D´r Schaid in Seeg

13. September 2015 um 23:10 von donvanone | Kommentar abgeben | Trackback

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Als wir damals nach Bayern auswanderten (der beste Witz an diesem Auswander-Beitrag ist übrigens, dass mich kurz danach jemand von VOX anrief, um zu fragen, ob sie unsere Auswanderung nicht von “Vox – Die Auswanderer” dokumentieren lassen wollten. Als ich ihr aber dann den Witz des Artikels erklärte (und die Tatsache, dass wir schon ausgewandert waren), war das Interesse dann aber wieder verschwunden), also als wir auswanderten, war uns ja klar, dass das ein kultureller Schock werden würde und hier alles anders wäre.
Aber dem wollten wir mit offenen Armen entgegen gehen und uns (in gesundem Maße. CDU wählen braucht man darum ja nun nicht gleich) auf die Sitten und Bräuche einlassen.

Einer dieser Bräuche ist “d’r Schaid”, bzw. “der Viehscheid”, bzw. um es für jeden verständlich zu machen: “Der Almabtrieb”. Den wollte ich eigentlich schon lange mal gesehen haben, aber da die Alm dann doch noch ein Stückerl weiter weg ist, hab ich davon immer erst mitbekommen, wenn es schon wieder vorbei war.
Dieses Jahr aber nicht. Da wurde es glücklicherweise kurz vorher im Radio erwähnt und da das Wetter ja auch optimal werden sollte (und es dann auch wurde), war klar: Dieses Jahr geht es also zum Schaid.

Stellte sich dann nur noch die Frage: Wo genau soll es denn hingehen? Denn an dem Tag gab es dann gleich 6 Almabtriebe. Da ich nicht sicher war, wie die Kinder die nahen und durch die Glocken sehr lauten Kühe wegstecken würden, entschied ich mir für einen relativ kleinen Schaid, auch in der Hoffnung, dass man da dann noch nen guten Platz bekommt und es noch nen urigen Touch hat (zeitgleich war auch ein Abtrieb in Hohenschwangau, wo ich dann durch das Schloss Neuschwanstein eher ein überfülltes Touri-Event erwarten würde). Letztes Kriterium war dann noch die Uhrzeit. Denn um 9 Uhr muss ich an einem Samstag dann doch noch nicht auf der Alm sein…

Und so ging es dann nach Seeg, wo es nur 80 Kühe gab, die gegen 13 Uhr im Ort eintreffen sollten. Optimaler Einsteiger-Schaid quasi.

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Bis zum Eintreffen picknickten wir noch auf einer Wiese, von wo wir dann beim ersten Kuhglockenläuten an die Straße eilten (wo dann immer noch mehr als genug Platz war. Der Plan war also voll und ganz aufgegangen).
Und schwups, war es auch ganz schnell wieder vorbei, denn die 80 Kühe waren dann auch in windeseile durch die Straße gejagt (das hatte ich mir aufgrund von YouTube-Recherchevideos doch ein wenig länger vorgestellt (das nächste Mal geht es dann nach Bad Hinde, da gibt es wohl ca. 1000 Kühe und es sollte ne Weile länger dauern…)).
Hat gerade noch gereicht um ein paar Fotos zu machen, da war es schon wieder vorbei:

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Sohnvanone hat auch noch zwei Fotos gemacht (dann war sein Speicher voll, was er mir aber erst auf der Rückfahrt verraten hat. Bis dahin hat er weiterhin so getan, als würde er Fotos machen…):

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Damit war es dann aber zum Glück noch nicht vorbei, denn das war erst Mal nur der Almabtrieb. “D’r Schaid” hat seinen Namen aber von der Scheidung/Trennung der Tiere, denn diese müssen nun nach ihren Besitzern aufgeteilt werden. Und damit da auch ja alles mit rechten Dingen zugeht, schauen alle aufmerksam zu:

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Dort konnte man dann auch noch die Kranzkuh und das Kreuzrind aus der Nähe bewundern und anfassen:

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Die Kranzkuh ist traditionell die schönste Kuh und wird besonders geschmückt, wenn es in der Zeit auf der Alm keine tödlichen Zwischenfälle (für Mensch und Tier) gab. Dieser wird (so sagt es Wikipedia) “aufwändig aus Zweigen, Blumen, Gräsern und Bändern in Form einer Krone geflochten”. Und weiter: “Meist zeigt der Kranz ein Kreuz, womit um den Schutz des Himmels gefleht wird, sowie Spiegel und Glocken zur Abwehr böser Geister.” Können wir alles bestätigen.
In Seeg gibt es allerdings nicht nur die überall verbreitete Kranzkug, sondern auch noch das weniger verbreitete Kreuzrind.

Auf dem Heimweg, musste ich dann aber doch noch ein paar Mal anhalten, um die schöne Landschaft festzuhalten:

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Das nächste Mal darf es dann ruhig ein größerer Schaid sein. Jetzt wissen wir ja, was auf uns zukommt…

Ende. Also nach dem zugehörigen Symbolbild:

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