
Silvester 2009, das letzte Silvester, das Frau Bü und ich noch zu zweit erleben können, das nächste mal ist dann (toc toc toc) ein kleiner Schreihals mit dabei.
Grund genug, das Jahr mal ganz anders ausklingen zu lassen als die Jahre zuvor und nur mal in gemütlicher Zweisamkeit zu feiern. Wobei das “gemütlich” leicht gestrichen werden muss, da wir die Idee hatten, das ganze noch (muss ja was besonderes sein) mit einem 10-Gänge-Menü zu verbinden. Selbstgekocht versteht sich.
Und so wurde es ein Silvester, das im Wechsel in Küche, am Esstisch und auf der Couch gefeiert wurde.
Sehr sehr schön, sehr lecker und sehr empfehlenswert.
Und da wir ja nicht so sind, bekommt ihr auch was davon ab, wenn auch nur in Fotoform und Rezepten.
Gang 1: Spargel Sushi

Das Menü startete direkt mal mit einem kleinen Desaster, denn die gelierte Sauce Hollandaise wollte einfach nicht in der Strudelteig-Rolle bleiben, so dass um den Teig einfach nochmal eine Schicht Sauce kam, ehe diese mit dem Schinken ummantelt wurde. In der Mitte dann natürlich noch der Spargel.
Hat nicht so ganz geliert wie es sollte, darum auch nicht so wirklich hübsch anzurichten. Muss nicht nochmal sein…
Hier das Rezept.
Gang 2: Blattsalat mit knusprigem Ziegenkäsebonbon

Das Bonbon (aus Frühlingsrollenteig) ist mit Ziegenkäse und Zwiebelconfit gefüllt (Memo an mich: Das nächste Mal mehr Käse und weniger Confit) und sehr sehr lecker. Das Salatdressing etwas gewöhnungsbedürftig und das nächste Mal sicher nicht mehr mit dabei.
Hier das Rezept.
Gang 3: Melonenkaviar

Kann man die gelierte Hollandaise schon als molekular einstufen, so ist es hier eindeutig: Mein Molekular-Cocktail-Kasten kam auch in diesem Jahr wieder zum Einsatz. Die Kaviar-Kügelchen sind dabei etwas, was sehr schick aussieht, mir nie wirklich gelungen sind (sie werden einfach zu klein und sehen immer leicht glibberig aus) und im Geschmack leider oft etwas arm daherkommen.
Dafür war der Schinken umso stärker, was jetzt auch nicht unbedingt so ideal war…
Naja, hauptsache es sah gut aus.
Hier das Rezept.
Gang 4: Blutwurst unterm lila Nest

Eigentlich sollte das hier ja ein “Wachtelei im Nest” (Rezept) werden, nur dass die Garnele durch Bluwurst aus diesem “Himmel und Erde”-Rezept ausgetauscht werden sollte. Dann waren die Wachteleier aber dummerweise überall ausverkauft.
Also ohne Ei. Statt dessen hatten wir (wieder angeregt durch ein anderes Rezept) die Idee, für den Kartoffelpüree einfach mal violette Kartoffeln zu nehmen. Hatte ich vorher noch nie gesehen, was bei dieser krassen Farbe echt erstaunlich ist. Vom Geschmack ist es nicht weit weg von der normalen Kartoffel, bei der Konsistenz schien das violette Püree aber irgendwie klebriger oder so. Auf jeden Fall mal interessant und auch ohne Ei lecker.
Gang 5: Bratspieße aus Hühnchen-Teriyaki in Zuckerwatte mit molekularem Salat

Ein Gang (die Bratspieße), bei dem ich schon ewig vorher anfangen musste, ihn immer wieder anzubringen, bis Frau Bü das “OK” gegeben hat. Irgendwie findet sie das Bild im Originalrezept eklig. Ok, eine gewisse Ähnlichkeit zu einem Holzstamm, der von irgendeinem Getier eingesponnen wurde ist nicht zu leugnen, trotzdem läuft mir beim Anblick das Wasser im Mund zusammen.
Noch viel mehr, seit ich weiß, wie lecker es wirklich ist. Sehr sehr lecker. Sagt übrigens auch Frau Bü. Darum wird es wohl heute Abend nochmal so Spieße geben, da noch genug Fleisch und Sauce übrig ist und auch die Zuckerwattenmaschine (die auch schon Silvester 2007 zum Einsatz kam) noch bereit steht. Huiuiui!
Auf meinen Fotos sieht die Watte übrigens nicht ganz so toll aus, da sie an dem heißen Fleisch schnell zusammengeschrumpelt ist, ich nehme also mal an, dass sie beim Rezept entweder viel schneller das Foto gemacht haben, oder kaltes Fleisch genutzt haben, was ich aber nun nicht machen würde. Außer für ein Foto…
Der Salat war dann auch molekular, wieder die Kaviar-Kügelchen, diesmal mit Petersilie- und Zwiebel-Geschmack. Der (rote) Gemüsesaft hat das Alginat nicht vertragen und ist dickflüssig geworden, was aber nicht so schlimm war. Auch nichts, was ich wiederholen würde.
Hier das Rezept.
Gang 6: In Speck gebratener grüner Spargel an Blumenkohl-Pfirsich-Mus

