muss (und auch unbedingt will), spielt man es vermutlich öfter, als die meisten anderen Spiele, die man so hat, wodurch der Preis absolut gerechtfertigt ist.

Und damit es auch der letzte verstanden habt: Kauft jetzt dieses Spielt, spielt es und dankt mir!

Und während ihr es spielt, besucht ihr am Besten immer mal wieder diese fantastische FAQ (mit Spoilertags), um Fragen, die während des Spielverlaufs aufkommen schnell und einfach zu klären. Haben wir öfter mal gebraucht.

Noch kurz zur Überschrift:
“Season 1″ steht so tatsächlich auf der Packung, was den höchst erfreulichen Subtext beinhaltet, dass es eine zweite Staffel geben wird, die ich natürlich kaum erwarten kann. Leider wird das aber noch ein wenig dauern, irgendwann hatte ich mal was von “frühestens 2017″ gelesen, bin gerade aber zu faul zum Suchen.
Und nein, die Auszeichnung “Kennerspiel des Jahres” hat Pandemic (noch) nicht bekommen. Die Vergabe findet nämlich erst jetzt am Montag (18.7.) statt. Pandemic ist einer der drei Nominierten und ich bin mir ziemlich sicher, dass Pandemic dann als Sieger aus dem Rennen gehen wird. Auch ohne die anderen Spiele gespielt zu haben (T.I.M.E Stories steht aber schon im Regal, auch hier haben wir das “kann man nur einmal spielen” und “man muss mit der Gruppe ein paar Termine ausmachen”-Phänomen. Soll auch sehr gut sein, ich bin schon sehr gespannt, bitte keine Spoiler. Eigener Beitrag könnte dann ggf. auch noch kommen).

Und für alle, die Pandemic schon gespielt haben, oder für euch andere, wenn ihr es dann in ein paar Wochen auch geschafft hab, hab ich hier noch einen “versteckten” Beitrag, der nicht-spoilerfreie Kritik enthält und wo ich ein wenig von unserem Spiel erzähle. Denn das erlebe ich hier eben auch zum Ersten Mal: Dass man sich dafür interessiert, wie andere Spiele das Spiel gespielt haben (ich hab auf YouTube auch teilweise Aufzeichnungen von anderen Partien angeschaut. Also zumindest die Stellen, wo es “interessant” wurde und ich die Reaktionen der Spieler sehen wollte…) und sich austauschen möchte. Unter dem Beitrag kann man dann auch voller Spoiler kommentieren, Hier bitte spoilerfrei bleiben, sonst muss ich zensieren.

Ach: Kaufen! (Ja, Partnerlink (wie alle im Artikel), aber darum gehts mir nicht. Ich will euch was Gutes. Echt!)
(und ach: Ob “blau” oder “rot” ist egal, der einzige Unterschied ist die Schachtel).
Update: Die 90€, die Amazon gerade will sind natürlich Humbug. Ich lass die Links mal drin, denke der Preis wird wieder nach unten gehen, wenn die nächste Palette da ankommt (mit grauem Pöppel drauf), sonst einfach meinen zweiten Kommentar angucken. Für 50€ sollte es auf jeden Fall zu haben sein, offenbar sind sogar 40 möglich.