Hier musste mal wieder etwas grüner Spargel verbraucht werden, da in Gang 1 ja nur zwei Stangen benötigt wurden, wir aber ein ganzes Glas kaufen mussten.
Das spektakuläre an diesem Gang aber war das Blumenkohl-Pfirsich-Mus. Eine sehr interessante Kombination, die überraschend gut zu Speck und Spargel gepasst hat.
Hier das Rezept.
Gang 7: Schweinsfilet auf Apfel-Trauben-Chutney und Zwetschgenfarbe, Grünteenudeln

Ein Rezept aus diesem Molekularbuch (Amazon Partnerlink), welches ich zu Weihnachten geschenkt bekommen habe. Aber auch hier konnte mich der molekulare Teil (die Grünteenudeln, die bei uns aufgrund unpassender Grünteesorten nicht wirklich grün waren und auch wieder das Geschmacksarmutproblem hatten) nicht wirklich überzeugen, das Chutney und vor allem die Zwetschgenfarbe waren aber ein Traum und kommen sicher nochmal auf den Tisch.
Rezept kann ich nicht verlinken, steht wie gesagt im obigen Buch.
Gang 8: Avocado-Carpaccio mit cremigem Limetten-Dressing

Hatte ich hier den Dessert-Kurs erwähnt, den ich letztens besuchte? Da hatte ich auf jeden Fall Fotos geschossen und die der Kursleiterin geschickt. Als Dank hab ich noch Rezepte von einem anderen Kurs bekommen (“Gorumetmenü”), darunter eben genau dieses, welches wohl aus diesem Buch von Alfons Schuhbeck stammt: Eine Kombination aus Mango, Avocado, Limette, Gurke und Frühlingszwiebel, wo es mir alle Nackenhaare hochstellt, was aber unglaublich lecker geschmeckt hat.
Ich hab das Rezept auch noch online gefunden, heißt da nicht Avocado-Carpaccio, sondern Avocadosalat.
Gang 9: Gelbe Grütze mit Lebkuchensahne

Die Nachspeise beginnt und damit verließen wir auch das Gebiet der Gerichte, die wir nie zuvor probiert hatten, denn sowohl Gang 9 als auch Gang 10 hatte ich schon gegessen (Frau Bü nur Gang 10). Die gelbe Grütze hab ich nämlich in eben jenem eben erwähnten Dessert-Kurs kennengelernt und für sehr lecker befunden.
Gestern gabs dann aus bekannten Gründen die Variante ohne Portwein und Rum, was man leider auch geschmeckt hat (trotz Rum-Aroma und alkoholfreiem Rotwein). Das nächste Mal dann wieder nach Alenas Schwangerschaft. Ist eh ein Weihnachtsessen…
Online konnte ich das Rezept nicht finden, veröffentlichen ist wegen Urheberrecht auch kritisch. Wer es also per Mail zugeschickt haben will, meldet sich einfach in den Kommentaren…
Gang 10: Gebackenes Baiser-Eis

Das hatten wir vor über drei Jahren mal in viel zu großer Menge, gestern sollte es dann endlich mal wieder auf den Tisch kommen. Diesmal aber in kleinen “Crème brûlée”-Förmchen. Und da es der 10. Gang war, haben wir den Bisquit-Teig diesmal auch nicht selber gemacht, sondern Tortenboden hergenommen. Daher war der Teig diesmal auch nur unten drunter, statt komplett um das Eis rum, weswegen es dann doch leicht angeschmolzen ist. Trotzdem lecker und ein feiner Abschluss.
Hier ein Rezept, bei dem noch Früchte mit einbezogen wurden.
So, das war unser Silvester-Menü. Vielleicht ist ja für den ein oder anderen was dabei.
Und ach, bevor Fragen kommen: Ja, uns kann man mieten, aber das wird nicht gerade billig ;-)